und
10. September 2015
Freizeit & Gesundheit

Die Potentiale vor Ort darstellen und nutzen

Stephan Lemke, Geschäftsführer der Stadthalle Braunschweig Betriebs GmbH, im Interview

Stephan Lemke stellt sich gern den anspruchsvollen Aufträgen seiner Kunden: "Die schönsten Veranstaltungen sind für mich die, bei denen man im Team Dinge macht, die eigentlich nicht gehen." (Foto: Holger Isermann)


Herr Lemke, im September wird die Stadthalle 50 Jahre alt. Welche Rolle spielte diese damals und welche spielt sie heute als Veranstaltungs- bzw. Konferenz- und Tagungsort für die Region?

Die damalige Oberbürgermeisterin Martha Fuchs entschied sich 1959, das im Krieg stark beschädigte Braunschweiger Schloss abreißen zu lassen und für 22 Millionen D-Mark die Stadthalle zu bauen. Sie wurde dann 1965 am Leonhardplatz, einem ehemaligen Exerzierplatz, eröffnet und deshalb von der Bevölkerung auch liebevoll „Fuchsbau“ genannt. Die Stadthalle war als Feier- und Veranstaltungsort für die Braunschweiger, aber auch als nationaler Tagungs- und Kongressstandort gedacht. Von Anfang an war die Halle, auch im Vergleich zu bundesweiten Mitbewerbern sehr gut ausgelastet. Nach der Grenzöffnung gab es abermals einen Schwung speziell im Bereich der kulturellen Publikumsveranstaltungen, vor allem bei Schlager und Volksmusik. Im Bereich Kongresse sind die vielen lokalen Forschungsinstitute, die TU und das Klinikum als Umsatzbringer zu nennen.


Wenn man die Braunschweiger Stadthalle heute besucht, hat man das Gefühl, dass sich gar nicht so viel verändert hat…

Daran kann man sehen, dass sie funktioniert und ein tolles Haus ist (lacht). Die Stadthalle war in Sachen Raumflexibilität, Kombinier- und Separierbarkeit damals sehr innovativ. Davon profitieren wir heute noch und können bis zu fünf Veranstaltungen gleichzeitig laufen lassen ohne, dass sich die verschiedenen Besuchergruppen begegnen. Auch das Hochparkett im Großen Saal, bei dem man die ersten sechs Reihen einschieben kann, war damals revolutionär. Heute ist das Standard.


Ist die Stadthalle zukunftsfähig?

Die Stadt Braunschweig hat sich als Eigentümerin über die letzten 50 Jahre gut um das Haus gekümmert und es immer wieder auf den neuesten technischen Stand gebracht. Zuletzt wurden im Jahr 2009 sieben Millionen Euro für neue Eingangsbereiche, eine neue Bestuhlung, Ton, Licht und Projektionen investiert. Natürlich haben wir nach so einer langen Zeit einige Themen wie z.B. die Waschbetonfassade oder den Energiebedarf, die wir angehen müssen. Zukünftig kommen sicher Investitionen im zweistelleigen Millionenbereich auf uns zu. Es gibt in Deutschland aber Kommunen, die deutlich größere Probleme mit ihren Häusern haben.


Die Volkswagen Halle im Bürgerpark wird im September 15 Jahre alt. Wie wichtig ist diese für Kongresse und Tagungen?

Sie dient uns in diesem Bereich als gute Ergänzung. Neben Tagungen mit 300 Besuchern fanden hier auch schon Hauptversammlungen der Salzgitter AG oder der Nordzucker AG statt. Der Firmenveranstaltungsmarkt, der gute Umsätze generiert, wächst momentan. Es ist wichtig, dass regionale Unternehmen mit ihren Veranstaltungen diesen Standort stärken. Der wissenschaftliche Tagungsmarkt ist zahlenmäßig aber noch am stärksten bei uns vertreten.


Inwieweit ist das Eintracht-Stadion mit seinem Business-Bereich attraktiv für Tagungen und Kongresse?

Durch den Ausbau der Westtribüne bieten wir auch dort inzwischen eine Menge neuer Möglichkeiten. Gerade von wissenschaftlichen Institutionen werden diese für Veranstaltungen bis 300 Personen gerne genutzt. Unser Team hat hier Konzepte für Abendveranstaltungen entwickelt, wo man zum Beispiel mit Champions-League-Musik durch den Spielertunnel laufen, auf der Ersatzbank ein Foto machen lassen oder in der Südkurve Torwandschießen kann. Die An- und Abreise kann mit einer historischen Straßenbahn erfolgen. Solche Events kommen im Rahmenprogramm sehr gut an.


Das heißt, man muss den Firmen heute mehr bieten als nur einen leeren Raum?

Absolut. Es ist zwar primär nicht unsere Aufgabe solchen „Mehrwert“ anzubieten, wir sind aber als reiner Raumvermieter jederzeit gern behilflich mit Ideen, Tipps und der Umsetzung. Das kostet zwar alles etwas mehr Geld, aber der Nutzen ist definitiv da. Ein „Rundum-sorglos-Paket“ ist bei uns in Zusammenarbeit mit der Braunschweig Stadtmarketing GmbH möglich.


Was war bisher der größte Kongress, der je bei Ihnen veranstaltet wurde?

Das waren der deutsche Anwaltstag und der Europakongress der Wirtschaftsjunioren, ein internationaler Kongress für junge Unternehmer und Führungskräfte. Letzterer fand im Jahr 2012 in der Stadthalle mit dem Kongress und einer Ausstellung sowie in der Volkswagen Halle mit einem großen gesetzten Abendessen für 2.200 Teilnehmer statt. Das war schon eine besondere logistische Leistung, da wir mit Podesten extra noch Platz für sechshundert Tische in die Ränge hinein gebaut haben. Ist Aufwand, geht aber. Die schönsten Veranstaltungen sind für mich die, bei denen man im Team Dinge macht, die eigentlich nicht gehen. Anders ausgedrückt: Bei uns gibt es keine Probleme, nur Lösungen (lacht). Der größte Kongress in der Geschichte der Stadthalle war wohl die Präsentation des Golf III durch die Volkswagen AG im Jahr 1991. An 22 Veranstaltungstagen wurde 23.000 Autohändler aus ganz Europa das neue Fahrzeug präsentiert.

 


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„Die Potentiale vor Ort darstellen und nutzen“ (2/2)

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