und
6. August 2019
Portraits

Der Weg nach ganz oben

Ein Besuch bei Diana Brinkmann, Vorstandsassistentin der Volksbank BraWo und neuerdings Geschäftsführerin des Sky-Restaurants Überland, im Business Center II. des BraWo Parks

Foto: Siri Buchholz

Die Fahrstuhltür öffnet sich, auf einem Display leuchtet die Zahl 16. Höhenangst darf man im Vorstand der Volksbank nicht haben, denn bis das Büro erreicht ist, müssen 15 Etagen zurückgelegt werden. Oben angekommen herrscht eine freundliche Atmosphäre, die Fensterfront taucht die großen Büros in ein helles Licht. Schaut man nach draußen, wirken die Autos auf dem Parkplatz des BraWo-Shopping-Centers wie Legosteine. Weiße Hochglanzmöbel, vereinzelt dunkelgraue Wände, schicke Designlampen und ein dicker Teppich, der alle Geräusche schluckt, zeigen: Die Volksbank BraWo hat in den vergangenen Jahren nicht nur einen frischeren Ruf erhalten, sondern auch innen hat sich einiges getan – „raus aus der Spießigkeit“ hin zu einem „jungen, modernen Unternehmen“, findet Diana Brinkmann, die sich gemeinsam mit der Bank gewandelt und weiterentwickelt hat …

20 Jahre im Unternehmen

Der Weg in die Vorstandsetage beginnt mit einem Inserat in der Braunschweiger Zeitung. Eins „mit fürchterlichem Layout, das die Volksbanken früher hatten, ganz in schwarz.“ Von einem freundlichen Image ist noch nichts zu erkennen, „an sich war das eher abschreckend“, erinnert Brinkmann sich und lacht. Das ist knapp 20 Jahre her. Es ist eine Anzeige für den Beruf der Vorstandsassistentin der Volksbank. Im Gegensatz zum Design scheinen die Aufgaben reizvoll und eine neue Herausforderung kommt der damals Ende-20-Jährigen recht gelegen: Nach der Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten merkt sie, „dass das nicht mein Beruf und meine Welt ist.“ Auch die Arbeit als Sekretärin in zwei Steuerberatungskanzleien in Salzgitter und Wolfenbüttel reicht ihr nicht.

Mittlerweile ist sie ganz oben angekommen – nach einem Tag voller Termine eilt sie in die Lounge der Vorstandsetage. In hohen Schuhen, einem schwarzen Bleistiftrock und einer knalligen Bluse unter dem Blazer setzt sie sich in die bordeauxroten Ledersessel. Durch die Fensterfront kann sie weit über die Stadt blicken. Sie wirkt selbstbewusst. „Ich bin ein sehr nachdenklicher Mensch, aber auch impulsiv und sehr organisiert“, sagt sie in dem Gespräch, dass sich als ihr erstes Interview herausstellt. Im nächsten Jahr ist Brinkmann 20 Jahre bei der Volksbank BraWo. „Mein Beruf ist leider noch immer mit einem negativen Image belastet – häufig verbindet man damit Kaffeekochen und Briefe nach Diktat tippen. Solche Sekretärinnen gibt es sicher noch, aber mit meinem Beruf hat das nichts mehr zu tun.“ Als Organisationstalent und Assistentin des Vorstandes – den Begriff findet sie moderner – „organisiert und lenkt“ sie ihren Chef, der im Übrigen ihr Ehemann ist. Beruf und Privatleben werden aber strikt getrennt.

Wandel mit dem Unternehmen

Vor dem Umbau des Berliner Platzes liegen in der Volksbank alte Teppiche, ebenso betagte Eichenmöbel machen den Raum dunkel und unfreundlich. Alles ist schwerfällig, altmodisch, verstaubt. „Ich kenne noch Zeiten, da wurde während der Sitzungen des Aufsichtsrats Alkohol getrunken und Zigarre geraucht.“

Die letzten zwei Jahre dieser Ära hat die Assistentin noch miterlebt, danach durchlebt sie gemeinsam mit der Bank einen Wandel, angestoßen durch einen Generationenwechsel im Vorstand. Die Volksbank hat mittlerweile nicht nur architektonisch ihre Spuren in der Region hinterlassen – „nicht umsonst haben wir mittlerweile über 90 Tochtergesellschaften.“

Brinkmann hat dabei schon immer genaue Vorstellungen: Ihr Arbeitsplatz soll hell, freundlich und modern sein. Ihr Büro heute ist genau das. Ein großer freistehender Schreibtisch, eingezäunt von einer Fensterfront auf der einen und Glaswänden auf der anderen Seite. Diana Brinkmann ist ein strukturierter Mensch – das zeigt schon ein Blick auf ihren Schreibtisch. Ihr Arbeitsplatz könnte nicht ordentlicher sein: Ein abgerundeter Schreibtisch, keine Ecken, keine Kanten. Sogar der Desktop ist gebogen und schmiegt sich an die Form des Tisches. Auch Telefon, Stifte und Notizblöcke bilden einen Halbkreis.

Statt einem Aktenberg ist nur eine weiße Orchidee auf dem Tisch. „Beim Umbau am Berliner Platz durfte ich mich sehr stark miteinbringen, wie auch in den Neubau der Vorstandsetagen am Willy-Brandt-Platz. Ein Büro und die Atmosphäre, in der man arbeitet, kann so grundverschieden sein. Der Umzug in das jetzige Gebäude hat meine Arbeit aufgewertet – und nicht nur das eigentliche Arbeiten, sondern auch das Gefühl dabei.“

Zwei Etagen höher

Die Assistentin gehört heute zur dritten Führungsebene der Bank. Und da ist sie nicht die einzige Frau – „in der Bank gab es schon immer viele Frauen. In den Führungspositionen mittlerweile auch.“ Dank ihrem Organisationstalent steht sie auf der Karriereleiter noch zwei Etagen höher: zusammen mit Lars Nussbaum ist sie Geschäftsführerin des Sky-Restaurants Überland in der 17., 18. und 19. Etage. Beruflich noch einen Schritt weiterzugehen, kam für Brinkmann eigentlich gar nicht in Frage: „Irgendwann stößt man auch an die eigenen Grenzen, was die berufliche Qualifikation anbetrifft.“ Doch die Frage, das Überland von der Bankseite zu leiten, beantwortet sie ganz mutig mit „Ja“. Fleißig besucht sie Seminare zum Thema GmbH-Geschäftsführung – „da bin ich auch immer noch nicht ganz fertig.“

Dass ein ausgeprägtes Stilbewusstsein im Berufsleben eine nebensächliche Rolle spielt, scheint ein Irrglaube zu sein: „Ich bin erst zu diesem Job gekommen, weil ich bei dem Bau und der Ausstattung des Restaurants meinen Geschmack einbringen sollte, weil man damit schon gute Erfahrungen gemacht hat.“ Das Ergebnis: grüne Samtbänke vor dunklen Holztischen auf schwarzen Beinen. Darauf stehen frische weiße Blumen und goldene Kerzenständer. Das Restaurant wirkt edel und der Blick über die ganze Stadt unterstützt die exklusive Atmosphäre. „Den Kreativitätsstatus, den ich in der Bank habe, habe ich dadurch nochmal toppen dürfen. Ich gestalte viel – am Anfang das Restaurant an sich, jetzt geht es darum, eine Unternehmenskultur zu schaffen.“

Neue Ausgehkultur

Die einzige Verbindung zwischen der Gastronomie und der neuen Geschäftsführerin ist ihre Vorliebe, essen zu gehen. „Ich kann nicht einmal sagen, ich hätte schon mal gekellnert.“ Sie lacht. Zum Glück ist das für ihren Job auch gar nicht nötig: „Lars Nussbaum ist für den gastronomischen Part und das operative Geschäft zuständig, ich organisiere alles drum herum und gucke auf die Zahlen.“ Brinkmann ist zufrieden – vor allem auch mit der Zusammenarbeit der Geschäftsführung. „Wir ergänzen uns hervorragend.“

Auch bei dem Ruf eines exklusiven Sky-Restaurants bleibt die Geschäftsführerin bodenständig: „Wir möchten eine neue Ausgehkultur in lockerer Atmosphäre schaffen, die Leute sollen ohne Scheu zu uns kommen. Wenn das so eintrifft, wird auch der weitere wirtschaftliche Erfolg nicht auf sich warten lassen.“

Keine Barrieren und neue Potentiale

Bisher läuft das Geschäft sehr gut. „Die Gäste sind positiv beeindruckt von der Location und dem Essen.“ Nicht nur das Restaurant ist Neuland in Braunschweig, auch die neue Arbeitswelt lässt Brinkmann neue Potentiale in sich entdecken. „Ob Chef oder Mitarbeiter – man duzt sich. Das ist für mich eine völlig neue Erfahrung.“ Viele Menschen schätzten sie als streng ein. Das sei sie aber nur, wenn die Ansprache oder der Umgang untereinander nicht stimme. Vielmehr möchte sie die Barriere zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter abbauen. „Es macht wirklich Spaß, aus den starren Strukturen der Bank auszubrechen.“

Ein Vorbild für das Überland gibt es nicht. Um Inspirationen für das neue Restaurant zu sammeln, reisen Brinkmann und ihr Geschäftsführer-Kollege durch Deutschland. Das passt gut, denn Brinkmann reist auch in ihrer Freizeit sehr gerne – sie komme gerade von einem tollen Sightseeing-Urlaub in Moskau, erzählt sie ausgelassen. Mit ihrem Mann führt sie eine „interne Bucketlist“ mit Reisezielen. Dabei ist die Neugier immer groß: „Ich möchte immer gerne etwas Neues machen.“

Schlaflose Nächte

Die Impulse, die die Assistentin in die Geschäftsführung einbringen kann, zollen aber auch ihren Tribut: „Seit dem Überland arbeite ich gefühlt rund um die Uhr.“ Sport und Freundetreffen ist im letzten halben Jahr ein wenig auf der Strecke geblieben. Brinkmann ist begeisterte Steakesserin – es könnte angenommen werden, dass die langen Arbeitstage immerhin mit einem leckeren Essen im eigenen Restaurant belohnt werden. „Ich gebe zu: das habe ich bisher vermieden.“ Aber auch das ist nicht ohne Strategie. „Am Anfang war es wichtig für mich, dass ich den Mitarbeitern nicht das Gefühl vermittle, dass ich als Chefin gleich einen Kontrollgang mache. Ich möchte, dass die Mitarbeiter sich erst finden.“

Außerdem ist sie in letzter Zeit sowieso von morgens bis abends mit dem Thema Überland beschäftigt. Ihre Arbeitszeit verbringt sie momentan 80 Prozent als Geschäftsführerin und 20 Prozent als Assistentin. Brinkmann ist aber der festen Überzeugung: Das kann so nicht bleiben. Ihre Kolleginnen haben schon zu viele Assistenz-Aufgaben aufgefangen, denen sie sich in Zukunft wieder mehr selber widmen möchte.

Diana Brinkmann: Assistentin, Organisationstalent und Geschäftsführerin. Foto: Siri Buchholz

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