„Die Entscheider unserer Zukunft sind die Studierenden“

25 Jahre Welfenakademie. Das ist ein Grund zum Feiern – und für einen kurzen Rückblick. Wir sprachen mit Dr. Jens Bölscher und Joachim Roth über die Geburtsstunde, Krise und Zukunft der regionalen Bildungseinrichtung

Dr. Jens Bölscher und Joachim Roth . Foto: Paul Grumer

Dr. Jens Bölscher und Joachim Roth . Foto: Paul Grumer

Herr Bölscher, Herr Roth, ein Vierteljahrhundert Welfenakademie. Was war Ihr persönliches Highlight der letzten Jahre?

Bölscher: Es ist schwer, ein einzelnes Highlight hervorzuheben. Eigentlich sind es 1.500 Highlights – nämlich unsere Studierenden, die seit der Gründung erfolgreich ihr Studium absolviert haben.

Roth: Mich beeindruckt immer wieder das soziale Engagement unserer Studierenden. Wir haben vor ein paar Jahren einen Gemeinwohl-Preis ausgeschrieben, für den sich die Studierenden im ersten Jahr bewerben können. Und was die alles machen – irre gut! Außerdem beteiligen sich 18 Studierende an dem Projekt Jung und Engagiert.

Vor welchem Hintergrund wurde die Akademie 1993 gegründet?

Bölscher: Die Idee kam von Seiten lokaler Unternehmen, die sagten: ‚Wir brauchen ein Studium, das noch stärker auf die Praxis vorbereitet‘. Nicht die Förderung von Wissenschaftsnachwuchs, sondern von Karrieren in Unternehmen sollte im Mittelpunkt stehen. Sie haben uns dann private Mittel zur Verfügung gestellt, aus denen wir gegründet wurden. Eine staatliche Förderung gab es damals und auch heute nicht.

Die Niederlassung in einem Kloster war ja eher außergewöhnlich …

Roth: In Braunschweig gab es zu der Zeit keine räumlichen Möglichkeiten – man hat deshalb geschaut, wohin man ausweichen konnte. Dann kam man auf die Region Goslar und das Kloster Wöltingerode in Vienenburg.

Wieso zog die Akademie 12 Jahre später nach Braunschweig?

Bölscher: In Braunschweig gab es mehr Anbindungen und die Erreichbarkeit besserte sich deutlich. Auch die Unternehmen waren von diesem Schritt überzeugt.

Roth: In Zusammenarbeit mit der Stadt Braunschweig entwickelte die Akademie die Raumplanung für dieses Gebäude, ein Investor wurde als Generalunternehmer eingeschaltet und 2006 konnte der Betrieb in der Salzdahlumer Straße aufgenommen werden.

Welche Unternehmen waren an der Gründung beteiligt?

Roth: Federführend waren dabei die Volksbank und die Nord/LB, aber auch einige Mittelständler.

Wie wurde das duale Konzept damals angenommen?

Roth: Da wir mit 32 Studierenden aus 16 Unternehmen aus dem Nichts angefangen haben, gehe ich davon aus, dass die Unternehmen das gut angenommen haben. Über die ganzen 25 Jahre, das haben wir mal ermittelt, hatten wir etwa 160 Partnerunternehmen.

Bölscher: Aber es war auch anstrengend. Das Produkt, das so eine private Akademie anbietet, gibt es an den staatlichen Einrichtungen erst einmal kostenlos. Wir finanzieren uns über eine Studiengebühr – das funktioniert nur, wenn wir eine gewisse Qualität bieten. Die Unternehmen übernehmen einen Teil dieser Gebühren und zahlen ihren Studenten auch eine Ausbildungsvergütung. Das Geld würden sie nie investieren, wenn es sich nicht lohnen würde. Darum bieten wir unseren Studierenden auch die Möglichkeit, bereits während des Studiums zusätzliche Abschlüsse zu erlangen, z.B. einen Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf oder die Ausbildereignungsprüfung.

Vor zehn Jahren steckte die Welfenakademie trotzdem in einer Krise …

Roth: Da ging es uns wirtschaftlich rundum nicht sehr gut und wir brauchten dringend einen Neuanfang. Dass wir es damals geschafft haben, mit einem neuen Vorstand und Geschäftsführer aus diesem Tief herauszukommen, ist ein großer Erfolg, auf den alle Beteiligten sehr stolz sein können.

Inwiefern profitieren Unternehmen von einem Dualen Studium?

Bölscher: Wir orientieren uns am Bedarf der Praxis. Wir bilden keine Wissenschaftler aus, sondern setzen andere Schwerpunkte. Das macht auch das Studium anspruchsvoller. Wir müssen die Produkte kennen, die die Unternehmen brauchen. Das erfordert enge Zusammenarbeit. Aber für unsere Partner zahlt sich das aus: Die Studierenden sind schnell im Unternehmen integriert und kennen dessen Kultur. Sie wissen, wie die Firma wirtschaften muss und brauchen nach ihrem Abschluss keine Eingewöhnungsphase.

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