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Ein Ökosystem aus Innovatoren und Gründungsgeistern

In Zukunft sollen Gründer und Start-ups in Seesen mehr gefördert werden

Prof. Reza Asghari, Leiter des Entrepreneurship Hubs und Erik Homann, Seesens Bürgermeister. Foto: Stephanie Link

2.000 Einwohner, brachliegende Industrieflächen, eine zunehmend heterogene Altersstruktur – in Seesen ist der demografische Wandel spürbar. Und doch soll dies der perfekte Ort für Innovativen, Gründergeist und einen Aufbruch in Richtung Silicon Valley des Flächenlands Niedersachsen sein, finden Erik Homann, Seesens Bürgermeister, und Prof. Reza Asghari, Leiter des Entrepreneurship Hubs. Seit zwei Jahren planen die beiden Großes: Das Pilot-Projekt „Seesen Entrepreneurship Programm“ soll Gründer und die Entwicklung eines Start-up-Ökosystems im ländlichen Raum fördern.

Als der Lebensmittelgroßkonzern HJ Heinz 2014 Seesen verließ, verloren gut 200 Arbeitnehmer ihre Anstellung. Seitdem stehen große Industrieflächen leer. Zukünftig sollen hier Start-up-Gründer ihre Ideen entwickeln. Zurzeit seien bereits einzelne Unternehmen in Seesen ansässig, der Großteil der Fläche stehe noch frei, sagt Homann. Der Start des Projekts ist nun ein Coworking-Space, der voraussichtlich im Mai diesen Jahres eröffnet werden und diesen Leerstand füllen soll: „Wir bieten Arbeitsplätze für angehende Gründer und ein Mitarbeiter wird diese betreuen“, erklärt Asghari. „Mit dem Coworking-Space wollen wir nicht nur inspirierenden Raum für Innovationen schaffen, sondern darüber hinaus interessante Angebote wie Workshops zum Thema E-Commerce-Gründung anbieten. In einem weiteren Workshop erklären wir, wie man systematisch aus einer groben Idee ein konkretes Geschäftsmodell entwickeln kann.“

„Der Gründungsaspekt ist ein menschlicher Aspekt. Alle sind am Anfang unsicher“, spricht Asghari aus Erfahrung. Entrepreneure werden in Seesen zukünftig an die Hand genommen, im Rahmen eines Mentoring-Programms unterstützt und von regionalen Unternehmern beraten. Seesen sei schon immer eine Stadt der Gründung gewesen, erzählt Homann. „Die Industrie in Seesen wurde bisher hauptsächlich von Seesenern angetrieben, die dort ihr Unternehmen aufbauten.“ Beispielsweise stammt das Start-up „FaschingShop24“ aus Seesen. „Insofern sollten wir uns wieder auf diese Potentiale rückbesinnen und die Zukunft Seesens danach ausrichten.“ Neben regionalen Wirtschaftsgrößen unterstützen Wirtschaftsförderer, Politiker, Bankvertreter und die Arbeitsagentur das Projekt. Zukünftig soll das Thema Entrepreneurship im Rahmen von Unternehmertagen präsentiert werden.

Virtuelle Anreize

„Seesen bietet insbesondere für Gründer aus der Lebensmittelbranche eine gute Infrastruktur“, so Homann. Denn der ländliche Raum bietet große Flächen zu geringen Preisen. Ausschlaggebend sei dies jedoch nicht: „In Zeiten des Internets spielt der physische Raum weniger eine Rolle, sondern vielmehr der virtuelle“, so Asghari. Auch hier hat Seesen mit dem Breitbandinternet für Gründer viel zu bieten. Die Nähe zur Autobahn und den umliegenden Städten sprechen ebenfalls für den Standort – denn Seesen liegt genau in der Mitte der Metropolregion.

Derart ländliche Projekte spielen für ganz Niedersachsen eine wichtige Rolle und sind Vorbild für weitere Regionen: Werden ländliche Räume nicht attraktiver gestaltet, führt das zu einer größeren Urbanisierung – in den Städten könnten sich Gründer aus finanziellen Gründen gar nicht mehr niederlassen. „Dass man in Großstädten so etwas macht, ist aber erheblich leichter, als wenn man das in einer Stadt mit 20.000 Einwohnern und ohne Hochschule macht“, betont Asghari. „Anhand dieses Projektes sieht man aber, dass man auch in kleinen Städten viel machen kann. Man kann die Nachteile mit den Vorteilen kompensieren.“  Mit der Entwicklung des Start-up-Ökosystems in Seesen erhoffen sich Homann und Asghari, dass Gründer ihre Start-ups in Zukunft auch auf dem alten Heinz-Gelände entwickeln. Dafür werden mit dem aktuellen Projekt die Grundvoraussetzungen geschaffen.

 

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