und
1. Juni 2021
Entscheider

„Wir fahren schließlich nicht rückwärts“

Claudia und Luca Block in einem Generationen- Gespräch über 125 Jahre Geschichte sowie die Zukunft von Block am Ring, ein schnelles Traumauto mit einem Propeller im Logo und den Autoverkauf auf dem Bierdeckel …

Claudia und Luca Block im Titelinterview. Foto: Holger Isermann.

Ältester BMW-Händler der Welt. Das ist ein klingender Titel, der für eine im doppelten Sinne außergewöhnliche Geschichte steht. Und er gehört einem Familienunternehmen aus Braunschweig, das gerade seinen 125. Geburtstag feiert. Kenner wissen, dass Karl Rapp die Rapp Motorenwerke GmbH erst 1913 in München gründete, seit 1917 firmiert das Unternehmen als BMW. Es ist also kein Wunder, dass August Block 1896 – gerade einmal zehn Jahre nachdem Carl Benz mit seinem dreirädrigen Motorwagen das Automobil erfindet, zunächst auf Fahrräder setzt. Doch seine Werkstatt in der Kastanienallee wird schnell zu klein, 1903 folgt der Umzug in den Altewiekring.
Von nun an trägt das Unternehmen den Ring im Namen. Bereits drei Jahre später übernimmt August Block Generalvertretungen für diverse Motorrad- und Automarken, wie etwa Diamant, Triumph, Adler oder Wanderer. Seit 1923 sind BMW und Block am Ring miteinander verbunden – mittlerweile in der fünften Generation. Drei davon sitzen uns beim Titelinterview zu dieser Ausgabe gegenüber. Claudia Block steht seit inzwischen 22 Jahren an der Spitze des Unternehmens, ihr Sohn Luca ist vor zwei Jahren in die Geschäftsführung aufgerückt. Und selbst Opa und Vater Klaus Block hat es sich nicht nehmen lassen, vorbeizuschauen.
„Zu meiner Zeit gab es noch gar kein Leasing“, entgegnet er, als Luca Block davon erzählt, wie er über sein Netzwerk und Social Media auch Autos an Sportler:innen und Musiker:innen vermittelt und Claudia Block betont, dass mittlerweile etwa 75 Prozent der Fahrzeuge geleased werden. 1.500 Neu- und ebenso viele Gebrauchtwagen verkauft das Unternehmen mit seinen 270 Mitarbeiter:innen und sieben Filialen pro Jahr – das bedeutet mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und eine gute Ausgangsposition für den disruptiven Wandel und die fortschreitende Konzentration im Autohandel, oder?
„Wenn man den stationären Handel neu denken möchte, muss man das jetzt machen“, ist sich Luca Block sicher. Er gibt sich zuversichtlich. Bereits seit 2016 baut das Unternehmen unter dem Titel „Future Retail“ die eigenen Filialen um und aus. Und dieses Jahr bringt eine Neuerung, die wirklich aufhorchen lässt: „Ab Juli diesen Jahres werden wir in Hildesheim Hyundai in unser Portfolio aufnehmen“, verrät Claudia Block. Man möchte so neue Wachstumspotenziale erschließen und ein Angebot für potenzielle Kund:innen schaffen, die man bisher mit der Marke BMW nicht erreicht hat. Das klingt nach Aufbruch und macht klar: Block am Ring ist Premium- und auf dem Weg zum Mobilitätsanbieter …

Geschäftsführer Luca Block beim Interview in der Braunschweiger Unternehmenszentrale. Foto: Holger Isermann.

Vor 125 Jahren gründete August Block in Braunschweig ein eigenes Unternehmen. Heute ist Block am Ring laut Ihrer Webseite der älteste BMW-Vertragshändler weltweit…
Claudia Block: In den letzten Jahren haben viele Automobilhändler egal welcher Marke, ihr Geschäft verkauft oder aufgehört, weil ihnen die steigenden Anforderungen zu viel Druck waren. Von daher finde ich es schon erwähnenswert, 125 Jahre immer wieder mit einer neuen Generation geschafft zu haben.
Luca Block: Heute ist es fast schon ein Premium-Button, wenn man ein Start-up ist. Aber ich sehe das ganz anders. Wenn es eine Geschäftsführung und ein Mitarbeiterteam schon über Jahre hinweg geschafft haben, sich an den Markt anzupassen, ist das ein Prädikat dafür, dass man gut aufgestellt ist. Wie es auch unser Leitsatz sagt: Aus Tradition sind wir modern.

Es muss schließlich auch in jeder Generation jemanden geben, der es kann …
C: Da haben Sie recht. Der richtige Nachname allein reicht nicht aus. Wie das zwischen August und meinem Großvater Kurt Block war, weiß ich nicht. Mein Vater Klaus Block hatte Benzin im Blut. Er war einer der ersten Werksfahrer von BMW Rallye, ist bei der Rallye Monte Carlo fünfter in der Gesamtklasse und beim Rennen Mille Miglia Klassensieger geworden. Und manchmal liegt es einem dann auch einfach nahe – ich war neun Jahre lang bei BMW in München tätig. Aber auch ich habe überlegt, ob ich wirklich zurück nach Braunschweig und in den Einzelhandel gehen möchte. Sie müssen dafür prädestiniert sein, denn der Druck ist hoch.

Mittlerweile ist bereits die fünfte Generation im Unternehmen …
C: Mein Sohn hat von mir gehört: Überleg dir das gut. Aber er brennt für die Marke und das Unternehmen – was mich natürlich stolz macht.
L: Ich muss ehrlich sagen, ich habe in jüngeren Jahren nicht furchtbar viel von Automobilen gehalten. Natürlich habe ich am Familientisch viel davon gehört, aber ich war nie der Junge, der die PS-Zahlen von jedem Auto kannte. Als es dann ins Machen ging, selbst Auto zu fahren und auf die Rennstrecke zu gehen, kam schnell die Begeisterung.

Ihr Weg führte Sie trotzdem nicht direkt in den Familienbetrieb, sondern zunächst nach London …
L: Ich war nach dem Studium für ein Jahr bei Hexagon Classics, einem Automobilhändler für Supercars und Classic Cars. Das war spannend, aber auch eine ganz andere Welt. Danach bin ich zu Porsche nach Stuttgart gewechselt und hatte dort einen Festangestelltenvertrag in der Personalabteilung. Das war ein tolles Jahr bei einem tollen Hersteller. Der Mittelstand und die Stadt Braunschweig sind aber immer meine erste Wahl.

Viele Mittelständler sagen in Interviews mit uns, sie würden es der nächsten Generation freistellen und doch entscheidet sich diese oft – vielleicht ein Stück weit aus Verantwortungsbewusstsein – dafür das eigene Familienunternehmen zu übernehmen. Sie hingegen sagten: Überleg dir das gut!
C: Ich wollte meinen Sohn nicht beeinflussen …

Was hat das bei Ihnen bewirkt, Herr Block?
L: Ich konnte die Situation ganz gut einschätzen, denn ich wusste von dem Druck, selbstständig zu sein und noch einen Hersteller im Rücken zu haben. Das ist keine Selbstständigkeit, wie man sie sich im Bilderbuch ausmalt. Es war eine intrinsische Motivation hierher zu kommen. Man macht sich bei einer derartig wegweisenden Entscheidung natürlich seine Gedanken. Jetzt oder nie muss man den Automobilhandel neu denken, die Block am Ring Gruppe von einem stationären Händler hin zu einem Mobilitätsanbieter für die gesamte Region entwickeln. In zwei oder drei Jahren ist das zu spät.

Gab es Momente, in denen Sie hier gesessen und gedacht haben, wäre ich nur in Stuttgart geblieben?
L: Die gab es nie und wird es sicherlich auch nicht geben. Natürlich ist die Volkswagen AG ein toller Arbeitgeber. Aber das selbstbestimmte Arbeiten und die Handlungsfreiheiten machen mich aus.

Claudia Block steht seit 22 Jahren an der Spitze des Familienunternehmens. Foto: Holger Isermann.

Frau Block, 1999 sind Sie als Geschäftsführerin in den Betrieb eingestiegen. War es jemals ein Thema, dass eine Frau die Leitung in einem männerdominierten Umfeld übernimmt?
C: Ich bin kein Fan der Quotenfrauen-Thematik. Der Großteil unserer Mitarbeitenden sind Männer, sicherlich auch der Branche geschuldet. Wir freuen uns aber sehr, über das steigende Interesse einiger Frauen für weiterhin Männer dominierte Berufe. Eigentlich ist es schade, dass diese Frage noch gestellt werden muss. Wir sind stolz darauf, dass diese Diskussion in unserem Unternehmen keine Rolle mehr spielt.

Wie haben Sie damals die Zusammenarbeit und Übergabe mit Ihrem Vater erlebt?
C: Heute kann ich das mit einem Lächeln sagen, weil ich mich hervorragend mit meinem Vater verstehe, aber das war schwierig.

Warum?
C: Weil es meinem Vater schwer gefallen ist loszulassen. Jetzt freuen wir uns umso mehr, wenn er uns besuchen kommt.

Und zwischen Ihnen beiden?
C: Mein Sohn und ich haben überhaupt kein Problem, ganz im Gegenteil. Wir sind beide Alphatiere und waren uns nicht immer sicher, ob es gemeinsam klappt. In den zweieinhalb Jahren kann man aber stolz behaupten, produktiv und super zusammenzuarbeiten.
L: Ich hatte von Anfang an einen hohen Vertrauensvorschuss. Wir diskutieren sicherlich intensiv über Themen, aber nur, um zum besten Ergebnis zu kommen.

Inwieweit hat der Job Ihre private Mutter-Sohn-Beziehung verändert?
L: Verändert würde ich nicht sagen. Ich bin sogar erstmal wieder nach Hause gezogen, weil es in Braunschweig nicht einfach ist, eine passende Wohnung zu finden. Wir haben in dieser Situation versucht, nicht alle Arbeitsthemen mit nach Hause zu nehmen.

Frau Block, wie leicht oder wie schwer fällt es Ihnen Verantwortlichkeiten an Ihren Sohn abzugeben?
C: Es ist schwer zu glauben, aber das kann ich sehr gut. Sie müssen natürlich wissen, dass wir nicht mehr wie ein herkömmlicher Familienbetrieb agieren. Die Verantwortlichkeiten liegen in der Fachkompetenz meiner Mitarbeiter:innen und sind somit klar definiert.
L: So ist es auch in der Geschäftsführung. Jeder hat seinen Bereich, aber wir können uns auch guten Gewissens vertreten, wenn der andere mal nicht da ist.
C: Eine starke Säule ist neben Luca auch Frank Pollak, der die Geschäftsleitung der Block am Ring Gruppe komplementiert. Die Unternehmensgruppe haben wir durch gute wie auch schwierige Zeiten geführt. Es ist wie in einer Ehe, eine riesige Vertrauensbasis.

Welche Rollen füllen Sie beide konkret aus, die die anderen nicht einnehmen können? Haben Sie das letzte Wort?
C: Grundsätzlich steht Luca über der Sparte Sales. Ich übernehme die Verantwortung in wichtigen Controlling- und Personalthemen. Welche sicherlich in dieser besonderen Zeit nur durch die Geschäftsleitung begleitet werden können. Der After Sales ist in der Geschäftsleitung durch Frank Pollak vertreten. Aber alle großen Entscheidungen werden im Team getroffen.
L: Du als ehemalige Motorradfahrerin kümmerst dich außerdem um die Sparte BMW Motorrad.

Covid-19 ist ein wichtiges Stichwort. Wie haben Sie und Ihre Mitarbeitenden die Pandemie bisher erlebt?
C: Am 18. März letztes Jahr fand ich es schlimm, dass wir teilweise schließen mussten. Wie alle Unternehmen standen auch wir vor einer ungewissen Zukunft. Da die Unternehmensgruppe nie von Kurzarbeit gebrauch gemacht hat, waren auch unsere Mitarbeiter:innen kurzzeitig verunsichert. Durch viele Gespräche und großes Engagement konnte sich die Situation aber in Motivation umkehren. Ich verwende das Wort „stolz“ selten, aber ich bin wirklich stolz, dass die Verbundenheit so groß ist und spreche ein großes Kompliment an unsere Mitarbeiter:innen aus.

Welche Rolle spielt dabei die Tatsache, dass Sie ein Familienunternehmen sind?
C: Das macht uns aus. Fast alle unsere Mitarbeiter:innen standen hinter dem Betrieb, aber auch hinter der Geschäftsführung. Es sind Leute zu mir gekommen, die auf ihre Gehaltsbestandteile verzichten wollten, wenn dafür ihre Kolleg:innen bleiben können. Wir mussten diese Karte Gott sei Dank nicht ziehen, aber das ergreift mich heute noch.

Viele VWler sind stolz auf ihren Arbeitgeber. Glauben Sie, dass es bei Ihnen ein ähnliches Wir-Gefühl gibt und Ihren Mitarbeitenden wichtig ist nicht bei irgendeinem Autohändler, sondern bei Block am Ring zu arbeiten?
C: Ich glaube, die Marken und unser Name spielen eine große Rolle.
L: Das erkennen Sie schon an den selbstgeschneiderten Masken mit BMW und Mini Logo (lacht).

Inwieweit hat sich die Covid19-Pandemie finanziell bei Ihnen niedergeschlagen?
C: Natürlich merken wir als Block am Ring-Gruppe die Pandemie auch monetär. Die großen Sorgen zu Anfang, konnten durch ein positives Ergebnis aber wieder in Motivation für das Geschäftsjahr 2021 umgewandelt werden. Auch wenn die Situation für die Automobilindustrie sehr herausfordern ist, sind wir gut aufgestellt und werden uns vergrößern. Die Einschränkungen, beispielsweise in nicht durchführbaren Probefahrten in 2020, haben es uns aber nicht leicht gemacht.

Fahrräder, Motorräder, im Hintergrund sogar ein Auto und ganz vorn wacht ein Hund! So sah es auf dem Hof der Reparaturwerkstatt Block vor etwa 100 Jahren aus. Foto: Block am Ring.

Da klingt Kritik am Föderalismus mit …
L: Die Verhältnismäßigkeit hat oft nicht gestimmt. Liegen Sie aufgrund einzelner Größenkriterien der Definition nach über einem mittelständischen Unternehmen, sind Sie kaum noch förderungsberechtigt. Ich persönlich hätte mir gewünscht, dass die Verbände der einzelnen Branchen Handlungsleitfäden für Ihre Unternehmen entwickeln. Denn nur diese haben Kenntnis über das operative Geschäft.
C: Ich habe mich schriftlich bei unserem Ministerpräsidenten Stephan Weil beschwert, bis heute allerdings keine Antwort erhalten. Bei uns steht keiner Schlange für ein Auto und in unserem Unternehmen gab es Masken als Jens Spahn noch sagte, Masken seien nicht wichtig. Ich bin wirklich sauer, wir hätten Vater Staat nicht so lange auf dem Portemonnaie gelegen und sehr viel schneller aus der Kurzarbeit gekonnt. Ich glaube, dass wir in der letzten Zeit durch die vielen CO₂-Diskussionen kaum noch eine Lobby haben in der Autobranche.

Hat die Automobilbranche in dieser Hinsicht ein Imageproblem?
L: Ich habe neulich im Fernsehen die Reklame eines Waschmittelherstellers gesehen, der sagt, wie viel CO₂ man umgerechnet in Autos beim Waschen mit kaltem Wasser spart. Ich wüsste nicht, aus welchem Grund nur die Automobilindustrie jetzt Maßstab für das Einsparen von CO₂ ist. Man sollte dabei auf gar niemanden zeigen, denn wir müssen alle einsparen. Unsere Branche ist der Buhmann in einer Debatte, in der es um etwas ganz anderes geht. Auch die Mobilität durch neue Antriebe braucht eine gut durchdachte Einführung in den Markt. Wenn man Studien hochrechnet und Expert:innen befragt, wäre es das schlimmste, wenn plötzlich alle elektrisch fahren und das allerschlimmste für jede Wirtschaft, wenn keine Autos mehr existieren würden.

Ist das ein Thema über alle Automobilhersteller hinweg?
L: Tesla ist etwas außen vor. Andererseits schießt Musk Touristen ins Weltall.

Das scheint ein emotionales Thema zu sein …
C: Natürlich. Es ist sehr wünschenswert wieder nüchtern und objektiv auf die Automobilindustrie zu schauen. Wir sind große Unterstützer unserer Klimaziele. Auf der anderen Seite sehen wir aber die Notwendigkeit des Automobils für Privat- wie auch Geschäftskunden. Deutschland darf seine „Made in Germany“ Branchen nicht verlieren und sollte wieder stolz auf diese sein. Gerade unsere Region mit dem zweitgrößten Automobilhersteller ist stolz auf unser Mobilitätsangebot.

Sie sind neben Ihrer Arbeit viel auf Netzwerkveranstaltungen unterwegs. Ist das privates Vergnügen und berufliche Passion?
C: Das ist sicher nicht immer nur Vergnügen. Wir engagieren uns bei Eintracht Braunschweig, das mache ich als Fan von Herzen gerne, habe dort aber oft auch das Netzwerk, um Autos zu verkaufen. Aber ich bin beispielsweise auch im Vorstand der Volksbank BraWo Stiftung, damit ich über meinen Tellerrad schauen kann. Meine gesellschaftliche Verpflichtung endet nicht
im Geschäft.

Wie oft verkaufen Sie tatsächlich am Stehtisch Autos?
C: Der Bierdeckel, auf dem ein Auto gekauft wird, ist natürlich seltener. Aber der Grundstein wird häufig außerhalb des Autohauses gelegt.

Drei Generationen im Verkaufsraum an der Gifhorner Straße: Klaus, Claudia und Luca Block. Foto: Holger Isermann.

Ist das eine Rolle, in die Sie, Herr Block, auch schon reingewachsen sind oder kümmern Sie sich erstmal intern um die Themen?
C: Luca hat noch ganz andere Zielgruppen, die uns sehr helfen und an die ich gar nicht rangekommen wäre.
L: Sicherlich bin ich da sehr ähnlich wie meine Mutter, auch wenn sich unsere Zielgruppen etwas unterscheiden Ich spreche mit Kontakten aus früheren Stationen, Sportler:innen oder Musiker:innen. Aber es macht mir Spaß, in Ihre Fußstapfen zu treten.

Lassen Sie uns konkret über diese Mengen sprechen. Wie viele Autos verkaufen Sie im Jahr?
C: Etwa 1.500 Neu- und genauso viele Gebrauchtwagen. Wir dürfen an dieser Stelle das Motorrad nicht vergessen, da es mit über 250 Maschinen auch ein wichtiger Bestandteil unserer Unternehmensgruppe ist.

Können wir über den Umsatz sprechen?
C: Wir sind im dreistelligen Millionenbereich.

Wer sind Ihre Kund:innen?
C: Im Automobilhandel gibt es keine Fokussierung mehr. Von Kleinwagen bis hin zu Limousinen oder SUVs beraten und betreuen wir jegliche Kund:innen. Natürlich sind ein Großteil davon Gewerbekund:innen.

Welche Rolle spielt der Mini als Marke?
L: Top Marke! Macht einen Riesenanteil aus. Außerdem sind wir selbst Fans. Und Sie haben nirgendwo Mitarbeiter:innen, die so stark für eine Marke brennen. Um die Mini-Perfomance mache ich mir in diesem Jahr keine Sorgen.

Ernst & Young geht davon aus, dass bis 2025 die Hälfte der Autohändler vom Markt verschwunden sein könnten: „Das lukrative Flottengeschäft übernehmen immer mehr die Autobauer selbst. Den Gebrauchtwagenhandel steuern Plattformen im Internet.” Was entgegnen Sie?
L: Ich bin fest davon überzeugt, dass Ernst & Young ansatzweise Recht hat. Aber ich glaube nicht, dass das bis 2025 passieren wird. Natürlich ist durch das Internet die preisliche Vergleichbarkeit gestiegen, aber wir haben über viele Jahre loyale Kund:innen gewonnen und im deutschen Markt besteht ein Interesse an persönlicher Betreuung. Auch das Flottengeschäft ist für uns wichtiger Bestandteil. Und den Online Aufschwung nehmen wir durch unseren Omni-Chanel-Ansatz gut mit. Der stationäre Handel wird nicht untergehen, er wird sich vielmehr auf wenige Händler und größere Autohäuser konzentrieren.

Dynamisch seit eh und je: Kurt Block mit einem NSU Sport im Jahr 1925. Foto: Block am Ring.

Was tun Sie dafür, damit Sie weiterhin zu den Wachsenden gehören und nicht als Übernahmekandidaten gefressen werden?
L: Wir stehen mit BMW sehr gut im Austausch. Für den Konzern sind Argumente wie Nachfolge und Strategie wichtig. Aktuell sprechen wir über eine Vergrößerung, um diverser aufgestellt zu sein.
C: Ab Juli dieses Jahres werden wir in Hildesheim Hyundai in unser Portfolio mit aufnehmen. Dieser Marke trauen wir viel zu. Außerdem glauben wir, dass das kein Konkurrent von BMW ist, sondern das Geschäft beleben wird.

Sonst war Block am Ring immer BMW …
C: Block am Ring ist BMW und Mini. Die Unternehmensgruppe wird zum Mobilitätsanbieter. Wir stellen uns breiter auf und bieten jedem Interessent:innen der Region ein Mobilitätsangebot.

Hyundai ist ein klassischer VW-Mitbewerber in den unteren Klassen wie Polo oder Golf – ein Vernunftauto …
C: Für mich ist BMW auch ein Vernunftauto.

Wobei ein BMW-Fahrer wahrscheinlich mehr Wert auf die Marke legt als ein Hyundai-Fahrer, der in erster Linie mobil sein möchte, oder?
L: Wir sind stolz auf unsere Marken BMW und Mini. Emotional fahren wir ja zweigleisig: Elektromobilität und Vollperformance. Und da emotionalisiert Hyundai mit dem I30N Nürburgring Edition genauso.

Klaus Block gesellt sich zu dem Gespräch hinzu.

Welche Bedeutung kommt Emotionalität beim Autofahren in einer Welt, in der Mobilität stark durch Nachhaltigkeitsdebatten rationalisiert wird, überhaupt noch zu?
L: Jeder, der schon mal ein Elektroauto gefahren hat, weiß, dass das höchst emotional sein kann.
Klaus Block: Gestern war in Monte Carlo ein Formel E Rennen.
L: Das ist ein guter Punkt. Man sieht die Zusprache für die Formel E bei Instagram und im Fernsehen. Nachhaltigkeit und Emotionalität schließen sich nicht gegenseitig aus.

Laut einer Studie der puls Marktforschung GmbH gehen die Händler in der Mehrheit davon aus, dass es am Preis liegt, wenn kein Verkauf zustande kommt. Die Kunden machen dafür aber in erster Linie unfreundliche und unseriöse Verkäufer verantwortlich. Wie gut ist Ihre Verkaufsmannschaft?
L: Unsere Verkaufsmannschaft ist unglaublich motiviert. Natürlich gibt es bei 270 Mitarbeitenden immer auch eine Diva. Aber am Ende ist es eine Mischung: Die Kund:innen, die loyal sind, überzeugen Sie mit Emotionalität und Freundlichkeit vom Produkt. Und natürlich gibt es diejenigen, die nur über den Preis gehen und irgendwo kaufen, weil sie es dort für zwei Euro günstiger kriegen.
C: Und wir freuen uns über jeden, der zu uns kommt.

Die Unternehmenszentrale von Block am Ring. Foto: Block am Ring.

Das heißt, Geld spielt keine Rolle und jeder wird gleichbehandelt?
L: Natürlich. Es ist doch jedem bewusst „Beurteile das Buch nicht nach seinem Cover“.

„Die alten Korridore der Modellabgrenzung gibt es nicht mehr“, haben Sie, Frau Block, vor drei Jahren gegenüber der Braunschweiger Zeitung gesagt. Was unterscheidet die Marken dann überhaupt noch voneinander?
C: Ach, wenn Sie mich vor fünf oder zehn Jahren gefragt hätten – damals wollten wir mit dem Siebener in die S- und Daimler Benz in die Einser-Klasse. Die Korridore gibt es längst nicht mehr.

Nur der Bus fehlt noch …
C: In meiner Zeit in München wurde ich ausgelacht, als ich anmerkte, dass es gar keinen Siebensitzer gibt. Und heute haben wir mit dem X7 einen Siebensitzer, der eine große Zielgruppe hat. Oder auch einen X5 Hybrid in dem man alles hat, Platz und Nachhaltigkeit. Aber ich finde es super schade, dass wir keinen schnittigen BMW-Bus verkaufen können.

Wenn Sie sich ein Auto eines anderen Herstellers aussuchen könnten, das Sie gerne noch in Ihrem Sortiment hätten, wäre es der VW-Bus?
C: Nein, der Porsche 911.
L: Ja, dafür bin ich auch.

Das heißt, wenn niemand hinschaut, fahren Sie privat auch mal Porsche?
C: Selbstverständlich nicht. Aber wir nehmen des Öfteren Autos in Zahlung und neulich ist das ein 911 gewesen. Und da könnte es schon sein, dass wir einmal eine Runde damit fahren müssen, um zu gucken, ob der Wagen auch wirklich in Ordnung ist (lacht). Ganz ehrlich, wenn wir nicht zugeben würden, dass das ein tolles Auto ist, dann wären wir keine Auto-Freaks. Aber wenn Sie mich fragen, was ich gerne fahre, wäre das ein M4. Oder auch einen Mini.
K: Mein Lieblingsauto ist der M5.
C: Du hast noch einen ganz alten, in einem super Zustand.
K: Den hat noch Alexander Freiherr von Falkenhausen gebaut. Der war damals Chef von der BMW Motorsport.
L: Für mich ist es der M3. Dafür steht BMW und der darf gerne einen Spoiler haben. Sonst gerne einen Elektro-Mini.

Aber Schnelligkeit ist schon wichtig?
C: Ja. Wir fahren schließlich nicht rückwärts.

Auch die Marke Mini spielt in den Zukunftsplänen des Unternehmens eine große Rolle. Foto: Block am Ring.

Unsere Region wird traditionell vom Wolfsburger Volkswagen-Konzern dominiert. Wie schwer ist es, die Marke BMW am hiesigen Markt zu positionieren und zu behaupten?
C: Leicht ist es nicht, weil viele von VW abhängig sind.
L: Ich finde das eigentlich gar nicht so schlecht. Es ist eine Chance, sich individuell aufzustellen, denn den Golf sieht man häufig, den BMW 128Ti nicht.
C: Ein anderes Thema ist die Konkurrenz um Fachkräfte. Ein derart bekannter Arbeitgeber macht es uns nicht einfach.

Sie haben sich mit Ihrer Rolle hier in der Region scheinbar gut arrangiert …
C: Auch nach 125 Jahren stellen wir uns gern der Herausforderung (lacht). Wir sind Fans unserer Produkte und freuen uns, diese in der Region zu vertreiben.
L: Die Region 38 wäre auch nie so finanzstark, würde es diesen Arbeitgeber nicht geben. Davon profitieren wir. Ob der Mann der angestellten VW-Mitarbeiterin oder umgekehrt dann doch ein

BMW-Fan ist, oder zumindest beim Motorrad auf uns zukommt – unsere Region kann sich nur diese Premium-Hersteller leisten, weil VW hier ist.
Was wäre Ihre abschließende Botschaft?
L: Dass wir 125 Jahre feiern. Und ja, Corona ist eine Herausforderung, aber da hatten wir schon ein paar in den 125 Jahren.
K: Allerdings.
L: Wir drei sitzen hier, weil wir glauben, dass wir sehr gut für die nächsten Jahre aufgestellt sind.
C: Absolut!

„Wir sind beide
Alphatiere …“ Foto: Holger Isermann.

Also: Wir sind noch länger hier?
K: Eine Frage an Sie: Wie finden Sie es denn, dass Ihnen hier drei Generationen Block gegenübersitzen?

Das ist natürlich ein Rollenwechsel, aber es ist wirklich ein tolles Bild!

 

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