und
7. Dezember 2015
Portraits

Wir verstehen uns als Lifestylemarke

Paolo DellAntonio, Sprecher des Vorstandes der Mast-Jägermeister SE, im Interview

Paolo DellAntonio, Sprecher des Vorstandes der Mast-Jägermeister SE. (Foto: Holger Isermann)

Wolfenbüttel, Anfang Oktober. Standort38 ist zu Besuch bei der Mast-Jägermeister SE, dem Hersteller der größten deutschen Spirituosenmarke. In mittlerweile 108 Ländern weltweit wird der Kräuterlikör mit dem Hirsch verkauft. Wir treffen Paolo DellAntonio, der seit 1999 Mitglied und seit 2007 Sprecher des Vorstandes ist zu einem der seltenen Interviews, die der Top-Manager gibt ein Grund: Die Hälfte des Jahres ist der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt in den verschiedenen internationalen Märkten unterwegs. Der Auslandsanteil am Gesamtumsatz 2014 lag bei knapp 80 Prozent. Nahezu überall wächst Jägermeister, nur das aktuell schwierige US-Geschäft belastet das Ergebnis. Wir erlebten Paolo DellAntonio als ruhigen und fokussierten Entscheider, der mit langem Atem seine Vision für das Traditionsunternehmen verfolgt.


Herr DellAntonio, wie hart umkämpft ist der Spirituosenmarkt gegenwärtig?

Im Spirituosenmarkt sind heute weltweit ungefähr 40 Milliarden Flaschen unterwegs eine gigantische Zahl. Hier unterscheiden wir so genannte preiswerte und Premium-Spirituosen. Das, was Sie in Deutschland im Regal finden, ist sehr ausgewogen; Premium-Spirituosen machen etwa 45 Prozent aus. Der Rest verteilt sich auf das preiswerte Segment. Betrachten wir hingegen den globalen Markt, finden wir rund 80 Prozent preisgünstige Produkte, zu denen beispielweise indischer Whiskey gehört, der mit Whiskey relativ wenig zu tun hat. Oder Cachaça in Brasilien und Soju in Südkorea. Unser globaler Premium- Spirituosen-Markt umfasst damit acht Milliarden Flaschen pro Jahr. Dieser Markt wächst seit Jahren kontinuierlich. Man erwartet in den nächsten fünf Jahren ein weiteres Wachstum von insgesamt etwa zehn Prozent.


Klingt nach guten Zeiten für Jägermeister…

Die Voraussetzungen für internationales Wachstum sind gut. Der zweite wichtige Aspekt ist die extreme Fragmentierung des Marktes. Es gibt also kaum Produkte, die eine wirklich signifikante Größe haben. Die größte Premium-Spirituose ist Smirnoff, ein Wodka, mit einem Marktanteil von gut einem Prozent. Der dritte Aspekt ist das regional höchst unterschiedliche Konsumverhalten. Insofern müssen wir als Hersteller einer Spirituose uns immer fragen, wie wir uns in diesem Wirrwarr an Märkten und Produkten sinnvoll differenzieren.


Was sind die Innovationen und Trends der vergangenen Jahre?

Es gibt sehr viele sogenannte Flavored-Produkte. Produkte, denen ein zusätzlicher Geschmack beigefügt wurde wie zum Beispiel Whiskey, dem Honig zugesetzt worden ist. Ein zweiter Punkt ist der Trend zu Craft, den man auch aus dem Bierbereich kennt: Diese Rückbesinnung auf die Handwerkskunst und auf lokale Produkte ist sehr ausgeprägt. Grundsätzlich gibt es heute bei den Herstellern eine große Bereitschaft, neue Produkte auf den Markt zu bringen, um ihren Erfolg zu testen wissend, dass viele auch scheitern werden. Es ist also viel Bewegung im Spiel…


Wie sieht es bei den Kräuterlikören aus? Welche Stellung hat Jägermeister hier international?

Wir sind die größte Kräuterspirituose der Welt und auch der größte Likör. Wir beschränken uns aber nicht nur auf dieses Segment. Jägermeister ist die achtgrößte Premium-Spirituose der Welt, insofern wäre es falsch nur auf die Kräuterliköre zu schauen. Unser Wettbewerb beginnt in dem Moment, in dem Sie sich in der Gastronomie oder am Regal für eine Spirituose entscheiden.


Wer sind Ihre größten Mitbewerber?

Smirnoff ist wie gesagt die weltweit größte Premium-Spirituose, gefolgt von Bacardi beide werden zum großen Teil gemixt. Unter den „Top 8“ sind dann noch Absolut auch ein Wodka sowie Whiskeys wie Johnnie Walker, Jack Daniels, Jim Beam und Captain Morgan, ein Rum. All diese Produkte werden insbesondere mit Cola gemixt.

 

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„Wir verstehen uns als Lifestylemarke“ – Paolo Dell’Antonio, Sprecher des Vorstandes der Mast-Jägermeister SE, im Interview (2/5)

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