Von der Handtasche zum Amazon-Partner - Standort38
13. November 2020
Entscheider

Von der Handtasche zum Amazon-Partner

Die Fischer & Habel GmbH setzt voll aufs Online-Geschäft

Matthias Habel und Tobias Fischer. Foto: Siri Buchholz.

Matthias Habel und Tobias Fischer. Foto: Siri Buchholz.

Ein Start-up, eine Garage, eine Geschäftsidee: Der Wunsch, etwas Eigenes aufbauen zu wollen, treibt Tobias Fischer und Matthias Habel vor vier Jahren aus der Konzernwelt in die Start-up-Branche. Was nach den Anfängen einer Unternehmensgründung im Silicon Valley klingt, wurzelt jedoch in einer ganz anderen, ausgefallenen Idee, nämlich dem Verkauf von veganen Damenhandtaschen über Amazon. „Die erste Lieferung Handtaschen werde ich nie vergessen“, sagt Habel, einer der Geschäftsführer der 2016 gegründeten estileo GmbH. „Ich habe sie entgegengenommen, der Transportfahrer machte die Tür auf und schüttelte mit dem Kopf und sagte, so etwas Schlimmes habe er noch nie gesehen.“ Die Taschen aus China seien klitschnass gewesen. „Doch wir haben uns davon nicht unterkriegen lassen und sind unseren Weg gegangen“, fügt Fischer hinzu. „Nach zwei Jahren europaweitem Vertrieb über Amazon, dem eigenen Online-Shop und einigen Einzelhändlern standen wir an einem Punkt, an dem wir uns die Frage gestellt haben, ob wir uns weiterhin jeden Tag mit Handtaschen beschäftigen wollen. Zu dem Zeitpunkt gab es Investorenangebote, die eine Weiterentwicklung der Marke mit uns als Geschäftsführer vorsahen.“ Doch die Wahl der beiden fiel darauf, ihrer Leidenschaft nachzugehen und so folgte der Verkauf der Marke und eine Umfirmierung zur Marketing Agentur. Mit der Fischer & Habel GmbH widmen die beiden Jungunternehmer sich nun etwas, bei dem sie aus Konzernerfahrung genau wissen, was sie tun: Unternehmensberatung und digitales Marktmanagement.

Neue Wege

So wurde aus dem Modeunternehmen eine Amazon Full Service Agentur und aus remote working ein Büro in Mitten der Braunschweiger Innenstadt. Der Wirtschaftspädagoge Habel und der studierte General Manager Fischer unterstützen mit ihrer Expertise nun Unternehmen bei deren Auftritt auf der Plattform des Online-Riesen Amazon. „Unser Ziel ist es, mit relevanten Keywords das Produkt eines Kunden auf der Suchergebnisseite möglichst weit nach oben zu bringen und durch ansprechende Inhalte zum Kauf zu animieren.“ Und das längst nicht mehr ausschließlich für regionale Unternehmen. „Mittlerweile sind wir auch in den USA gut gelistet und haben Kunden aus Australien und ganz Europa“, erzählt Fischer stolz.
Als zertifizierter Partner arbeiten F&H direkt mit Amazon zusammen. „Obwohl es ein Riesenkonzern ist und es permanent Neuerungen gibt, der Algorithmus umgestellt, das Design, das Frontend oder das Backend verändert werden, funktioniert das erschreckend gut“, bilanziert Habel. Zwar haben sie direkte Ansprechpartner bei Amazon, eines ist den beiden aber wichtig, betont Fischer: „Wir werden oftmals gefragt, ob wir zu Amazon gehören oder beteiligt sind – das sind wir nicht. Wir sind eine inhabergeführte, unabhängige Agentur, haben allerdings die sogenannte Service-Provider-Network Akkreditierung durchlaufen, sodass wir ein offizieller Partner von Amazon sind.“

Content, Werbung, klare Strategie

Gerade in Corona-Zeiten wird deutlich, wie wichtig die Digitalisierung ist. „Durch die Pandemie wurde sie nochmals beschleunigt“, sagt Fischer. „Und das wird immer zentraler, man ist abhängiger von den großen Konzernen“, ergänzt Habel. Die Digitalisierung ist nicht mehr vom Konsum loszulösen und Amazon dafür der größte Kanal in Deutschland. Und genau an diese Stelle setzen die beiden an: „Es geht darum, mit unseren Kunden gemeinsam ein Geschäftsmodell zu entwickeln.“ Denn zu einem erfolgreichen Amazon-Auftritt gehört neben einem guten Produkt auch eine klare Strategie, da sind sich Fischer und Habel sicher. Von Kosten-Kalkulation, rechtlicher Absicherung bis hin zu einer passenden Produktdetailseite mit relevanten Bildern und Texten sowie Amazon Advertising unterstützen die beiden Geschäftsführer und das sechsköpfige Team ihre Kunden, die größtenteils aus dem Mittelstand kommen.
Zwischen den beiden Geschäftsführern gibt es eine klare Aufgabenteilung. „Auch vom Typ her“, sagt Habel und lacht. „Wir verstehen uns super und sind privat Freunde, das ist uns auch wichtig. Aber wir sind grundverschieden. Das ist für uns insofern positiv, als das wir verschiedene Blickwinkel haben.“ So ist Habel für das Marktplatzgeschäft und die Amazon-Akquise zuständig, während Fischer all das verantwortet, was unter Finanzen und IT-Infrastruktur fällt. „Ich sorge dafür, dass über unsere Website Anfragen reinkommen und wir online so gerankt sind, dass jeder, der nach „Amazon Agentur“ sucht, direkt auf uns stößt“, erklärt Fischer.
Grundverschieden sind die beiden Geschäftsführer aber nicht bei ihren Werten – im Gegenteil: Unternehmergeist, Exzellenz, Integrität und Agilität sind ihnen wichtig. „Gerade während Corona hat jeder Unternehmer gemerkt: Man muss flexibel und schnell sein, um sich auf neue Anforderungen einstellen zu können. Unternehmerisch bist du nicht, wenn du alles auf die lange Bank schiebst und sagst, es hat doch immer funktioniert“, sagt Habel. „Unternehmerisch zu sein, bedeutet für uns, gewisse Risiken einzugehen und nicht direkt Gegenleistungen einzufordern“, ergänzt Fischer.

Zwei Welten, ein Kern

Es wundert nicht, dass die Nachfrage bei der Agentur aktuell steigt. „In den letzten Wochen wurden uns quasi die Türen eingerannt“, so Fischer. „Alle wussten, online ist wichtig und da muss jetzt etwas gemacht werden.“ Online- und Offline-Handel seien für Fischer sowieso nicht voneinander zu trennen. „Für mich ist das eine Welt. Beispielsweise braucht jedes kleine Restaurant mittlerweile einen vernünftigen Online-Auftritt, Online- und Offline-Vertrieb verschmelzen immer mehr.“
Daher sei es wichtig, eine ganzheitliche Strategie aufzubauen, die über Amazon hinausgeht und zusätzlich Social-Media-Kanäle, Websites und Online-Shops, aber auch die Retail Stores in der Innenstadt zu berücksichtigt – und auch hier unterstützen der 31- und der 35-Jährige ihre Kunden als Digitalagentur. Ein Aus für den Einzelhandel sehen die beiden Digitalstrategen nicht – online shoppen sie trotzdem gern. „Am Ende geht es darum, wer seine Zielgruppe versteht und entsprechende Lösungen anbietet“, betont Fischer. „Starke Marken verschmelzen dann online und offline. Wer jetzt die Weichen in Richtung Omni-Channel-Vertrieb stellt, dem bieten sich in den kommenden Jahren viele Chancen.“

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