„Menschen brauchen Menschen" - Standort38
12. August 2020
Portraits

„Menschen brauchen Menschen“

Sascha Rabe, Leiter der Regionaldirektion der Deutschen Vermögensberatung in Braunschweig

Sascha Raabe beim Gespräch in seinem Büro. Foto: Stephanie Joedicke.

An den Wänden im Beratungszimmer der Campus Villa in der Wolfenbütteler Straße stehen Regale und darin Auszeichnungen, Bilder und Bücher – vornehmlich Biografien. An die zehn Stück sind mit dem bloßen Auge erkennbar, ohne einen Schritt näher heranzugehen. „Aus den Biografien erfolgreicher Menschen kann man viel für das eigene Berufsleben lernen“, ist sich Sascha Rabe, Leiter der Regionaldirektion der Deutschen Vermögensberatung in Braunschweig, sicher. Ob Jurist und Unternehmer Reinfried Pohl oder Tech-Investor Frank Thelen, „aktuell habe ich die alte Biografie von Lee Iacocca hervorgekramt. Darin stöbere ich immer wieder.“ Er kennt sie alle, die Lebensläufe der Koryphäen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt. Dabei ist der 47-Jährige selbst kein Unbekannter …

Einst wurde er von der Bild-Zeitung als Deutschlands jüngster Bankenchef betitelt. Ob das stimmte? „Es wurde zumindest behauptet“, sagt Rabe und lacht. „Ich war noch keine 30 Jahre alt und bereits Bankdirektor. Das war zu dieser Zeit sehr unüblich.“ Sein Werdegang gleicht einer Bilderbuchkarriere: Nach einer Bankenlehre studiert der gebürtige Braunschweiger Betriebswirtschaft in der Finanzmetropole Frankfurt mit dem Schwerpunkt Banken und Versicherungswesen und macht einen weiteren Abschluss im französischen Caen. Anschließend arbeitet er für einige Jahre als Marketing-Referent einer Investment-Bank in Paris. „Irgendwann musste ich mich entscheiden: Bleibe ich in den Bankenmetropolen der Welt, Frankfurt, London, New York, oder gehe ich zurück nach Norddeutschland.“ Letztendlich kehrt Rabe den Metropolen den Rücken und nähert sich wieder seiner Heimat. Er wird erst Filialleiter in Hamburg, übernimmt dann eine Niederlassung in Wolfsburg und wird später Direktor der Bank für den Marktplatz Hannover.

Gekipptes Berufsbild
„Bankmitarbeiter war damals ein ehrenhafter Beruf. Es ging darum, Kunden einen Mehrwert zu schaffen, sie auf ihrem Weg finanziell zu unterstützen. Und als Direktor hatte ich die Unternehmer und die lokale Wirtschaft vor Augen.“ Der 47-Jährige schwelgt in Erinnerungen – tatsächlich, denn das Berufsbild des Bankers kippt mit den Jahren zusehends und damit macht auch Rabes Karriereweg einen Knick. „Filialen wurden geschlossen und Mitarbeiter freigesetzt, Beratungen wurden vereinheitlicht und Individualität blieb auf der Strecke. Heute ist ein Bankdirektor jemand, der auch ein großes Callcenter leiten könnte. Der muss dafür sorgen, dass eine bestimmte Anzahl Mitarbeiter einer bestimmten Kundenzahl möglichst viele Produkte verkauft. Das war ich einfach nicht.“ Die Konsequenz: Rabe verlässt die Banken-, nicht jedoch die Finanzwelt und findet unter dem Dach der Deutschen Vermögenberatung ein neues Zuhause.
Heute führt er vom Standort Braunschweig aus Mitarbeiter in Frankfurt, München, Stuttgart, Berlin, Köln und Düsseldorf. Rund 180 Geschäftspartner deutschlandweit gehören zu seinem Team und Beratung in elf Sprachen zum Angebot. „Das ist etwas Besonderes und hebt uns auch im Gesamtunternehmen hervor.“ In der Unterstützung von Nicht-Muttersprachlern sieht er vor einigen Jahren außerdem die Chance, ein weiteres Standbein aufzubauen. Gemeinsam mit einem Geschäftspartner gründet er die Business in Germany GmbH. „Wir unterstützen immer dann, wenn Menschen, die nicht muttersprachlich deutsch sind, Fragen zu Finanz-, Steuer oder Rechtsthemen haben und aufgrund der Sprachbarriere an Grenzen stoßen.“ Rabe vermittelt dann Kontakte zu Anwälten und Experten.

Veränderungen im Markt
Sein Blick auf die Bankenwelt ist zunehmend kritisch – gerade in Zeiten der Corona-Pandemie. Aber auch allgemein haben Banken in seinen Augen in den letzten 20 Jahren stark an Reputation verloren. „Das ist kein Geheimnis. Der Einzelhandel ist geöffnet, aber die Banken nicht. Im Gegenteil: Große Banken in Deutschland haben fast zwei
Drittel ihrer Filialen geschlossen. Das war eine Wegbewegung vom Kunden. Menschen brauchen Menschen, davon bin ich überzeugt.“ Um Unsicherheiten abzufangen, führen Rabe und sein Team in der Hochphase des Lockdowns deshalb besonders intensive Kundengespräche, häufig über Videotelefonie. Das Stimmungsbild zeige sich dabei insbesondere unter den Firmenkunden divers. „Den Gastronomen geht es nicht gut, die versuchen das Verlorene wiederaufzubauen. Die Baubranche ist per se kaum betroffen. Dort herrscht Unsicherheit, ob die geringeren Steuereinnahmen der öffentlichen Hand zukünftig Auswirkungen auf Bautätigkeiten haben könnte. Und die Dienstleister kämpfen.“ Ob er sich als ein Profiteur der Krise bezeichnen würde? „Andere Marktteilnehmer haben in dieser Phase falsche Entscheidungen getroffen und der Markt wird sich dadurch verändern. Wir waren jeden Tag für unsere Kunden da und haben viel geleistet. Langfristig wird sich das auszahlen und es wird eine Verschiebung geben“, prognostiziert Rabe.

Das schnelle Geld
Das Geschäftsmodell des Vermögenberaters basiert auf Empfehlungen. Lockvogel-Angebote gibt es nicht. Und auch wer das schnelle Geld machen wolle, sei bei ihm nicht richtig, bemerkt Rabe. „Wir bieten keine spekulativen Produkte des grauen Kapitalmarktes an. Und ich bin auch nicht derjenige, der den super Aktien-Tipp hat und alle werden reich. Das möchte ich auch nicht sein.“ Investitionen sollten vielmehr langfristig getätigt werden und je nach Bedürfnis breit gestreut und wohl bedacht sein: „Sobald ein Angebot außergewöhnlich verlockend ist und aussieht, als wäre es völlig anders als der Markt, sollte man genauer hinschauen.“ Seine Rolle im Unternehmen nimmt Rabe inzwischen weniger als Berater, sondern vielmehr als vollumfänglicher Finanzcoach wahr. Denn Vermögen aufzubauen, bedeute zunächst einmal, das eigene finanzielle Verhalten zu reflektieren und auf die Wünsche abzustimmen. Erfahrungsgemäß viel Sparpotenzial liege in alltäglichen Ausgaben. „Sparen soll Spaß machen, aber Geld ausgeben auch – und zwar nicht um des Konsums Willen, sondern sinnvoll und mit Bedacht. Wie oft treffe ich auf Abonnements ungelesener Zeitungen oder ungenutzte Fitnessstudiomitgliedschaften. Auf zehn Jahre hochgerechnet kann oftmals locker ein fünfstelliger Betrag gespart werden, ohne dass man sich eingeschränkt fühlt.“
Seine Meinung und Investment-Tipps verbreitet der 47-Jährige auch über Social-Media-Kanäle – mit Erfolg: „Im Monat habe ich eine Reichweite zwischen 200.000 und 300.000 Views. Und ich bekomme dafür viel positive Resonanz, auch von Mitarbeitern anderer Vertriebe und Banken.“ Er schmunzelt. Angesprochen auf seine letzte Auszeichnung vom Erfolg Magazin als Top Experte Vermögensberatung, gibt er sich bescheiden. „Das hätte auch eine andere Firma treffen können.“ Umso stolzer ist er auf seine Auszeichnung für die Gewinnung und Ausbildung neuer Vermögensberater, ein schwarzer Adler, den er im Jahr 2018 vor 14.000 Kollegen in der Kölner Lanxess Arena überreicht bekommen hat. Die Statue hat einen Ehrenplatz in seinem Büro bezogen, auf einer Kommode, direkt gegenüber seinem Sekretär. „So kann ich immer wieder einen Blick darauf werfen und besinne mich sofort wieder auf mein Team. Das macht mich stolz.“

Der Mundwerker
Von seinen Investment-Tipps überzeugt Rabe nicht nur seine Kunden und Follower. Er investiert in Wertpapiere, Edelmetalle und Immobilien. „Meine Oma hat mir geraten, nicht alle in einen Korb zu legen. Insofern: ein breit gestreutes Portfolio an Geldanlagen. Das empfehle ich auch all meinen Kunden.“ Auch sein Oldtimer, ein 71er Mustang sei eigentlich eine Geldanlage. „Zumindest gewinnt er Jahr um Jahr an Wert. Verkaufen würde ich ihn aber nie“, sagt Rabe und lacht. Und wenn er einmal nicht über Finanzen nachdenkt oder in einer der vielen Biografien schmökert, „dann gibt es immer etwas auf unserem Resthof zu tun. Wenn ich den ganzen Tag Mundwerker bin, tut es gut, auch mal Handwerker zu sein.“

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