"Wir wollen im Bankenmarkt deutscher Marktführer werden" (3/4) - Standort38
und
6. Februar 2017
Portraits

„Wir wollen im Bankenmarkt deutscher Marktführer werden“ (3/4)

Commerzbank-Niederlassungsleiter Olaf Brandes zeigt sich kurz nach der Krise selbstbewusst. Warum er sein Haus gut aufgestellt sieht und mit welchen Strategien er in der Region neue Kunden gewinnen will, verrät der gebürtige Braunschweiger im Interview

Der ehemalige Handball-Bundesligaprofi sieht Parallelen zwischen Sport und Beruf: Teamarbeit, aber auch Rückschläge haben ihn geprägt. Foto: Holger Isermann


Welche Rolle spielt Ethik bei der Geldanlage?

Eine immer wichtigere. Immer mehr Mandanten schauen nicht nur auf die Rendite, sondern auch darauf, wie sie zustande kommt. Wir haben dafür eine Nachhaltigkeitsvermögensverwaltung entwickelt. Gerade bei Stiftungen wird das immer mehr nachgefragt. Zudem veröffentlichen wir als Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht – wir arbeiten energieneutral und beziehen Ökostrom. Die Kunden sind viel informierter als früher, darauf müssen wir reagieren.


Wie lautet Ihr Urteil über Informationen zum Thema Finanzen aus dem Netz?

Es gibt jede Menge Informationen im Internet. Vieles ist für den Privatanleger nicht relevant. Unsere Aufgabe als Finanzcoach ist es, die Infos gemeinsam mit dem Kunden zu sortieren und maßgeschneiderte Angebote zu finden.


Wie wichtig sind Emotionen im Beratungsgeschäft?

Wichtig, denn sonst könnte alles digital laufen. Das Thema Kunden-Berater-Beziehung wird immer wichtiger. Vertrauen ist entscheidend.


Was raten Sie den Kunden?

Das traditionelle Sparen gibt es nicht mehr. Zu einer langfristigen Anlage gehört jetzt die Aktie dazu. Wir gehen aktuell für 2017 von einer Rendite-Entwicklung zwischen fünf und siebenProzent aus. Wer langfristig orientiert ist, kommt an der Aktie nicht vorbei. Und auch die Versicherer stellen sich neu auf, indem sie Angebote zur Rendite-Generierung entwickeln. Das Thema Immobilie als Direktinvestment oder offener Immobilienfonds ist sehr interessant für unsere Kunden. Wenn ich zum Beispiel in einem Wertpapiersparplan anlege, habe ich immer einen guten durchschnittlichen Erwerbskurs – das ist der Königsweg der Geldanlage. Seit wenigen Tagen bieten wir zudem ein neues Depotmodell für Investmentfonds an, bei dem mit einem Pauschalentgelt die Ausgabeaufschläge entfallen.


Wie viel Geld sollte man überhaupt noch auf seinem Girokonto liegen haben?

Ein bis zwei Monatsgehälter, falls die Waschmaschine kaputt geht oder eine andere Investition ansteht. Über die weiteren Anlagemöglichkeiten sollten Sie mit Ihrem Bankberater sprechen.


Aktien verbinden viele Deutsche mit einem hohen Risiko. Wie groß ist es wirklich und welche Strategien gibt es und wie überzeugen Sie die Menschen?

Man muss die langfristige Entwicklung und Ausschüttung aufzeigen. Wir haben Dividenden-Renditen zwischen drei und fünf Prozent. Es kommt zudem entscheidend darauf an, dass man seine Anlagen gut strukturiert. Ein Beispiel ist die Telekomaktie: Alle sind auf die "Volksaktie" gegangen, hatten aber nur diesen einen Wert im Depot. Diese Strategie ist sehr riskant. Wenn ich mir ein Aktien-Portfolio selbst
zusammenstelle, muss ich ausreichend Know-how haben und brauche mindestens fünfzehn bis zwanzig Werte.


Und die Alternative wäre ein Fonds?

Ja, damit lässt sich eine Anlage so strukturieren, dass nur noch das Marktrisiko bleibt. Langfristig wird man mit einem diversifizierten Wertpapier-Portfolio immer besser fahren als mit einer Sparanlage. Die Aktie ist nur dann nicht die richtige Wahl, wenn ich weiß, dass ich zeitnah das Geld benötige.


Wie sieht Ihr persönliches Portfolio aus?

Ich habe Immobilien, Aktien und Wertpapiere für die Altersvorsorge.


Wie verändert die Digitalisierung Ihre tägliche Arbeit?

Immer mehr Kunden wollen mit smarter Technologie ihr Geld verwalten. Dementsprechend weniger Kunden kommen für Transaktion und Kontostandabfrage in die Filialen. Um aber profitabel Geld anzulegen, nimmt der persönliche Beratungsbedarf zu. In Zukunft wird sich einiges verändern: Wir werden unter anderem einen digitalen Ratenkredit einführen, der über alle Kanäle verfügbar ist;  zum Beispiel über einen Videochat mit einem Berater, der 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche für den Kunden verfügbar ist. Der Kunde entscheidet über den Zugangsweg zu seiner Bank.


Warum sind Sie Banker geworden?

Ich bin 1966 in Braunschweig geboren, habe dort das Martino-Katharineum besucht und beim MTV Handball gespielt. Nach der Schule war ich als Torwart in der ersten und zweiten Bundesliga aktiv. Dann kam das Angebot, eine Ausbildung bei der Volksbank in Hameln zu beginnen. Die Chance habe ich ergriffen, später berufsbegleitend an der Frankfurt School studiert und bin 1989 zur Commerzbank gewechselt. Die Filialensind immer größer geworden und 2007 hatte ich in Hamburg meine erste Aufgabe in der Geschäftsleitung.  


War der Profisport keine Option?

Zu der damaligen Zeit gab es sehr wenig Profis im Handball und man konnte sich davon in der Regel keine Existenz aufbauen.


Welche Rolle spielt das Geschlecht heute bei der Geldanlage?

Überraschenderweise sind oft die Frauen für die Vermögensverwaltung und Immobilienfinanzierung einer Familie zuständig. Beim Thema Vorsorge kommen aber oft beide Partner.


Das Thema Niedrigzinsen ist für die Banken einerseits eine Herausforderung, andererseits hat es einen Bauboom ausgelöst. Inwieweit profitieren Sie davon?

Wir merken, dass diese Phase es vielen Kunden ermöglicht, Immobilien zu kaufen. Unser Ansatz ist dabei, den Kunden gut zu beraten, sodass er sich die Immobilien auch leisten kann, wenn die Zinsen wieder steigen sollten. Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Jahr 2020 noch niedrige Zinsen haben, aber unser Kunde muss sich die Immobilie auch noch in zehn Jahren leisten können, wenn die Zinsbindung ausläuft.

 

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