„Im Tresor nur das Nötigste“

Die reichsten Deutschen verfügen über 696,6 Milliarden Euro

Platz 196 im Reichen-Ranking des Magazins Bilanz: Friedrich Knapp, Alleininhaber von New Yorker. (Foto: Christian Göttner)

Wann ist man reich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten. Eine lautet: „Wenn man bequem von den Zinsen seines Vermögens leben kann“. Dafür genügt heute jedoch eine Million nicht mehr, man muss schon ein paar Millionen besitzen. Andere Antworten hat Journalist Dennis Gastmann. Für sein investigativ-informatives Buch „Geschlossene Gesellschaft – Ein Reichtumsbericht“ (Rowohlt) begab er sich dafür in eine Parallelwelt der Millionäre und Milliardäre und untersuchte dort „welche Rolle Geld spielt, wenn Geld keine Rolle mehr spielt. Und was Reichtum mit dem Kopf und mit dem Herzen macht“. Eine charmante Expedition in die Hautevolee. Launig, entlarvend, lesenswert.

Fakt ist: In den 50er Jahren war eine Million unerreichbar. 1960 wurde die Zahl der Millionäre in Deutschland auf 140.000 geschätzt, 1978 waren es bereits 217.000 und 1998 schon 1,5 Millionen. Durch den Euro relativierte sich die Zahl der Millionäre zwar wieder, aber mit gut einer Million Wohlhabenden liegt Deutschland weltweit noch immer auf Rang drei hinter den USA und Japan. Ein aktuelles Ranking der „500 reichsten Deutschen“ stellte kürzlich das Wirtschaftsmagazin Bilanz zusammen und errechnete, dass sich deren „Geld und Gut auf 614,95 Milliarden Euro summiert. Rechnet man die Habschaft der 13 wohlhabendsten Großfamilien in Höhe von 81,65 Milliarden Euro noch hinzu, verfügt die hiesige Vermögenselite über 696,6 Milliarden Euro. In praktisch allen Fällen ist dieser Besitz fast zu seiner Gänze in Unternehmen, Immobilien oder zunehmend auch Kunstsammlungen gebunden. Im Tresor findet sich nur das Nötigste.

Viele Familien haben zudem Stiftungen eingerichtet, die dem Wohle der Verwandtschaft dienen, steuersparend wirken und ein Unternehmen vor dem Verkauf oder Zugriff durch andere bewahren sollen“.

Auf Platz 1 der Bilanz-Liste der „500 reichsten Deutschen“ thronen Maria-Elizabeth und Georg Schaeffler aus Herzogenaurach. Sie sind Eigentümer der Schaeffler AG und eines großen Teils des Hannoveraner Autozulieferers Continental und sollen ein Vermögen von 21,5 Milliarden Euro angehäuft haben. Auf den Plätzen 2 und 3 folgen die Familien der Aldi-Brüder Karl Albrecht, der im Juli dieses Jahres verstarb, und dessen Bruder Theo Albrecht jr., die über 18 sowie 16 Milliarden verfügen sollen. Viele bekannte und weniger bekannte Unternehmer und Familien folgen, aber erst auf Rang 196 taucht endlich mal ein Name aus unserer Region auf: Friedrich Knapp. Der Alleininhaber der Braunschweiger Young-Fashion-Kette New Yorker herrscht nicht nur über mehr als 1.000 Filialen in 39 Ländern und hat circa 16.000 Angestellte, sondern soll auch 650 Millionen Euro besitzen. Auf Platz 249 befindet sich Florian Rehm, der 55 Prozent der Gesellschafter-Anteile an der Wolfenbütteler Mast-Jägermeister SE hält und über 500 Millionen Euro verfügen soll. Dem Kräuterlikör hat auch Susan Buschke, der 30 Prozent des Jägermeister-Konzerns gehören, ihr Vermögen zu verdanken: 300 Millionen Euro.

War es das schon mit den Reichen und Mächtigen in unserer Region? Natürlich nicht. Bilanz listet die deutsch-österreichische Familie der Porsche und Piechs, deren „Einlage bei der VW AG eine Höhe von 50,73 Prozent erreicht“, auf Platz 1 „der reichsten Sippen des Landes“ mit 23,5 Milliarden Euro. Die Frage „Wann ist man reich?“ stellt sich ihnen nicht. Eine sympathische Antwort gibt jedoch Professor Dr. h. c. Reinhold Würth, internationaler Marktführer in der Befestigungs- und Montagetechnik mit 66.000 Mitarbeitern, im Buch „Geschlossene Gesellschaft“. Der schwäbische Schraubenkönig, auf Rang 10 mit 8,1 Milliarden Euro gelistet, vermeldet: „Wissen Sie, das Geld isch eigentlich irrelevant. Zettele sind das. Nur Geldscheine.“ Na denn.

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