"Ein Ehrenamt, das nicht alle bekleiden dürfen" - Standort38
27. Oktober 2017
Handel & Dienstleistung

„Ein Ehrenamt, das nicht alle bekleiden dürfen“

Nicole und Wilfried Both, Geschäftsführer, AL-Elektronik Distribution GmbH, im gemeinsamen Interview

Nicole und Wilfried Both. Foto: Susanne Hübn


Wie kann man sich die Wirtschaftsjunioren Braunschweig in den Anfangsjahren vorstellen und was wurde dort getan?


Wilfried Both: Neben dem Erfahrungsaustausch von jungen Unternehmern und Führungskräften, waren die Arbeitskreise wie z.B. Bildung/Wirtschaft sehr wichtig. In diesem Arbeitskreis hat der einzelne Wirtschaftsjunior 2-3 Schulen betreut und nach der Grenzöffnung den Schülern anhand eines Planspiels den Weg von der Planwirtschaft zur freien Marktwirtschaft vermittelt.


Nicole Both: In meiner Jugend hatte ich durch die Mitgliedschaft meines Vaters bei den Wirtschaftsjunioren und die Erzählungen über interessante Projekte und Studienreisen einige Berührungspunkte. Unterschiedlich sind zum einen die Mitgliedszahlen im Vergleich zu damals und auch die Vorgehensweise bei den einzelnen Projekten.


Waren die Wirtschaftsjunioren Braunschweig früher „junge Wilde“ und wie hat sich das Selbstbild gewandelt?


Wilfried Both: Sicher waren wir alle voller Tatendrang, da wir viele Gemeinsamkeiten hatten. Durch die vielen Veranstaltungen und Vorträge bei Firmen in der Region hatte man immer einen Austausch mit Personen, die die gleichen Interessen verfolgten. Aber auch die gemeinsamen Fahrten in die Hauptstädte von Europa und sogar weltweit (bis nach Hongkong) verbanden uns. Auf diesen Reisen lernte man sich noch besser kennen und schätzen, bis hin zu noch heute bestehenden Freundschaften. Gewandelt hat sich das Selbstbild sicher. Das ist einmal der heutigen hektischen Zeit geschuldet, aber auch den immer größer werdenden komplexen Rahmenbedingungen. Dass sieht man heute schon daran, dass die Anzahl der WJ deutlich deutlich mehr geworden ist.


Nicole Both: Der Wirtschaftsjuniorenkreis ist heute ein ehrenamtliches Netzwerk, das Projekte vorantreibt und Themen der Region mit Politik und Wirtschaft diskutiert.


Es wird viel über den „Braunschweiger Klüngel“ geredet. Welche Rolle spielen dabei die Wirtschaftsjunioren? Was unterscheidet sie von anderen Netzwerken?


Wilfried Both: Sicher hat man zu der einen oder anderen Person intensiveren Kontakt, aber ich empfinde das Wort Klüngel als völlig unangebracht. Ein Unterschied zu anderen Organisationen besteht jedoch darin, dass man spätestens mit 45 Jahren aufhören muss. Ein weiterer Unterschied ist, dass man am Anfang seines Berufslebens Mitglied bei den WJ ist, denn gerade da braucht man einen regen Austausch, weil einfach Erfahrung fehlt.


Nicole Both: Grundsätzlich ist die Mitgliedschaft ein Ehrenamt, das vielleicht damals noch mehr als heute, nicht alle Personen bekleiden können und dürfen.


Inwieweit fördert es das eigene Geschäft Wirtschaftsjunior zu sein?


Wilfried Both: Das liegt sicher an jeder Person selbst. Wenn man sich einbringt und die vielen sehr guten Veranstaltungen besucht, kann man für seine persönliche berufliche Laufbahn viel Positives mitnehmen.


Nicole Both: Eine Mitgliedschaft bei den Wirtschaftsjunioren ist in erster Linie ein Ehrenamt, das zum Beispiel im Rahmen eines Coachings einer Schulklasse über drei Jahre lebt und weniger dem Anwerben von neuen Kunden dient. Wer sich bei den Wirtschaftsjunioren einbringen möchte, der weiß, dass er Zeit investieren muss, um gemeinsam die Projekte voranzutreiben.


Wie elitär ist ihr Zirkel?


Wilfried Both: Überhaupt nicht, weil die Verschiedenheit im Kreis der WJ schon gegen elitär spricht.


Nicole Both: Elitär ist der falsche Begriff, denn jeder, der sich einbringen will und eine Führungskraft ist und/oder Personenverantwortung hat, kann sich bewerben. Aus diesem Grund ist der Wirtschaftsjuniorenkreis in den letzten Jahren auch stetig größer geworden. Im Vergleich zu den Achtzigern, hat er sich sogar verdreifacht.


Welche Bedeutung hat die Vernetzung mit anderen Wirtschaftsjunioren in der Region und in Deutschland?


Nicole Both: Die Vernetzung mit anderen Wirtschaftsjunioren öffnet einem die Möglichkeit, sich mit anderen auseinanderzu setzen und Erfahrungen auszutauschen. Durch die zusätzlich stattfindenden Konferenzen, die, gibt es neben den regionalen Vernetzungen auch den Erfahrungsaustausch mit anderen Nationen, Regionen und Personen, welche einem einen ganz anderen Blickwinkel auf bestimmte Thematiken eröffnet.


Wilfried Both: Die Vernetzung ist unschätzbar wichtig für jeden Wirtschaftsjunior.

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