und
30. Januar 2016
Portraits

Menschen kaufen von Menschen (6/6)

Sie investieren in Menschen, aber auch neun Millionen Euro in ein neues Verwaltungsgebäude. Ist das ein Zeichen der Stärke? Ich hätte gern günstiger gebaut (lacht).

Im Drehmoment-Mobil: Das mobile Kalibrierlabor bietet Service für Drehmomentschlüssel und -schraubendreher direkt beim Kunden. (Foto: Holger Isermann)


Sie investieren in Menschen, aber auch neun Millionen Euro in ein neues Verwaltungsgebäude. Ist das ein Zeichen der Stärke?

Ich hätte gern günstiger gebaut (lacht). Wir sind Mitte der 80er in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit hier nach Wenden gezogen und mussten kosteneffizient das Gebäude bauen, in dem wir gerade sitzen. Ökologisch ist das mittlerweile bedenklich und es bietet auch nicht die moderne Arbeitsatmosphäre und die Freiräume, die wir uns wünschen. Deshalb haben wir in den Perschmann Campus investiert. Diesem Namen wollen wir gerecht werden, zum Beispiel mit kommunikativen Inseln und Spazierwegen zum freien Denken.


Haben Sie vor am Standort zukünftig weiter zu wachsen?

Langfristigkeit ist gerade beim Thema Immobilien sehr wichtig. Wer kurzfristig denkt, kann sich zwar kaum vorstellen hier an irgendwelche Grenzen zu stoßen, aber das passiert irgendwann. Deshalb haben wir vorgesorgt.


Sie haben also noch viel vor…

Klar, meine Kinder sind noch sehr jung. Mein Ziel ist schon, das Unternehmen in die nächste Generation zu bringen. Ob das am Ende wirklich die Familie ist, wird sich zeigen. Ich bin erst 43 Jahre alt und liebe es Verantwortung zu übernehmen und Dinge gestalten zu können.


Die Perschmann GmbH ist bis heute familiengeführt. Welche Herausforderungen und Chancen bietet diese Unternehmensform?

Verlässlichkeit und einen Geschäftsführer zum Anfassen. Wir sind nicht quartalsgetrieben und unterliegen nicht den Zwängen einer Aktiengesellschaft.


Zur Herausforderung wird nicht selten die Unternehmensübergabe. Lief die immer harmonisch bei Ihnen ab?

Laut den Lebenserinnerungen meiner Vorgänger hat es selten geknirscht. In der vierten Generation haben zwei Brüder das Unternehmen geführt und drei ihrer Kinder haben mitgearbeitet. Fünf Perschmänner, das war etwas tricky, aber es wurde mit Hilfe des Beirates am Ende super gelöst. Solche Situationen können aber schnell existenzbedrohend werden.


Sind Sie aktuell das einzige aktive Familienmitglied?

Ja, Glück gehabt (lacht).


Was schätzen Sie am Wirtschaftsstandort Braunschweig?

Die Vielfalt mittelständischer Unternehmen. Volkswagen mit allem, was dazu gehört. Die Forschungsintensität, die Nähe zu Berlin und zum Flughafen, den Harz direkt vor der Tür. Obwohl ich furchtbar finde, dass er in den 80er Jahren stehen geblieben ist. Das tut mir wirklich weh.


Was schlagen Sie vor?

Ich bin kein Tourismusexperte, aber als Wanderer und Naturliebhaber, der auch gerne mal komfortabel nächtigt und gut isst, kann ich mir eine Konzentration und Fokussierung, eine Art Clusterbildung im Harz, vorstellen. Was gerade in Torfhaus passiert ist super geil, das ist der richtige Weg.


Was würden Sie in der Region ändern, wenn Sie könnten?

Die Gastronomie (lacht).


Wie halten Sie es mit dem Braunschweiger Klüngel?

Irgendwie gehört der zur Stadt dazu, aber ich halte mich sehr aktiv da raus. Ich habe mich relativ früh gegen die Abendtermine und für die Familie entschieden. Das Netzwerk sollte ohnehin nicht der entscheidende Faktor für den Erfolg sein.


Stehen Sie privat manchmal im Hobbykeller an der Werkbank?

Ich habe eine gute sortierte Werkzeugausstattung, aber das meiste ist noch original verpackt.


Was machen Sie, wenn Sie gerade mal nicht arbeiten?

Meine Familie und unser Hund stehen seit Jahren ganz weit oben. Darunter leidet zugegebenermaßen gerade mein Handicap.

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