Region vor Profit - Standort38
17. September 2020
Portraits

Region vor Profit

Die Kroschke sign-International GmbH engagiert sich durch und durch für die Region - auch wenn das nachteilig für ihr eigenes Geschäft ist ...

Lars Kroschke und Frithjof von Kessel im Lager des Unternehmens. Foto: Stephanie Joedicke.

Bereits Ende Januar wird die Kroschke sign-international GmbH das erste Mal mit der Covid-19-Pandemie konfrontiert. Denn ihre Stammkunden bestellen zunehmen große Mengen an Schutzmasken – und das nicht nur für den hiesigen Raum. „Wenn unsere Kunden nicht die üblichen 100.000 Masken jährlich, sondern über 500.000 bestellen und als Lieferadresse China angegeben ist, wird man hellhörig“, sagt Inhaber Lars Kroschke. „Uns wurde dann schnell klar, dass der Mangel an Masken zu einem globalen Problem wird“, ergänzt Geschäftsführer Frithjof von Kessel. Als schließlich die Nachfragen zu explodieren drohen, Lieferanten den benötigten Nachschub nicht mehr bereitstellen können und neben den Stamm- auch viele Neukunden Bestellungen aufgeben, fassen die beiden einen Entschluss: Beliefert wird ausschließlich die Region. Dass das gleichermaßen ein Bekenntnis zur Region und ein wirtschaftlicher Entschluss gegen Profit ist, erfahren wir beim Interview in der Unternehmenszentrale. Dort herrscht nicht nur eine Duz-Kultur, sondern auch ausgesprochene Zufriedenheit über die Entscheidungen der letzten Monate.

„Wir haben ab einem gewissen Punkt beschlossen, dass wir zuallererst die Region schützen wollen und die limitierten Produkte, die wir bekommen, an Krankenhäuser, Ärzte und Apotheken vor Ort geben“, erzählt Lars. „Das ist wirtschaftlich nicht schlau, denn wir wissen genau, dass von diesen Abnehmern kein Folgegeschäft mehr zu erwarten ist.“ Fast 5.000 Bestellungen am Tag erreicht das Unternehmen zu Corona-Höchstzeiten, das seien fünfmal so viel wie regulär, schildert Frithjof. Nicht unerheblich ist deshalb der Mehraufwand, den das Unternehmen betreiben muss, um diejenigen Kunden herauszufiltern, die die Produkte am dringendsten benötigen. „Aber das ist es wert, denn hier sind wir verwurzelt, hier wohnen unsere Mitarbeiter und hier lebt unsere Firma. Wir sind ein Teil dieser Region“, betont der
Geschäftsführer.

Masken und Mäuse

Doch auch darüber hinaus setzt sich Kroschke durch Spenden und Aktionen für den Braunschweiger Raum ein. Für die Initiative „Hey Alter!“ spendet das Unternehmen Rechner, Tastaturen und Mäuse. Monetäre Mäuse wiederum sammelt es als Mitglied des Unternehmerstammtisches Braunschweig/Wolfenbüttel. „Über 15.000 Euro sind so bereits zusammengekommen und können demnächst an das Klinikum Wolfenbüttel und das Klinikum Braunschweig ausgeschüttet werden“, freut sich Lars. Als sich letzteres Ende März mit dem erschöpften Vorrat an Schutzmasken konfrontiert sieht, spendet das Unternehmen außerdem seinen letzten Sicherheitsbestand von 1.000 Masken. „An einem Samstagmorgen rief mich außerdem Professor Meinhard Schilling von der TU Braunschweig an und schlug vor, gemeinsam für das Klinikum den dringend benötigten Gesichtsschutz herzustellen“, erzählt Frithjof.
Gesagt, getan: Binnen drei Tagen steht der erste Prototyp und die Produktion wird in Gang gesetzt. Kroschke fertigt dafür den Schutzschirm aus PET-Folie, das Gestell wird an der Universität im 3D-Druckverfahren hergestellt. Rund 7.500 Visiere konnten so zwischen März und Juli produziert werden. Doch die Problematik der globalen Lieferengpässe treibt Lars und Frithjof auch darüber hinaus um. „Wir sind extra nach England geflogen, um einen europäischen Maskenhersteller zu finden“, sagt Frithjof. Daraus sei eine Kooperation entstanden, die demnächst in der Eröffnung eines Werkes in Deutschland mündet. „Dass die Masse aus dem asiatischen Raum kommt, weil Produktion dort billiger ist, ergibt sich durch die Marktwirtschaft. Aber wir sollten auch eine qualitativ hochwertige Möglichkeit im eigenen Umfeld haben, möglichst im eigenen Land oder zumindest in der EU“,
schließt Lars an.

Entscheidung für die Region

Aktuell arbeitet das Unternehmen an einer Neuauflage der Gratis-Boxen, die bereits kostenfrei an inhabergeführte Einzelunternehmen und Gastronomiebetriebe in Braunschweig verteilt wurden. Die dritte Gratis-Box soll nun an Schulen und Kitas vergeben werden. Darin enthalten sind unter anderem Hinweisschilder und Aufkleber, auf denen ein Maskottchen an Hygieneregeln und Sicherheitsabstände erinnert. Doch diese wohltätigen Initiativen sind für Lars am Ende zweitrangig: „Natürlich haben wir auch Geld und Produkte gespendet, aber das ist nicht gegenüber unserer Entscheidung aufzuwiegen – gegen den wirtschaftlichen Profit des Unternehmens und für die Zukunft unserer Region.“

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