Menschen kaufen von Menschen (4/6) - Standort38
und
30. Januar 2016
Portraits

Menschen kaufen von Menschen (4/6)

Warum heißt die Gruppe eigentlich Hoffmann und nicht Perschmann Group? Das stand nie zur Debatte. Als die Dachmarke Hoffmann Group</a> allerdings dem Namen vorangestellt

Logistikhalle mit 3.600 m² Fläche und fünf An- und Abhol-Terminals. (Foto: Perschmann)


Warum heißt die Gruppe eigentlich Hoffmann und nicht Perschmann Group?

Das stand nie zur Debatte. Als die Dachmarke Hoffmann Group allerdings dem Namen vorangestellt wurde, war das schon eine emotional einschneidende Veränderung. Die Familienunternehmen innerhalb der Hoffmann Group haben Verantwortungsbereiche und Selbständigkeit zugunsten einer strategischen Allianz aufgegeben.


Ist die Organisation in der Hoffmann Group denn noch zukunftsfähig?

Auf jeden Fall. Strategische Allianzen sind für mittelständische Unternehmen eine gute Grundlage für intelligentes Wachstum. Man kann Benchmarking betreiben, Vertriebsgebiete aufteilen, voneinander lernen und weitere Synergien nutzen.


Wie teuer war der Ausflug auf die Insel für Ihr Unternehmen am Ende?

Wir haben dort viel Geld verloren, weil es enorm aufwendig ist, eine Vertriebsstruktur mit kompetenten Mitarbeitern aufzubauen. In England kosten unter anderem Mitarbeiter mehr Geld als bei uns. Was mir wichtig ist: Anstatt unsere Niederlassung über eine Insolvenz „kostengünstig“ abzuwickeln, wollten wir einen sauberen Ausstieg. Es wurden alle Rechnungen bezahlt und die Mitarbeiter erhielten auch Abfindungen.


Haben Sie trotz dieses herben Rückschlags weitere internationale Märkte im Blick?

Europa ist im Werkzeugsegment innerhalb der Hoffmann Group aufgeteilt. Im Bereich der Kalibrierung ist das anders, hier denken wir konkret über internationales Wachstum nach.


Wie würden Sie den Werkzeugmarkt allgemein beschreiben?

Es gibt die Hoffmann Group mit über einer Milliarde Euro Umsatz in Deutschland, dann kommen die nächsten Mitbewerber mit 200 beziehungsweise 130 Millionen Euro Umsatz. Neben den drei Großen gibt es einen stark atomisierten Markt von lokalen Akteuren, die von Verbänden gespeist werden. Davon gibt es unheimlich viele. Zudem konkurrieren wir mit den Herstellern.


Das heißt, Sie sitzen beim Marktführer direkt mit am Tisch…

Wir sind der Marktführer, ja!


Gegenüber unserer Zeitung haben Sie im Jahr 2007 gesagt: „Echte Top-Qualität kommt aus Deutschland, wenn es um Lieferfähigkeit, Verfügbarkeit, Flexibilität und Sonderlösungen geht.“ Gilt dieser Satz heute immer noch?

Es ist zwar fast etwas erschreckend, aber der gilt immer noch, wobei ich den Ausspruch gerne auf „Europa“ erweitern würde. Über 60 Prozent unserer Werkzeuge kommen aus Europa und mindestens die Hälfte davon aus Deutschland. Natürlich wird die Qualität aus asiatischen Ländern immer besser, aber die Entwicklung ist nicht so schnell, wie man es vielleicht erwartet hätte.


Wie setzen sich Ihre Kunden zusammen?

20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Umsatzes aus, eine klassische Verteilung gilt auch bei uns. Die Big Player sind die üblichen Verdächtigen: Volkswagen, Alstom, MAN, Siemens, die Salzgitter AG und viele große Familienunternehmen.


Macht Ihnen die Entwicklung bei Volkswagen Sorgen?

Da wir eine Langfriststrategie haben, die auf Wachstum ausgerichtet ist, ist eine solche Entwicklung natürlich nie gut. Aber es wäre auch naiv anzunehmen, dass Krisen dauerhaft ausbleiben. Wir haben ein Notfallszenario und sind flexibel genug darauf zu reagieren. Die Krise haut uns also nicht aus der Bahn, aber ist durchaus eine Herausforderung.

 

Lesen Sie weiter:

„Menschen kaufen von Menschen“ – Justus Perschmann, Geschäftsführer des gleichnamigen Werkzeughandels, über das Idealbild des ehrbaren Kaufmanns, den Braunschweiger Klüngel und die Chancen von Glokalität sowie sprechenden Produkten (5/6)

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