18. Februar 2019
Handel & Dienstleistung

„Ich hab’s geschafft, jetzt trage ich Rolex“

Luxus als Geschäftsmodell: Zu Besuch im Uhrenatelier Manßhardt & Kurzidim

Die Geschäftsführer Sven Kurzidim und Michael Manßhardt lernten sich im Meisterkurs kennen. Foto: Merle Janßen

Die Geschäftsführer Sven Kurzidim und Michael Manßhardt lernten sich im Meisterkurs kennen. Foto: Merle Janßen

Sie schlagen und schmücken, sie zieren und ticken. Neben Zepter und Maßanzug trägt man(n) die letzte wohlstandsverheißende Insignie am Handgelenk: die Luxusuhr. Aber ist sie noch immer das Statussymbol der Großverdiener? Oder inzwischen nicht mehr als ein verblassender Mythos am Manschettensaum? Standort38 hat das Manßhardt & Kurzidim Uhrenatelier in Bockenem besucht. Gemeinsam mit den jungen Gründern haben wir uns auf die Suche nach wahrem Wert begeben und geklärt, woran man echte Qualität erkennt …

Bei den Uhrmachermeistern Michael Manßhardt und Sven Kurzidim gehen viele teure Uhren über den Ladentisch. Als eines von wenigen Omega-Servicecentern in Deutschland gehören Reparatur und Verkauf von Luxusuhren zu ihrem Tagesgeschäft. Betritt man das Uhrenatelier, kann man eine Werkstatt auf den ersten Blick allerdings nur erahnen. Wie in einer Galerie rahmen unzählige Uhren den massiven Tresen. Neben dem Holzofen geben schlanke Glasvitrinen Einblick in ein jahrhundertealtes Handwerk und ein großes Sofa lädt dazu ein, die Zeit entspannt verstreichen zu lassen. Im hinteren Teil des Ateliers erstrecken sich die Arbeitsräume der beiden Uhrmacher. Hier tickt’s richtig und das gleich doppelt. Seit der Firmengründung 2015 verfolgen sie ein außergewöhnliches Geschäftsmodell: Während Sven Experte für Armbanduhren ist, restauriert Michael größere, teils antike, Zeitmesser – ein Service, den heutzutage nur noch wenige Uhrmacher anbieten. „Vom Batteriewechsel bis zur Aufarbeitung von Großuhren machen wir hier alles unter einem Dach“, fasst Michael zusammen.

Von Schmuck und Status

Wenn die Uhrzeit immer nur einen Smartphone-Griff entfernt ist, werden klassische Zeitanzeiger zur Nebensache. Könnte man meinen. Doch gerade durch die Allgegenwärtigkeit der Zeit, gewinnen ausgewählte Sammlerstücke für Liebhaber an Wert. „Uhren sind neben Ringen häufig die einzigen Schmuckstücke, die Männer tragen. Viele Kunden erzählen, dass sie sich erst mit Uhr richtig angezogen fühlen“, ergänzt Sven. Und das funktioniert mit viel Gold am Handgelenk natürlich besser als mit Plastik aus dem Supermarkt. Daher wird umso mehr auf Qualität geachtet – und auf Marke, was die kleinen Luxusgüter zwar nicht günstiger macht, aber dennoch eindeutige Rückschlüsse auf den Status des Trägers erlaubt.

Wahre Schönheit kommt von innen

Was aber zeichnet Uhren von Herstellern wie Rolex, Omega und Patek Philippe aus? „Steinchen, Steinchen, Steinchen!“, antwortet Sven, dann lacht er. „Nein, das war nur Spaß. Natürlich ist das Material ausschlaggebend. Edelmetalle und Schmucksteine treiben den Preis nach oben. Aber die Qualität ergibt sich aus vielen Faktoren. Auch das Uhrwerk muss passen. Was bringt einem die schönste Uhr, wenn sie unzuverlässig die Zeit anzeigt?“

Quarz oder Qualität

Der momentane Trend, so die Experten, gehe klar zur mechanischen Uhr – also einer solchen, die ohne Batterie funktioniert. Durch das aufwendigere Uhrwerk seien sie hochwertiger als jede elektronisch betriebene Quarzuhr. „Besonders Männern geht es dabei um den technischen Hintergrund, bei Frauen ist es eher das Design, auf das Wert gelegt wird“, erklärt Sven. „Außerdem sind Uhren, die den Namen ‚Chronometer‘ tragen, sehr beliebt, weil sie enorm genau gehen.“ Zu erkennen ist das auf dem Ziffernblatt; zusätzlich besitzen sie immer ein Zertifikat – ein weiterer Indikator für ein sehr gutes Uhrwerk.

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