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2. September 2016
Portraits

„Wir möchten eine kleine Revolution aus Braunschweig heraus starten“

Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank, über das veränderte Anlegerverhalten nach der Finanzkrise, die abnehmende Loyalität gegenüber Banken und Wertanlagen mit Lenkungsfunktion

Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank. (Foto: Holger Isermann)

Am Willy-Brandt-Platz 8, direkt am Braunschweiger Hauptbahnhof,  sieht die Welt ganz anders aus. Schöner, größer, imposanter. Zumindest dann, wenn man diese aus einem der großen Fenster im 13. Stockwerk der Braunschweiger Privatbank, Zweigniederlassung der Volksbank eG Braunschweig Wolfsburg, betrachtet. Wer es als Anleger bis hier nach oben schafft, hat es meist geschafft. Hat Erfolg und Geld. Um solche arrivierten Privatleute und Unternehmer kümmern sich seit dem Jahr 2013 Sascha Köckeritz und sein Team. Der Bankbetriebswirt mit über 20 Jahren Erfahrung im Segment Private Banking, zuletzt Mitglied der Geschäftsführung Credit Suisse Deutschland AG, Niederlassung Braunschweig, empfängt in Räumlichkeiten, die eine entspannte, gediegene Businessatmosphäre ausstrahlen. Dicke, tiefe Teppiche, moderne Kunst an den Wänden – hier werden wichtige Gespräche geführt und großes Business gemacht. Standort38 traf sich mit dem 47-jährigen Braunschweiger zum Interview.


Herr Köckeritz, wie und warum ist die Braunschweiger Privatbank entstanden?

Um die Entstehungsgeschichte zu erklären, muss man zunächst einmal den Markt und was dort passiert verstehen. Die Finanzmarktkrise 2007/2008 hat tiefe Spuren hinterlassen. Die Bankenproblematik ist in Teilen immer noch da; das Niedrigzinsumfeld belastet die Ertragsseite vieler Institute, die Geschäftsmodelle bei Banken werden schwieriger. Und Anleger werden immer kritischer, vertrauen Banken und ihren Anlageberatern immer weniger, die Loyalität schwindet, die Wechselbereitschaft steigt. Denn die Ängste davor, dass sich insbesondere Banken auf Kosten ihrer Kunden bereichern, sind erheblich gestiegen.


Die Krise als Chance…

In der Tat war dieses kritische Szenario für uns seinerzeit Anlass, eine „Neue Bank für ein neues Denken“ zu gründen, die Braunschweiger Privatbank. Die Entstehung hat auch einen persönlichen Hintergrund: Als gelernter Landesbänker habe ich lange für die Nord/ LB und danach für eine börsennotierte Bank gearbeitet. Ich habe mich damals gefragt: Wo will ich eigentlich stehen? Lebe ich noch in der „alten“ Welt, wie sie an den Kapitalmärkten oft noch vorherrscht oder kann ich Anlagegeschäfte mit einem neuen Institut auch anders betreiben?


Und…?

Für mich ist das Prinzip „des ehrbaren Kaufmanns“ wichtig, das wir in umfänglicher Weise in der Braunschweiger Privatbank verankert haben. Und das bedeutet konkret, Kunden ehrlich und transparent zu beraten und zu betreuen. Wir wollen wieder einen ehrlichen Nutzen für Anleger erbringen und wollen ihnen zeigen, dass man mit nachhaltig orientierten Anlagen und mit einem gesunden Wachstum ohne Spekulationscharakter viel besser das Vermögen sichern und maximieren kann. Das ist letztlich auch ein Sieg der Vernunft über die Hoffnung auf unrealistische Renditen, denn der Kapitalmarkt folgt Gesetzen.


Sind Sie in dieser Hinsicht Vorreiter?

Größere Häuser trauen sich meist nicht an diesen Schritt. Sie erstellen vielfach selbst Produkte, die vertrieben und mit Ertrag verkauft werden müssen. Den Hebel einfach umlegen, kann man bei diesem Modell nicht, das würde Einbußen im Provisionsertrag bedeuten. Speziell in dieser Niedrigzinsphase können sich Banken aber keinen Ergebnisrückgang leisten, weil sie sonst keine weiteren Krisen bestehen würden. Von daher gibt es bei vielen Mitbewerbern die wirtschaftliche Notwenigkeit, so weiter zu machen wie bisher.

 

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"Wir möchten eine kleine  Revolution aus Braunschweig heraus starten" – Sascha Köckeritz, Leiter der Braunschweiger Privatbank, über das  veränderte Anlegerverhalten nach der Finanzkrise, die abnehmende  Loyalität gegenüber Banken und Wertanlagen mit Lenkungsfunktion (2/4)

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