17. Dezember 2020
Entscheider

„Wir sind ein Familien­betrieb und keine Maschinerie“

Seit Anfang des Jahres führen Marc Fabian und Tobias Döhring gemeinsam mit Helge Frobese das Autohaus Lauber in Braunschweig

Seit Anfang des Jahres führen Marc Fabian und Tobias Döhring gemeinsam mit Helge Frobese das Autohaus Lauber in Braunschweig. Foto: Siri Buchholz.

Im Konferenzraum zwischen Werkstattlärm und Tastaturklimpern aus den Verwaltungsräumen des Autohaus Lauber treffen wir das Geschäftsführer-Trio Helge Frobese und die Brüder Marc Fabian und Tobias Döhring. Bürohund Caspar bellt nervös, bis ihn ein Leckerchen friedlich stimmt und er sich schlafen legt. Tobias Döhrings ständiger Begleiter ist das neue Umfeld wohl noch nicht gewohnt – lange sind die Geschäftsführer nämlich noch nicht vor Ort. Rückwirkend zum Jahresbeginn steht die Übernahme, jedenfalls auf dem Papier. „Wir haben das Autohaus Lauber übernommen und gefühlt zwei Wochen später kam die Pandemie“, erinnert sich Marc Fabian Döhring. Aus Vorsicht entscheiden sie, das Autohaus und die Standorte in Haldensleben und Rautheim aus der Helmstedter Filiale des Autohaus Döhring heraus zu führen und nicht, wie normalerweise, zwischen den Niederlassungen zu pendeln. So bleiben die Büros der Geschäftsführung in Braunschweig vorerst leer.

Startschwierigkeiten
Es ist kein einfacher Beginn für das Trio. „Nicht nur, weil wir den Standort übernommen haben und dann gar nicht ins Gebäude kamen, sondern auch weil das Team natürlich vor der Situation stand, die neuen Inhaber kennenlernen zu wollen“, sagt Marc Fabian Döhring, der für den Kundendienst, die Werkstatt und den Service zuständig ist. Das Team und die persönliche Note sind den Geschäftsführern wichtig – und auch, dass die Mitarbeitenden trotz der Übernahme und der schwierigen wirtschaftlichen Situation ihre Stellen behalten können.
Das gilt ebenso für die Kunden. „Bei uns sind sie nicht bloß Nummern, sondern werden mit Namen begrüßt. Wir sind ein Familienbetrieb und keine Maschinerie“, sagt Marc Fabian Döhring. „Wir legen großen Wert darauf, dass unsere Kunden nach einer Anfrage schnellstmöglich persönlich kontaktiert werden“, ergänzt Frobese, der gemeinsam mit Tobias Döhring die Verwaltung und den Vertrieb betreut. Mit dem Wechsel an der Spitze werde sich bei der Kundenbetreuung nichts ändern. „Jedoch setzen wir auf Modernisierung, interne betriebliche Abläufe werden durch neue EDV-Strukturen ersetzt. Aber das Große und Ganze wird nicht groß angefasst“, so Marc Fabian Döhring. „Es ist ein gut laufendes Autohaus. Wir wären ja verrückt, wenn wir das einmal komplett ändern würden“, fügt er hinzu und lacht.
Obwohl der Service während der akuten Corona-Zeit besser lief denn je, haben die Geschäftsführer mit mehr Startschwierigkeiten zu kämpfen als bloß der fehlenden Präsenz. „Wir hatten ein lokales Verkaufsverbot. Quasi über Nacht durften wir keine Kunden mehr empfangen – das war wirklich eine große Herausforderung“, erinnert sich Tobias Döhring. „Der Vorteil für uns war, dass wir ohnehin schon immer stark digital gearbeitet haben – das haben wir während der akuten Corona-Zeit gut gebrauchen können.“

Oldtimer im Autohaus
Mittlerweile haben sich die Brüder Döhring gut eingelebt. Auch das Geschäft nähert sich langsam wieder dem Normalzustand – schleppend, aber sicher. „Es war zwar sehr sportlich, in diesem Jahr mit den ganzen weltwirtschaftlichen Voraussetzungen, aber trotz alledem haben wir unsere Entscheidung überhaupt nicht bereut und sind hier auch sehr offen von den Mitarbeitern aufgenommen worden“, sagt Tobias Döhring.
Zum holprigen, aber dennoch guten Start trägt auch Frobeses 27-jährige Expertise im Autohaus Lauber bei. Bereits seit 1993 im Unternehmen und seit 2019 Geschäftsführer, ergänzt er mit seinen bereichsübergreifenden Erfahrungen das „Autohaus-Blut“, das in Döhrings Adern fließt. „Wir arbeiten im Autohaus Döhring mittlerweile in der vierten Generation“, erzählt Tobias Döhring. „Schon meine Kindheit und auch meine Jugend habe ich im Autohaus verbracht. Nach der Schule bin ich oft mit in den Betrieb gekommen und erst abends mit meinen Eltern nach Hause gegangen.“ Sein Bruder ergänzt: „Man kann wirklich sagen, wir sind Autohaus-Kinder von A bis Z.“

Synergieeffekte
Kein Wunder also, dass sie angeben, die komplette Mobilität abbilden zu können. „Im Werkstattbereich bieten wir alles rund ums Auto – von der Glühlampeneinstellung bis hin zur Inspektion und der Reparatur“, sagt Marc Fabian Döhring. Das gilt auch für den Vertrieb: „Vom Leihwagen bis zum Auto, das zum Geldbeutel passt, bieten wir alles an“, ergänzt Tobias Döhring. Dabei liegt der Schwerpunkt auf EU-Neufahrzeugen. Der Verkauf von Autos aus dem europäischen Wirtschaftsraum sei dabei ihr Alleinstellungsmerkmal – denn die Preisvorteile könnten direkt an die Kunden weitergegeben werden. „Wir bieten alle Modelle an, die es von Ford gibt“, sagt Frobese. „In den letzten Jahren ist in unserem Unternehmen auch der Jungwagenmarkt sehr stark ausgebaut worden. Jetzt sind wir dabei, dass unsere Standorte von den anderen profitieren können. Das heißt, dass wir das Autohaus Lauber neben den EU-Wagen auch stärker mit Jungwagen bestücken wollen und genauso an den anderen Standorten auch EU-Fahrzeuge anbieten“, erklärt Tobias Döhring. Die Synergien bestehen damit nicht nur zwischen den Geschäftsführern und deren Expertise, sondern auch zwischen den verschiedenen Standorten des Familienunternehmens Döhring.

Zukunftssicher
Auch für zukunftsträchtige Themen wie die E-Mobilität ist das Unternehmen gerüstet. „Vom kleinen Fiesta Mild-Hybrid bis zum Ford Mustang Mach-E haben wir alle Fahrzeuge. Das Autohaus Lauber ist der einzige Ford-Elektro-Händler in Braunschweig. Das spricht eigentlich für sich“, so Frobese. Durch Investitionen wolle man das Thema zukünftig noch weiter vorantreiben.
„Wir sind dabei, an all unseren Standorten Ladesäulen zu errichten. Die Pläne stehen schon, jetzt muss nur noch der Spaten in der Hand genommen werden. Außerdem haben alle Teams aus unseren Werkstätten bereits Lehrgänge besucht, die sie für die Elektromobilität brauchen“, ergänzt Marc Fabian Döhring. „Wir sind flexibel und wendig. Wir sind nicht so groß, dass wir wie ein Tankschiff zu lange bräuchten, um zu wenden.“ Die Geschäftsführer sind sich sicher, zukunftssicher aufgestellt zu sein.

Ford oder Pferd
Um sich den Zukunftsthemen der Automobilindustrie oder aber den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie zu stellen, verbringen die Geschäftsführer oft zehn Stunden am Tag im Betrieb – auch samstags. „Wichtig ist da aber der private Ausgleich – da ticken wir alle gleich“, sagt Frobese. Ist er nicht im Ford unterwegs, verbringt Frobese seine freie Zeit gerne mit dem Pferd. Gemeinsam mit seiner Tochter und seiner Frau geht er ambitioniert Reiten.
„Wir sind mit Leib und Seele Familienväter“ sagt Tobias Döhring über seinen Bruder und sich. „Aber, wenn Herr Frobese reiten geht, dann bin ich bei der Feuerwehr.“ Auch Marc Fabian Döhring lässt den Ford in der Freizeit stehen und steigt auf das Motorrad um – Auto fahren die Drei aber trotzdem gerne.

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