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4. August 2017
Portraits

„Ich war ein typischer Nerd“

Bernhard Hönigsberg, Geschäftsführer und Sprecher der H&D International Group, über nerdige Nachtschichten, den Mut ein Unternehmen zu gründen und eine beeindruckende Wachstumsgeschichte, die längst noch nicht zu Ende sein soll.

Bernhard Hönigsberg, Geschäftsführer und Sprecher der H&D International Group. Foto: Holger Isermann

Ein heißer Sommerabend im Juni – Freibadwetter. Während die meisten Mitarbeiter den H&D Campus in Gifhorn bereits verlassen haben, ist der Tag für Unternehmensgründer Bernhard Hönigsberg noch nicht zu Ende. Es steht ein Meeting an, dann das längst überfällige Titelinterview mit Standort38. Denn seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1996 hat der IT-Dienstleister eine atemberaubende Wachstumsgeschichte hingelegt, die erzählt werden muss. Mittendrin Bernhard Hönigsberg, der Denker und Tüftler, der auch heute noch seine Freizeit am liebsten am Computer verbringt und neue Geschäftsfelder wie die KI oder IT-Forensik entwickelt. Nach zuletzt schwierigeren Zeiten, stehen die Zeichen bei H&D jetzt wieder auf Wachstum. Mit Offshoring und dem Rückenwind der digitalen Tranformation will das Unternehmen in den kommenden fünf Jahren 250 Millionen Euro Umsatz erreichen. Wie dieses ehrgeizige Ziel Wirklichkeit werden soll – lesen Sie selbst…


Herr Hönigsberg, wann und wo hatten Sie Ihre erste Begegnung mit einem Computer?

Das war irgendwann während meines Maschinenbaustudiums in Gelsenkirchen. Mein allererster Computer war ein HP Taschenrechner mit einer Magnetkarte. Später gab es dann HP Arbeitsplatzrechner. Die sahen aus wie eine Schreibmaschine mit einem kleinen Display. Irgendwann dazwischen hat meine Schwiegermutter mir einen Commodore C64 geschenkt. Von da an habe ich hauptsächlich am Computer programmiert.


Was hat diese neue Technik in Ihnen ausgelöst?

Ich war von den Computern völlig fasziniert und habe angefangen, relativ schnell in der Programmiersprache Assembler auf dem C64 Programme zu schreiben, die, außer mir, wahrscheinlich niemand auf der Welt gebraucht hat (lacht).


Der C64 war ja vor allem ein Spiele-Heimcomputer, haben Sie auch gespielt oder nur programmiert?

Eigentlich nur programmiert. Es gab damals jedoch ein Spiel mit einem grünen Männchen. Da habe ich gesagt: Dich mache ich blau oder rot und habe den Code umgeschrieben. Ich habe mit Programmieren tatsächlich auch mein erstes Geld verdient. Das waren zwar nur ein paar D-Mark, aber es hat für den Kauf eines Druckers und eines Floppy-Laufwerks gereicht.


Haben Sie damals schon geahnt, welches Potenzial die IT beruflich bietet?

Nein, ich habe nicht im Geringsten damit gerechnet, dass da mal etwas Berufliches herauskommt. Es hat mich einfach fasziniert und ich habe mich voll in das Thema gestürzt. Da ich Maschinenbauer und in einer Art Selbstlerngang Informatiker war, habe ich dann sehr schnell meinen ersten Job als Systemprogrammierer bekommen …


Was haben Sie genau gemacht?

Das war ein Computerprogramm, das versteckte Ressourcen für den Basic-Programmierer zugänglich gemacht hat. Es gab eine gewisse Art Speicher, der nach heutigen Maßstäben winzig war, 64 Kilobyte. Davon konnten Sie nur 32 Kilobyte nutzen. Ich habe dann ein Sampler-Programm geschrieben, dass ermöglicht von Basic aus, diese Ressourcen zu nutzen. Davon habe ich mit einer Bürofirma zusammen, bei der ich auch Computerberatung gemacht habe, ein paar hundert Stück verkauft.


Waren Sie ein typischer Computer-Nerd?

Den Begriff habe ich erst in den heutigen US-amerikanischen Fernsehsendungen zum ersten Mal gehört, aber ja – ich war damals wohl tatsächlich so ein typischer Nerd.


Sie sind quasi in der Materie regelrecht aufgegangen?

Ja, ich habe wenig geschlafen und mich viel informiert, das Studium ein bisschen schleifen lassen und es dann in einer Gewaltaktion noch halbwegs gut abschließen können.


Im Jahr 1987 ging es in Wolfsburg los für Sie. Wie kam es dazu?

Volkswagen benötigte zu der Zeit genau mein Profil, Maschinenbau plus Informatik, weil sie dort gerade CAD-Systeme einführen wollten. Ich konnte mir damals den Job aussuchen, habe mich für Volkswagen entschieden und das bis heute nicht bereut.


War das damals eine ähnliche Aufbruchstimmung wie heute bei der digitalen Transformation?

Das kann man nicht vergleichen. Wir haben heute eine andere Technologie und sehr viele junge Menschen, die mit dieser Technologie aufgewachsen sind und eine völlig andere Sichtweise darauf haben. Heute sind die Abläufe sehr viel arbeitsteiliger und komplexer. Die digitale Transformation, die jetzt ansteht, ist für Leute wie mich eine ganz normale Folge aus dem, was ich in den letzten 30 Jahren gemacht habe.


Klingt nach echter Pionierarbeit…

Ja, meine Kollegen und ich waren schon Pioniere. Nicht wie Microsoft oder Apple, die Basistechnologie entwickelt haben, aber wir haben sie in die Wertschöpfung eingebracht und die Menschen von den Möglichkeiten überzeugt.


Wie denken Sie heute über diese zwölf Jahre bei Volkswagen?

Es hat einen Riesenspaß gemacht. Anfangs war ich schon etwas eingeschüchtert, weil es so ein großer Konzern war, und ich als Ingenieur ein so kleines Rädchen. Da ist man, wenn man morgens vor diesem Riesengebäude steht, schon ein bisschen beeindruckt. Das hat sich aber sehr, sehr schnell gegeben. Ich bin wohl einer der wenigen Menschen, der sich selbständig gemacht hat, ohne, dass er vom Angestelltensein genervt war.

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„Ich war ein typischer Nerd“ – Bernhard Hönigsberg, Geschäftsführer und Sprecher der H&D International Group, über nerdige Nachtschichten, den Mut ein Unternehmen zu gründen und eine beeindruckende Wachstumsgeschichte, die längst noch nicht zu Ende sein soll. (2/4)

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