10. April 2020
Finanzmarkt & Immobilien

Zahlen, Daten, Fakten

Auf dem Weg in eine datenbasierte Personalgewinnung

Foto: Privat.

Als eines der führenden Marktforschungsinstitute im Bereich Arbeitsmarkt beschäftigt sich das Trendence Institut jedes Jahr intensiv mit den Trends und Veränderungen in den Bereichen Personalgewinnung, -bindung und -entwicklung. Weit über 100.000 Menschen aus den unterschiedlichsten Zielgruppen und Altersschichten werden allein in Deutschland befragt, um Erkenntnisse für Unternehmen, aber auch Institutionen und andere am Arbeitsmarkt beteiligte Parteien zu gewinnen. In den vergangenen Jahren hat dieser Bereich enorm an Bedeutung gewonnen und jedes Jahr wird deutlicher, dass zunehmend mehr Unternehmen ohne eine professionelle Lösung rund um Personal-Themen nicht mehr wettbewerbsfähig sein werden. Professionalisierung heißt in der heutigen Zeit vor allem auch, dass man sich datenbasierter Ansätze bedient. Basierend auf den erhobenen Daten untermauern Unternehmen ihre Thesen und arbeiten zielgerichteter beispielsweise in der Rekrutierung. Seit einigen Jahren wird der Weg in Richtung People Analytics durch Unternehmen eingeschlagen. Der neumodische Begriff beinhaltet im Wesentlichen, dass man mit Daten, die einem zur Verfügung stehen und mit Daten, die man zusätzlich erhebt oder einkauft, Entscheidungen vorbereitet und untermauert und dies eben auch im Personalmanagement.
Ein weiterer großer Mega-Trend unserer Zeit spiegelt sich ebenfalls in dem Umfeld Arbeitsmarkt wider. Wir erfahren eine immer stärkere Individualisierung und Regionalisierung. Der bundesweite Blick hilft stets, die großen Trends des Arbeitsmarktes zu erfassen, die sich dann teilweise auch in den regionalen Arbeitsmärkten abbilden. Der Blick in die Regionen ist vor allem für den Mittelstand wichtig, um auf die regionalen Gegebenheiten bzw. Besonderheiten einzugehen. Die Studie 100aus38 ist ein wunderbares Fenster auf die sehr wertvollen Daten einer interessanten Region. Übergreifende Trends finden in Teilen ihren Weg in die Rankings und bieten im Gesamtbild entscheidende Informationen für lokal agierende Unternehmen.

Die Stärkung des öffentlichen Sektors

Auf bundesweiter Ebene zeichnet sich dieser Trend bereits seit zwei Jahren ab. Angefangen bei den Schülern hat sich der Trend des öffentlichen Sektors sukzessive durch die Zielgruppen bis zu den Berufserfahrenen gearbeitet.
Der öffentliche Sektor bzw. der Wunsch nach einer Tätigkeit, die Sinn stiftet, was wiederum mit diesem Sektor in Verbindung gebracht wird, tritt beispielsweise auch in der Wahl der Idole vieler Schüler in Erscheinung. Eine Emma Watson oder Greta Thunberg waren hier im vergangenen Jahr weit oben auf den Plätzen. Sie stehen für ein ökologisches Denken und verkörpern ein neues Bewusstsein der Sinnhaftigkeit, welchem viele nachwachsende Generationen folgen.
Mit tatsächlich drei Arbeitgebern aus dem Bereich Gesundheit (AWO Psychiatriezentrum Königslutter, AWO Bezirksverband Braunschweig e.V. und Städtisches Klinikum Braunschweig GmbH) unter den ersten 20 Arbeitgebern in der Region 38 scheint das Herz der Region nicht ausschließlich für die Produktion zu schlagen. Es entspricht nicht dem bundesweiten Trend des öffentlichen Sektors, doch das Bild der Unternehmen der Gesundheitsbranche zwischen den Produktionsbetrieben spricht eine ähnliche Sprache. Ebenso sticht die Mast-Jägermeister SE hervor, die es sogar unter die Top 10 geschafft haben. Bundesweit kann man von einem Aufschwung des Handels in bestimmten Zielgruppen sprechen, wenngleich sich dieser in der Region 38 nur in einem Unternehmen manifestiert. Dennoch zeigt die erste Draufsicht, dass der Produktions-Ruf der Region durchaus durchbrochen werden kann.

Recruiting ist eine Frage der Strategie

Das Ranking ist lediglich ein erster Indikator für die Rekrutierung. Die Positionierung des eigenen Unternehmens sollte mit weiteren Daten in Relation gebracht werden. So ist der Branchenvergleich nochmals spannend, da man sich zu ähnlichen Unternehmen positioniert. Beispielsweise führt im Bereich Öffentlicher Sektor die Stadt Braunschweig, gefolgt von vom Luftfahrt-Bundesamt und der Technischen Universität Braunschweig. Diese Information kann wertvoller sein, als die Positionierung im gesamten Ranking. Abseits der Branche können weitere Cluster gebildet werden, um schließlich auch bestimmte Zielgruppen in die Betrachtung einfließen zu lassen. Nicht immer sind die Konkurrenten aus Sicht der Unternehmen und aus Sicht der Zielgruppen deckungsgleich.
Es geht um Einordnung. Die Daten helfen Unternehmen dabei, Situationen einzuordnen und zu bewerten. Aus dieser Perspektive heraus Rekrutierung zu betreiben, heißt, sich strategisch mit der Rekrutierung auseinanderzusetzen und auf diese Weise zu professionalisieren. Hier holen immer mehr Unternehmen zügig auf. Krankenhäuser hinterlassen teilweise auf Bundesebene Spuren wie das Klinikum Dortmund. Durch unermüdliche Recruiting Aktivitäten auf einem hohen innovativen Niveau und den Mut wirklich Neues zu wagen, hat sich das Klinikum einen Ruf und eine Reputation erarbeitet. Auch im 100aus38 Branchenvergleich finden wir im Segment Gesundheit unter den Top 10 bereits einige Krankenhäuser. Der Deep Dive in die Daten wird im Einzelfall spannend und bringt dann die Antworten, die gesucht werden auf den Punkt.
Die eindimensionale Betrachtung von Rankings wird Unternehmen in ihrer Rekrutierung nicht sofort weiterbringen. Erst nach der Kombination mit weiteren Informationen oder einer genaueren Betrachtung des Rankings wird eine Basis geschaffen, die es ermöglicht, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

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