Der Schreibtisch von Tina Loose - Standort38
20. Juni 2019
Portraits

Der Schreibtisch von Tina Loose

Geschäftsführerin der Floßstation Braunschweig GmbH

Foto: Tarik Kettner

Vor 28 Jahren kam Tina Loose für einen Job in der Gastronomie nach Braunschweig. „Damals war ich sicher, dass ich hier nächstes Silvester wieder weg bin“, erzählt Loose, für die der Umzug von Dresden nach Braunschweig damals fast einem Kulturschock glich. Doch es kam anders: Mittlerweile liebt Tina Loose die „dörfliche Stadt“. Und die Gastronomie? Gelegentlich findet man sie noch in der Küche – dann kocht sie für Feierlichkeiten in ihrem Unternehmen. Denn seit sechs Jahren leitet sie die Floßstation Braunschweig GmbH.

Durch einen befreundeten Koch fand sie ihren Weg zur Floßstation und tauschte Gastronomie gegen Geschäftsführung. Nach fünf Jahren im Starenkasten in Rüningen, fünf Jahren im damaligen Stadthotel und weiteren fünf Jahren in Franzis Wirtshaus, „muss man auch irgendwann mal etwas Anderes machen.“

Heute bereitet sie Touristen, Unternehmern und auch Einheimischen einzigartige Erlebnisse auf der Oker, aber auch in ganz Braunschweig. Die Sonnenstrahlen auf einem Floß genießen, mit an Bord nach Belieben ein Grill, das komme bei den Besuchern am besten an. „Beim Bootsverleih an der Okercabana und am Fallersleber Tor können auch Paddel-Boote und Tretboote spontan ausgeliehen werden. Man kann sich aber auch selbst ein Floß bauen.“ Rund 30.000 Menschen haben ihre Freizeit im vergangenen Jahr auf einem Floß oder Boot in vollen Zügen genossen.

Während in der Hauptsaison, die Mitte April anfängt, ihre Gäste die Füße in die kühle Oker und ihre Seele bei den sommerlichen Floßfahrten baumeln lassen, kann Loose nicht an Entspannung denken. Immer mobil und erreichbar, von halb sieben morgens bis in den späten Abend hinein, das Handy überall dabei und den Laptop unter dem Arm. Viele ihrer Arbeitsstunden verbringe sie am liebsten im eigenen Garten. Außerdem gönne sie sich statt Sommerurlaub jeden Winter eine vierwöchige Auszeit, erzählt Loose. Dafür bleibt das restliche Jahr keine Zeit.

Gutes Wetter ist für eine Floßfahrt entscheidend – sowohl im Sommer als auch im Winter bei der Glühwein-Fahrt. Damit hätte es jedenfalls im letzten Jahr keine Probleme gegeben. „An keinem einzigen Tag musste ich in die Wetter-App schauen, ob die Floßfahrt stattfinden kann.“ Aber die Floßstation Braunschweig ist längst nicht mehr nur auf dem Wasser aktiv: City-Challenges und Teamparcours werden oftmals als Teambuilding-Aktivitäten von Unternehmen genutzt. Im sogenannten Oker-Abenteuer müssen Aufgaben gelöst und die Braunschweiger Stadt erkundet werden. „Die diversen Angebote schaffen zusätzliche Einnahmen und Sicherheit“, erklärt die Geschäftsführerin. „Damit haben wir Alternativen für Zeiten, in denen mal kein Wasser in der Oker oder auch Hochwasser ist.“

Auch einige andere Anbieter befahren die Oker – Loose möchte „es attraktiver, vor allem aber schöner machen.“ Dafür kooperiert sie mit anderen Braunschweiger Unternehmen wie Café Haertle, Fleischerei Neubauer oder Bäcker Priemer, der gerade zum besten Braunschweiger Bäcker gekürt wurde. „Viele wollen noch mehr machen als nur mit dem Floß zu fahren. Da geht es um das Rundherum-Paket.“ Auch in Sachen Service: Bei Bedarf empfiehlt sie ihren Gästen sogar Unterkünfte.

Selbst auf dem Floß unterwegs ist Loose so gut wie nie: „Das schaffe ich nur am Saisonende, wenn wieder weniger zu tun ist.“ Das sei aber auch gut so, denn „auf dem Floß zu arbeiten, ist eigentlich viel zu schade. Dort sollte man einfach mal nichts tun und entspannen.“

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