24. März 2017
Handel & Dienstleistung

„Eine Win-win-Situation“

Altstadt-Bäckerei Richter setzt auf Inklusion

Tanja Sprenger freut sich über die Arbeit in Carsten Richters Bäckerei. Foto: Bastian Lüpke

Jeden Morgen pünktlich um 5 Uhr geht es für Tanja Sprenger in die Backstube der Altstadt-Bäckerei Richter: Croissants und Mohnschleifen drehen, Heidesand-Kekse backen – später am Tag Bleche putzen. „Die sind immer blitzblank“, sagt Sprenger stolz – auch darauf, dass sie diesen Tätigkeiten in einer regulären Vollzeit-Stelle nachgeht.

Ganz selbstverständlich ist das nicht. Tanja Sprenger hat eine geistige Behinderung. Es gehört schon eine kleine Portion unternehmerischer Mut dazu, einen vollen inklusiven Arbeitsplatz zu stellen. Für Carsten Richter von der Richter Altstadt-Bäckerei GmbH & Co. KG sei es aber eine Win-winSituation: „Wir brauchten jemanden für diese Tätigkeiten und wussten, dass Tanja sie ausführen kann“, sagt der Bäcker- und Konditormeister aus Wolfenbüttel. Das Thema Behinderung habe sein Unternehmen schon länger beschäftigt – zunächst über einen Zukunftstag, als ein Kind mit Down-Syndrom seine Bäckerei besuchte.

Später dann beim Projekt „Brücken Bauen“, bei dem Unternehmen einen Tag lang in sozialen Einrichtungen mithelfen – und so Verbindungen zwischen den Welten der Wirtschaft und des Sozialen enstehen. „So entstand auch der Kontakt zur Lebenshilfe Wolfenbüttel.“ Die wiederum kooperierte mit einer Wolfenbütteler Berufsschule. Ziel des Projektes: Menschen mit Behinderungen fit zu machen für den ersten Arbeitsmarkt. Tanja Sprenger war eine der Teilnehmerin nen. Über ein Praktikum kam sie erstmals zur Bäckerei Richter. Mit ihrer hilfsbereiten, kooperativen und freundlichen Art hat sie dort alle überzeugt. Seit einem guten halben Jahr ist die 27-Jährige nun fest angestellt und in Vollzeit beschäftigt. „Klar gibt es bei manchen Arbeitgebern Vorbehalte“, sagt Richter. Doch meistens gehe es relativ schnell und unbürokratisch. „Wichtig ist eine feste Bezugsperson“, berichtet Richter.

Zudem kommen die einfachen Handgriffe und wiederkehrenden Abläufe ihrer Arbeit Tanja Sprenger entgegen. Von den anderen Mitarbeitern und auch sich selbst fordert Richter Geduld. „Tanja braucht für manche Dinge länger. Das muss man akzeptieren.“ Das Zusammenspiel in der Backstube sei noch immer ein Prozess – aber ein sehr erfolgreicher, wie Richter betont: „Wir sind zufrieden, sie ist zufrieden.“ Sprenger jedenfalls lächelt glücklich während der Arbeit. „Mir gefällt es hier sehr gut. Ich wurde gut ins Team aufgenommen“, findet die Wolfenbüttelerin.

Und auch Richters Bilanz fällt durchweg positiv aus. Er könne sich sogar vorstellen, noch einen weiteren inklusiven Arbeitsplatz einzurichten. Hilfe bei der Umsetzung habe er von der Lebenshilfe stets bekommen. Zudem werde ein solcher Arbeitsplatz über das Budget für Arbeit gefördert und: Er reduziert die Ausgleichsabgabe, die Arbeitgeber für jeden unbesetzten Pflichtplatz für schwerbehinderte Menschen zahlen.

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