und
30. Januar 2016
Portraits

Menschen kaufen von Menschen (3/6)

Sind Sie da optimistisch? Für Perschmann auf jeden Fall. Hier ist unser Führungsteam gefragt. Wir stehen im Wettbewerb und leben nicht auf der Insel der Glückseligen.

Kisten und Schachteln voller Kleinteile und Werkzeuge: Kommissionierung bei der Hch. Perschmann GmbH in Braunschweig. (Foto: Anja Weber / regios24)


Sind Sie da optimistisch?

Für Perschmann auf jeden Fall. Hier ist unser Führungsteam gefragt. Wir stehen im Wettbewerb und leben nicht auf der Insel der Glückseligen. Trotzdem freut es uns natürlich, dass gerade neue Mitarbeiter uns immer wieder eine positive Firmenkultur bescheinigen.


Das dürfte das Recruiting für Sie einfacher machen, oder?

Wir müssen viel dafür tun, um im Gespräch zu bleiben zum Beispiel über die sozialen Medien, auf Recruiting-Messen oder im Bereich Corporate Social Responsibility. Natürlich wollen wir den Wendenern mit unserem Engagement im Jugendzentrum auch klar machen, dass es Alternativen zur Ausbildung bei VW und den anderen Großen gibt.


Warum sollte ein Schulabgänger denn zu Ihnen kommen?

Man hat hier einen Wirkungsbereich, in dem man wirklich etwas bewegen kann. Und wir sind sehr real und authentisch, denn den Unternehmer Perschmann gibt es wirklich. Der läuft über das Gelände, stellt sich Diskussionen und muss aber auch mal Gegenwind aushalten.


Wünschen Sie sich in solchen Momenten manchmal mehr Hierarchie zurück?

Ich finde es deutlich schöner, wenn wir aus der Mitarbeiterschaft heraus Dinge bewegen können, auch wenn das beizeiten anstrengend ist. Eigentlich ist dieser Weg auch alternativlos, denn ich habe kein Herrschaftswissen. Wenn ich alle Dinge diktatorisch entscheiden müsste, wären wir längst nicht so erfolgreich, wohl eher pleite (lacht).


Ab dem Jahr 1976 beginnt Ihre wichtige Zusammenarbeit mit der Hoffmann GmbH Qualitätswerkzeuge aus München. Wie kam es dazu?

Unser damaliger Bereichsleiter Werkzeuge hat auf dem Weg in den Winterurlaub einen Antrittsbesuch in München gemacht, das war der Auftakt. Hoffmann hatte damals schon einen sehr guten und spezialisierten Katalog, den wir in Teilen übernommen haben. In der Gruppe haben sich mittlerweile neben Hoffmann drei Familienunternehmen mit gleichem Werteverständnis zusammengetan und Märkte untereinander aufgeteilt.


Wann ist daraus die Hoffmann Group entstanden?

Die Notwendigkeit einer Dachmarke ergab sich Mitte der 90er Jahre aus dem gemeinsamen Key-Account-Management im Zuge der Internationalisierung. Das Stichwort ist Glokalität. Wir sind global aufstellt, aber mit einer lokalen Betreuung und Wiedererkennung für die Kunden.


Sie haben ein Tochterunternehmen in Polen und hatten eines in England. Was macht beziehungsweise machte diese Märkte für Sie besonders attraktiv?

Polen war eine logische Konsequenz aus unserem nationalen Vertriebsgebiet, das sich nach Osten bis zur deutschen Grenze zieht und großes Potential versprach. Der englische Markt war in der Gruppe noch nicht vergeben, obwohl es vermeintlich ein A-Markt war. Also sind wir ihn zusammen mit der Firma Oltrogge angegangen, mit der wir sehr eng zusammen arbeiten. Wir betreiben unter anderem gemeinsam eine Logistik, den Einkauf und SAP.


Warum sind Sie in England gescheitert?

Die industrielle Entwicklung war damals alles andere als positiv. Die etablierten Mitbewerber haben mit sehr harten Bandagen um den schrumpfenden Markt gekämpft. Außerdem hatten wir ein Product Offering, auf das der Markt nicht vorbereitet war. Im Angelsächsischen hat ein typischer Händler wie wir es sind, nicht 60.000, sondern 600.000 Produkte im Sortiment. Er kann alles, aber nichts richtig. Der Kunde erwartet aber auch gar nicht den Service, den wir hier bieten, sondern lediglich die Beschaffung. Dazu kamen ein paar interne Unstimmigkeiten.

 

Lesen Sie weiter:

„Menschen kaufen von Menschen“ – Justus Perschmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Werkzeughandels, über das Idealbild des ehrbaren Kaufmanns, den Braunschweiger Klüngel und die Chancen von Glokalität sowie sprechenden Produkten (4/6)

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