Herausforderungen und Chancen (2/3) - Standort38
und
16. Mai 2017
Handel & Dienstleistung

Herausforderungen und Chancen (2/3)

Helmstedt eine Region im strukturellen Wandel

Das Brunnentheater: Beliebte Spielstätte in Bad Helmstedt. Foto: Times/Wikimedia

Der Geschäftsbetrieb läuft ohne Einschränkungen weiter. "Für uns heißt das, weiter geduldig zu sein und uns auf unsere Kernkompetenzen in unseren Geschäftsfeldern zu fokussieren. Das fällt uns auch nicht wirklich schwer, da wir voraussichtlich auf ein sehr gutes Geschäftsjahr des Unternehmens zurückblicken dürfen", sagt Pressesprecher Marcus Geppert. Der größte Arbeitgeber des Landkreises stammt dagegen weder aus Industrie noch Handel. Das AWO-Psychiatriezentrum mit Hauptsitz in Königslutter beschäftigt rund 1.100 Mitarbeiter – Tendenz steigend. Die Therapie-Einrichtung investiert zudem in weitere Standorte und Angebote. So wurde im vergangenen Jahr etwa eine Tagesklinik in Helmstedt eröffnet. „Unser Ziel ist es, an jedem Standort in unserem Einzugsgebiet eine Tagesklinik zu betreiben“, sagt Geschäftsführer Thomas Zauritz. Die neuen Räume in der Innenstadt können Fachleute und Interessierte am 26. April ab 15 Uhr beim Tag der offenen Tür besichtigen.

Ein echter Helmstedter Riese feiert in diesen Tagen sein 65-Jähriges Jubiläum: Die Eckardt GmbH vertreibt seitdem Landmaschinen sowie Geräte für Bauern und Förster. Helmstedt ist dafür ein perfekter Standort – schließlich blickt der Ort auf eine große landwirtschaftliche Tradition zurück. Robert Eckhardt Senior gründete das Unternehmen in Helmstedt im Jahr 1952. Im Laufe der Zeit eröffnete der Maschinenhandel zwei Filialen in Ohrum und Vorsfelde. Derzeit sind rund 40 Mitarbeiter für das Unternehmen tätig. Und noch ein Jubiläum: So erwarben 1969 Hans-Werner Scherer und Martin Hoeck das Bekleidungsfachgeschäft Homeyer + Strotmann aus Helmstedt und ließen es in die Unternehmensgruppe Dettmer + Müller aus Celle einfließen. Der alte Name wurde erhalten und heute blickt das Unternehmen auf 125 Jahre Firmengeschichte zurück.

Die Familien Homeyer und Strotmann gründeten das Geschäft Ende 1881 und benannten es nach ihren Familien. Der Firmenname blieb auch nach dem Ausscheiden der Familie Homeyer nach einigen Jahren, Familie Strotmann betrieb das Geschäft über mehrere Jahre alleine und führte es durch die schweren Kriegsjahre. Nach der Übernahme Ende der 60er Jahre wurden die Räumlichkeiten mehrfach umgebaut, modernisiert und erweitert. Anfang der 80er Jahre gab es einen Neuausbau in der Neumärker Straße 39-40 sowie einen Durchbruch zum Holzberg. Insgesamt vergrößerten die neuen Inhaber die Verkaufsfläche erst auf 1.000 m², später dann auf die heutigen 1.500 m² auf drei Etagen.

Entwicklungen sind im Landkreis Helmstedt verschieden, je nachdem, an welchem Pol man sich befindet. Für den Nordkreis – eingebettet im Speckgürtel von Braunschweig und Wolfsburg – stehen die wirtschaftlichen Aussichten ganz gut. „Hier boomen die Immobilienpreise und Mieten, hier kann der Landkreis Helmstedt seine Stärken als Wohnstandort voll ausspielen, außerdem siedeln sich hier viele Betriebe im Umfeld der Automobilindustrie an“, erklärt Landrat Radeck. Im Südkreis hingegen sehe

das nicht ganz so gut aus: „Hier ist durch das Ende des Kohlebergbaus tatsächlich eine große Lücke entstanden, die sich erst langsam wieder schließen lässt.“ Damit das passieren kann, werde mit Mitteln des Bundes und des Kreises und mit enger Unterstützung des Landes Niedersachsen ein Regionalmanagement durchgeführt, das – ausgestattet mit einem Budget von einer Millionen Euro – ab Mai seine Arbeit aufnehmen werde.

Es geht darum, in den nächsten Jahren die Nachnutzung des Kraftwerkgeländes zum Nutzen von Bürgern und Unternehmen auf einen nachhaltigen Weg zu bringen und ein schlüssiges Entwicklungskonzept für den ganzen Landkreis zu schaffen. Im Nordkreis entwickeln sich daher einige Baugebiete. Laut Henning Glaser, Vertreter des Bürgermeisters der Samtgemeinde Velpke, könnten mehr Baugrundstücke verkauft werden, als vorhanden sind: „Wir profitieren von der guten Anbindung an Wolfsburg und darum dass die Entwicklung neuer Baugebiete dort lange dauert – und Bauland bei uns günstiger ist.“ Insbesondere junge Familien nutzen dies und ziehen aufs Land. „Vor einigen Jahren dachten wir noch über die Schließung von Grundschulen nach, mittlerweile investieren wir wieder in die Kinderbetreuung“.

Unter anderem werden Kindergärten geplant und gebaut, bestehende Einrichtungen erweitert und Krippengruppen eingerichtet. Doch der Bedarf im Sozialen belastet den Haushalt der Samtgemeinde, die ohnehin mit einem Defizit im Haushalt kämpft. „Wir streben eine Bedarfszuweisung durch das Land Niedersachsen an“, erläutert Glaser. Und weiter: „Allerdings müssen wir dafür nachweisen, dass wir unsere Einnahmen erhöhen. Langfristig werden wir das nur über Steuererhöhungen erreichen.“ In den kommenden Monaten müssen die Gemeinderäte entscheiden, in welchen Bereichen die Erhöhungen kommen und wen sie betreffen. Das Velpker Autohaus Kühnold freut sich derweil, dieses Jahr das 50-jährige Bestehen feiern zu können. „Auf dem Dorf ist die Welt noch in Ordnung“, freut sich Geschäftsführer Mathias Dörries, Chef von 30 Mitarbeitern.

Als Rezept für den Erfolg des Hauses sieht er die individuelle Beratung und persönlichen Service für die Kunden an. Viele von ihnen würden es schätzen, dass die zugehörige Werkstatt erst versucht zu reparieren, statt gleich Teile auszutauschen. „Und für die Zeit, in der wir den Wagen reparieren, bieten wir günstige Mietwagen – so bleiben unsere Kunden mobil“, erklärt er. Neben den klassischen Angeboten eines Autohauses mit Werkstatt gibt es bei Kühnold zudem Crafter und Trikes zu mieten. Über mehrere Jahre war auch die Poststelle des Ortes im Autohaus, bis diese wieder in eigene Räumlichkeiten zog. Im Südkreis engagiert sich die Schöninger Werbegemeinschaft – kurz SWG – um „die Stadt der Speere“ attraktiver zu machen. Vor einem Jahr endete die Arbeit der ehemaligen City Werbegemeinschaft und wurde durch die neue SWG ersetzt. „Der damalige Vorstand ist geschlossen zurückgetreten, aber als Mitglieder wollten wir, dass es weitergeht – nur anders“, erzählt der jetzige Vorsitzende Frank Schulze.

 

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Herausforderungen und Chancen – Helmstedt – eine Region im strukturellen Wandel (3/3)

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