Selbstverständlich engagiert - Standort38
19. November 2020
Entscheider

Selbstverständlich engagiert

30.000 Masken, 750 LKW und die Rettung der Wolfsburger Tafel

Bei der Übergabe der Masken an das Klinikum Wolfsburg: Ingolf Viereck, Christiane Bitter, Nikolaus Külps und Professor Nils Homann. Foto: Schnellecke.

Bei der Übergabe der Masken an das Klinikum Wolfsburg: Ingolf Viereck, Christiane Bitter, Nikolaus Külps und Professor Nils Homann. Foto: Schnellecke.

Die Schnellecke Logistics SE hat den Lockdown in diesem Jahr gleich zwei Mal durchlebt. Ende Januar schließen die Werke in China für mehrere Wochen ihre Tore. Sechs Wochen später hält die Wirtschaft in Deutschland den Atem an. „Wir waren in Deutschland schon ziemliche Optimisten, dass wir überhaupt glaubten, die Pandemie ginge an uns vorbei. Mit dem Blick auf China war eigentlich absehbar, was uns sechs bis acht Wochen später ereilt – aber niemand wollte es richtig wahrhaben“, sagt der Vorstandsvorsitzende Nikolaus Külps rückblickend.
Als bei den deutschen Autobauern die Fließbänder Ende März und den gesamten April über stillstehen, wird auch der operative Betrieb des Zulieferer- und Logistikdienstleisters weitgehend eingestellt. Für viele Mitarbeitende bedeutet das Kurzarbeit, das Verwaltungs- und Managementpersonal wechselt ins Homeoffice. „Auch die Lieferantenbeziehungen mussten wir in Frage stellen und sehen, inwieweit es Möglichkeiten gibt, dass sie sich an Kostenreduzierungen beteiligen. Mit Kunden haben wir über alternative Zahlungsbedingungen gesprochen, um die Krise abzufedern.“ Dennoch habe die Krise wirtschaftliche Implikationen auf die Gruppe – konkret beispielsweise einen Umsatz von nahezu null Euro für den Monat April. „Im ersten Halbjahr wird sich der Umsatzrückgang gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum um 35 bis 40 Prozent bewegen. Auf das Gesamtjahr werden es um die 20 Prozent sein“, sagt Külps.

30.000 Masken und 750 LKW

Dass sich die Unternehmensgruppe trotz Krisenmodus in dieser Zeit für ihre Wirtschaftsregion engagiert, winkt Külps ab. „Wir sind schließlich einer der großen Arbeitgeber dieser Region – hier sind wir gegründet worden. Deshalb ist es für uns selbstverständlich, dass wir etwas zurückgeben.“ Auch wenn das nur in bescheidenem Maße erfolgt sei, ergänzt er und meinte damit eine Spende von 30.000 Atemschutzmasken an das Klinikum Wolfsburg. „Wir hatten über unsere Gesellschaft in China eine Million Masken bestellt um unsere Mitarbeiter damit weltweit zu versorgen. Als wir dann mitbekamen, dass auch lokale und insbesondere medizinische Einrichtungen Versorgungsengpässe hatten, haben wir gerne gespendet.“
Schließlich bittet der Großkunde Volkswagen um logistische Unterstützung beim Import von medizinischen Hilfsgütern wie Atemschutzmasken, aber auch Beatmungsgeräten, Handschuhen und Desinfektionsmittel aus China. Schnellecke koordiniert den Empfang, sortiert, kommissioniert und verlädt die Ware. „Das waren überwiegend Waren für den Bund und das Land Niedersachsen“, erklärt Külps. Mehr als 750 Lastwagen mit Hilfsgütern werden über das Lager in Braunschweig umgeschlagen und verteilt. „Das sind bislang über 180 Millionen Atemschutzmasken. Und nach wie vor kommen Lieferungen an.“

Erhalt der Tafel

Besonders liegt Külps das Engagement der Unternehmensgruppe und ihrer Auszubildenden für den Erhalt der Wolfsburger Tafel am Herzen. Gemeinsam mit der Stadt und dem Fan-Projekt soll die Versorgung der Bedürftigen trotz Schließung der eigentlichen Ausgabestelle sichergestellt werden. „Unsere Auszubildenden haben die Supermärkte, Discounter und Drogerien der Region kontaktiert und regelmäßig Lebensmittel und andere Waren abgeholt, die wir schließlich über einen Stand im Jugendzentrum verteilen konnten. Und natürlich hat sich neben den unternehmerischen Initiativen auch die Margarete Schnellecke Stiftung in diversen Hilfsprojekten engagiert.“
In der Krise habe man innerhalb der Unternehmensgruppe viel voneinander gelernt, zieht Külps ein vorzeitiges Fazit. „Parallel braucht man wirklich engagierte Mitarbeiter, die trotz der schwierigen Lage motiviert sind, den Blick in die Zukunft zu richten. Ich denke, wir werden als gestärktes Unternehmen aus der Krise hervorgehen.“

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