und
29. Februar 2016
Portraits

Wir haben es in der Hand (3/5)

Der neue AGV-Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider über seine Zeit in Berlin, junge Unternehmer und die Ausgangslage der regionalen Wirtschaft für die Megathemen Fachkräftemangel, Digitalisierung und Mobilität

Bernschneider pendelte fünf Jahre mit dem ICE zwischen der Hauptstadt und Braunschweig hin und her. (Foto: Florian Bernschneider)


Können Sie sich eine Rückkehr in die Berufspolitik vorstellen?

Ich will das nicht für alle Ewigkeit ausschließen. Aber jetzt ist mein Platz erstmal beim Arbeitgeberverband. Der Vorstand hat zu Recht einen Hauptgeschäftsführer gesucht, der den Verband nachhaltig und langfristig gestalten will. Und erst das macht die Aufgabe ja auch so reizvoll für mich.


Sind Sie eigentlich auch Deutschlands jüngster AGV-Hauptgeschäftsführer?

Ich habe mich bisher geweigert, das tatsächlich zu recherchieren. Erstens habe ich keine Lust, wieder so einen Stempel aufgedrückt zu bekommen und zweitens gibt es gerade andere Themen, die viel wichtiger sind. Aber es ist wohl so, dass ich bundesweit zu einem der jüngsten Hauptgeschäftsführer gehöre.


Was können Sie vom Noch- AGV-Hauptgeschäftsfüher Manfred Casper lernen?

Ich bin immer wieder aufs Neue von ihm beeindruckt. Aus der DDR geflohen, saß er bei Wandt auf dem LKW, um sein Studium zu finanzieren, um sich schließlich zum Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes hochzuackern. Da kann man selbst als Liberaler noch viel über Freiheit und Verantwortung lernen. Ich profitiere jedenfalls unheimlich von seiner Erfahrung, Weitsicht und manchmal auch dieser gewissen Gelassenheit, die ihn auszeichnet.


Bei der Vertretung der Arbeitgeberseite dürfte Ihnen auch die klassische FDP-Denke helfen, oder?

Dass es viele Schnittmengen in der wirtschaftspolitischen Positionierung gibt, wird wohl niemanden überraschen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass ich als Bundestagsabgeordneter viele sozial- und gesellschaftspolitische Themen für die FDP behandelt habe. Dabei hatte ich zum Beispiel einen sehr guten Dialog mit Sozialverbänden. Das passt vielleicht nicht in das typische Klischeedenken. Und ich bin froh, dass das auch beim AGV gilt. Wenn ich mir beispielsweise anschaue, das große Wohlfahrtsverbände ganz selbstverständlich Mitglied bei uns sind. Für mich galt immer: Wenn Du wirklich was bewegen willst, dann vergiss Parteipolitik und überholte

ideologische Grabenkämpfe, sondern pack gemeinsam die Dinge an.


Wie wird die regionale Wirtschaft in Zukunft große Entwicklungsschübe in den Bereichen Digitalisierung und Elektrifizierung überstehen?

Mit unserer Forschungsdichte sind wir dazu prädestiniert, als Gewinner dieser Entwicklungen hervorzugehen. In unserer Region liegt das Potenzial die großen High-Tech Innovationen unserer Zeit hervorzubringen. Das gilt auch und gerade im Startup-Bereich. In Berlin basteln sie in der Startup-Szene vielleicht an einem neuen facebook. Das will ich nicht kleinreden. Aber wenn wir uns geschickt anstellen und unsere Potenziale in der Region nutzen, können in dieser Region echte Hight-Tech-Revolutionen entstehen und zum Beispiel ein neues Kapital der Mobilitätsgeschichte geschrieben werden.


Beim IHK Neujahrsempfang hat Ministerpräsident Stephan Weil sich zuversichtlich gezeigt, dass VW gestärkt aus der Krise hervorgehen wird. Sehen Sie das ähnlich?

Das muss natürlich unser aller Hoffnung und Wunsch sein. Und tatsächlich bietet die Krise doch die Chance, Weichen neu zu stellen. Wann, wenn nicht nach einer Abgas-Affäre, wäre es Zeit, Volkswagen als Spitzenreiter in Sachen Elektromobilität zu platzieren?


Deutschlands Idee der Sozialpartnerschaft wird aktuell als Erfolgsmodell gefeiert. Glauben Sie, dass es auch zukünftig gelingt, Kompromisse am Verhandlungstisch zu erzielen, die Arbeitgebern und -nehmern helfen?

Das muss so sein! Es ist unsere Aufgabe, den konstruktiven Dialog der Sozialpartner aufrecht zu erhalten. Deshalb ist es ja so wichtig, zu entideologisieren. Kluge Tarifpolitik entsteht im konstruktiven Miteinander und nicht im Klischee vom kalten Kapitalisten und dem kommunistischen Gewerkschaftsfunktionär.


Glaubt man den Trendanalysen, wandelt sich der Arbeits- zunehmend zu einem Bewerbermarkt. Verändert das auch die Aufgaben des AGV?

Auf jeden Fall. Die Gewinnung von Fachkräften ist eines unserer Topthemen. Während die Konzerne mit großen Personalabteilungen am ehesten für diese Herausforderung gewappnet scheinen, sehe ich es vor allem als unsere Aufgabe an, den kleinen und mittelständischen Unternehmen Wege aufzuzeigen, ihre Personalplanung und -entwicklung zu optimieren.

 


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„Wir haben es in der Hand“ – Der neue AGV-Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider über seine Zeit in Berlin, junge Unternehmer und die Ausgangslage der regionalen Wirtschaft für die Megathemen Fachkräftemangel, Digitalisierung und Mobilität (4/5)

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