Der Schreibtisch von … Stephanie Vieler - Standort38
25. August 2020
Portraits

Der Schreibtisch von … Stephanie Vieler

Gründerin und Geschäftsführerin von urway

Stephanie Vielers Arbeitsplatz sprüht vor Lebensfreude. Foto: Julia-Janine Schwark.

Vor dem Schreibtisch von Stephanie Vieler steht ein gelber Sessel, darüber zieren viele bunte Post-its die Wand. Und auch Steffi, wie sie von allen genannt wird, selbst fügt sich mit ihrem sonnengelben Kleid in die farbenfrohe Umgebung ein und scheint regelrecht vor Energie zu sprühen.
Sie arbeitet inzwischen von zuhause aus. Denn in der Corona-Zeit haben Steffi und ihre Kollegin Katrin Hoebbel von urway beschlossen, das gemeinsame Büro aufzugeben. „Ich bin glücklich, dass wir es so gemacht haben“, erzählt sie. Ihre Klienten trifft sie nun zuhause oder geht mit ihnen spazieren, zoomt, facetimed oder telefoniert. „In der Begleitung läuft sowieso ganz viel über WhatsApp. Das ist auch viel reaktiver, als nur diesen einen Termin zu haben.“

Steffis Klienten sind Menschen, die zu sich selbst finden möchten – beruflich wie privat. Meistens haben sie sich deshalb bereits im Vorfeld der Beratung auf einen spirituellen Weg begeben. „Das Spirituelle wird häufig dogmatisiert. Dabei ist es eigentlich etwas ganz Natürliches. Es ist die Beschäftigung mit uns selbst“, sagt sie. Der Weg, die eigenen, individuellen Schwingungen und Energien freizusetzen, sei dabei vielseitig. Insbesondere Unternehmer merkten oftmals erst spät, warum sie nicht vorankommen. Einen häufigen Grund dafür sieht die Mentorin in den Energien, die sie ausstrahlen und in denen sie ihre Mitarbeiter arbeiten lassen. „Wenn ein Mitarbeiter keinen Mehrwert in seiner Arbeit sieht, dann erledigt er sie auch mit einer niedrigen Energie. Anders ist das, wenn man den Mitarbeitern seine Vision mitteilt.“ Schließlich wäre ein Mitarbeiter erst darin frei, die eigenen Potenziale einzusetzen, wenn er sich mit dem Zukunftsbild des Unternehmens identifizieren könne.

Dennoch schrecken nach wie vor viele Unternehmen davor zurück, Mitarbeiter auch ihre Persönlichkeit entwickeln und einsetzen zu lassen, beobachtet Steffi. Das sei vor allen Dingen eine Frage des eigenen Selbstverständnisses. „Wenn ich mich mit meiner Position identifiziere, dann ist das nicht gleichzusetzen mit der eigenen Persönlichkeit“, erklärt sie. „Ansonsten kann mir jemand gefährlich werden, weil ich mit meiner Position auch meine Identität verliere.“ Doch nur allzu oft trifft Steffi auf diese Denkweise. „Das liege vor allem daran, dass den meisten Menschen das Bewusstsein für ihre Einzigartigkeit mit dem Heranwachsen verloren geht.“ Stattdessen trete das Streben nach Perfektionismus an diese Stelle.
Auch für die alleinerziehende Mutter von drei Kindern ist es ein langer Weg, bis sie ihrem Herzen und ihrer Seele folgt. Sie arbeitet 25 Jahre lang in einem mittelständischen Unternehmen in der Region. „Aber ich habe schon immer den Ruf gehört, dass ich mehr kann. Dass ich eigentlich was Anderes machen möchte.“ Als der Druck vor zwei Jahren immer größer wird und schließlich auch körperliche Konsequenzen nach sich zieht, verlassen Steffi und ihre bereits damalige Kollegin Hoebbel das Unternehmen und machen sich mit ihrer Firma urway selbstständig. Am Anfang bieten sie vor allem Organisationsberatung und Berufscoaching an. „Doch irgendwie haben wir auf der Wegstrecke gemerkt, dass wir zwar selbstständig sind, aber immer noch nicht das machen, was wir wollen.“ Steffi zieht es mehr in die Begleitung auf dem Weg der Persönlichkeitsentwicklung. Der Gedanke, den sie dabei sowohl an Unternehmer als auch an Privatpersonen vermitteln möchte: „Alles, was man sich vorstellen kann ist möglich.“

Das Schöne an ihrer Arbeit sei es, zu sehen, wie die Menschen neugierig werden, wenn man ihnen zeigt, was Energie ist und sie es spüren können. „Wir müssen das nicht erst lernen. Wir müssen es nur wiederfinden.“ Dazu sei es essentiell der Freude und dem was uns Spaß macht zu folgen – so wie wir es auch in unserer Kindheit gemacht haben. „Aber bei vielen ist das Empfinden, was ihnen guttut, gar nicht mehr vorhanden. Das muss erstmal wieder freigelegt werden.“ Für Steffi selbst sind es vor allem kleine Dinge, die ihr gut tun – wie in der Sonne zu arbeiten, Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, Bodycombat-Training oder Musik zu hören. Vor allem aber folgt sie einem Motto: „Lass dein Herz Dinge tun, die sich dein Kopf nicht traut.“

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