Mit Luft und Licht gegen die Viren - Standort38
24. September 2020
Portraits

Mit Luft und Licht gegen die Viren

Der Elektromeisterbetrieb Falk & Janke bietet seit April UV-C-Luftdesinfizierer an und reagiert damit auf die weltweite Corona-Krise

Bernd Janke ist der Geschäftsführer des Elektromeisterbetriebs Falk & Janke. Foto: Desiree Schober.

Bernd Janke, Geschäftsführer des Elektromeisterbetriebs Falk & Janke in Wolfenbüttel, ist ein Macher. Bereits mit 15 Jahren verließ er die Schule und fing seine Ausbildung als Elektroinstallateur an. Mit 26 Jahren arbeitete er als Meister in der Energieanlagen-Elektronik und legte seine Ausbildung zum Betriebswirt nach. Zwei Jahre später wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit und gründete 1996 das Unternehmen Falk & Janke mit seinem damaligen Geschäftspartner Kay Falk. Seit April 2016 ist Bernd Janke alleiniger Geschäftsführer und beschäftigt ein Team von 40 Mitarbeitern.
Als die Corona-Pandemie das öffentliche Leben und die Arbeitswelt im Frühjahr immer weiter einschränkte, zögerte er nicht lange. Innerhalb von vier Wochen gründete er die Marke ViBa-Clear und entwickelte mit seinem Team Geräte, die mit Hilfe von UV-C-Strahlen die Luft von Bakterien und Viren befreien. Auch Corona-Viren sollen so inaktiviert werden. Wir trafen Janke im Ausstellungsbereich seines Unternehmens, zwischen Leuchtmodulen, Hightech Lautsprechern und Luftdesinfizierern.

Die Idee

„Ich habe mir schon früh Gedanken gemacht, wie ich meinen Anteil beitragen kann. Ich wollte etwas für meine Familie, für meine Mitarbeiter und meine Mitmenschen tun. Ich bin ein Mensch, der immer etwas tun, immer machen muss“, erzählt Janke. Gesagt, getan: Die Idee, die Komponenten Luft und Licht miteinander zu verbinden, um gegen die Ausbreitung von SARS-CoV-2 und andere Krankheitserreger anzukämpfen, war schnell gefunden. Schließlich gehören beide Elemente für ihn und sein Team zum Kerngeschäft, ob bei der Gebäudeautomatisierung, im Bereich Photovoltaik oder der Installation von Lüftungsanlagen. Für das Projekt ViBa-Clear holte er sich zusätzlich wissenschaftliche Unterstützung ins Team, die in der Entwicklung und Umsetzung berät.

Mit Lichtwellen gegen SARS-CoV-2 Coronaviren

Das Prinzip, das sich hinter den Luftdesinfizierern verbirgt, ist nicht neu. Denn auch in Laboren und Operationssälen kommen UV-C-Strahlen seit Jahren zum Einsatz, um Luft, Oberflächen und Werkzeuge zu desinfizieren. Durch die gezielte Bestrahlung der Luft, wird auch dort die DNA der Viren und Bakterien angegriffen und dadurch unschädlich gemacht. „UV-C-Strahlung ist ein natürlicher Bestandteil des Sonnenlichts im ultravioletten Bereich. Dieser ist für das menschliche Auge nicht erkennbar“, erklärt Janke. UV-C-Strahlung liegt im kürzeren Wellenlängenbereich von 100 –280 Nanometern. In unserer natürlichen Umgebung kommen wir mit UV-C Strahlen gar nicht in Berührung, denn durch die Atmosphäre, insbesondere durch Ozon, wird es nahezu komplett aus der Luft absorbiert. Das ist auch gut so: Denn die kurzwelligen Strahlen sind noch schädlicher als UV-A und UV-B Strahlen. Ungeschützt können sie Hautprobleme verursachen und die Netzhaut schädigen. Umso wichtiger ist das Gehäuse der Geräte, das verhindert, dass Strahlung nach außen gelangt. Die Konstruktion eines sicheren Gehäuses war im Entstehungsprozess eine besondere Herausforderung für Jankes Team. „Wir hatten die Erfahrungen mit Licht und Luft, mussten aber plötzlich andersherum denken: Sonst fragen wir uns, wie bekomme ich am meisten Licht aus einer Leuchte heraus und jetzt mussten wir fragen, wie behalten wir alles drin“, erinnert sich Janke.
Die Lösung: Der Luftdesinfizierer ist so kompakt gebaut, dass die eingesaugte Luft knapp zwei Zentimeter von den UV-C Röhren entfernt vorbeigeleitet, durch einen Verzögerer kurz angestaut und danach von einem zweiten Ventilator wieder zurück in den Raum geführt wird. Die Bestrahlungsdosis ist dadurch hoch genug, um Viren und Bakterien abzutöten.

Ein Teil der Maßnahmen-Kette

UV-C-Luftdesinfizierer könnten die bestehenden Schutzmaßnahmen aber nicht grundsätzlich ersetzen und das sollen sie auch gar nicht, betont Janke. Die Maskenpflicht beispielsweise hält der 52-Jährige dennoch für richtig. „Natürlich ist die Maske ein wichtiger Bestandteil der Maßnahmen-Kette. Auch Plexiglas und ein Mindestabstand sind elementar. Und überall dort wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann, soll nun auch die UV-C-Behandlung einen essenziellen Teil der Maßnahmen-Kette ausmachen.“ Besonders die Gefahr durch Aerosole soll durch die UV-C-Strahlen verringert werden und so Alltag, Arbeitsumfeld und die Wirtschaft wieder in Schwung bringen. „Ich finde es schade, dass die Lockerungsmaßnahmen von einigen Menschen als Beweis dafür verstanden werden, dass wir schon durch die Krise durch sind. Denn das sind wir nicht. Die Lockerungen sind nur in Kombination mit den Schutzmaßnahmen möglich – und nötig, weil wir unsere Wirtschaft am Leben erhalten müssen. Und unsere Produkte können dazu beitragen“, sagt Janke.

Notwendigkeit bestimmt die Nachfrage

Das Interesse und die Nachfrage seien von Anfang an sehr groß gewesen. Besonders aus den Bundesländern, in denen die Infektionszahlen mit dem Corona-Virus besonders hoch waren, kamen viele Anfragen. „Die Bestellungen kommen momentan aus ganz Deutschland, etwa 70 Prozent aus Süddeutschland“, so Janke. Zu den Kunden zählen unter anderem Bundesverbände. „Das sind natürlich Bereiche, die für uns sehr wertvoll sind, weil das Produkt so direkt in ganz Deutschland bekannt wird.“ Aber auch die Großindustrie fragt nach und wird bereits europaweit beliefert.

Eine gute Teamleistung

Von der Idee bis zur Umsetzung ist nicht viel Zeit vergangen. Bereits nach vier Wochen stand der erste Prototyp der neugegründeten Marke ViBa-Clear in der Wolfenbütteler Ausstellung. Möglich sei das nur durch den Einsatz seines engagierten Teams gewesen, betont Janke. „Und was noch viel wichtiger war: Alle waren direkt Feuer und Flamme und wollten so schnell wie möglich gemeinsam etwas auf den Weg bringen. Ich weiß zu schätzen, wie viel jeder einzelne in den letzten Monaten geleistet hat und bin mir auch bewusst darüber, wie viel Stress und Anstrengung damit verbunden war. Persönliches Engagement ist keine Selbstverständlichkeit.“

Zwei Fliegen mit einer Klappe

Doch noch einen weiteren Erfolg konnte Jankes Entwicklung in der akuten Krise verzeichnen: Denn der Luftdesinfizierer schützt nicht nur vor Viren und Bakterien – sondern auch vor Kurzarbeit. „Auch wir waren natürlich von dem Lockdown betroffen“, berichtet der Unternehmer. Einige seiner Mitarbeiter hatten Arbeitsaufträge in Seniorenheimen und mussten ihren Arbeitsort schon früh verlassen. Andere Teams waren im Ladenbau eingesetzt, wo seit Anfang des Jahres keine Verträge mehr unterzeichnet wurden. Auch der Bereich Photovoltaik kam fast zum Erliegen, da die Lieferketten unterbrochen wurden. Dass durch den neuen Arbeitsbereich seine rund
40 Mitarbeiter auch während der Krise arbeiten konnten, freut Janke besonders. „Mit der Idee konnten wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: unseren Anteil zu den Schutzmaßnahmen beitragen und einen Bereich schaffen, in dem meine Mannschaft und ich arbeiten können.“ Ganz nach Jankes Credo: „Nicht lange reden, sondern mit anpacken.“

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