und
5. November 2020
Impulse

Auf dem Weg zur neuen Vision

New Work Eine Kolumne von Nadine Nobile & Sven Franke

Nadine Nobile und Sven Franke. Foto: Nils Hasenau.

Nadine Nobile und Sven Franke. Foto: Nils Hasenau.

Doris S., Inhaberin – Mein Mann und ich tragen seit Monaten unsere neue Vision ins Unternehmen. Bei jeder Gelegenheit teilen wir unser Bild von der Zukunft. Unser Führungsteam macht aber einfach so weiter wie bisher. Auf Kopfnicken folgt oft wenig später eine Aktion, die zeigt, dass unsere Vision nicht mitgetragen wird. Nicht mehr lange und uns reißt die Hutschnur.

Sven Franke: Das Verhalten Ihrer Führungskräfte ist in vielen Organisationen beobachtbar, wenn es um Veränderungen geht. Oft wird in diesem Zusammenhang von der Lehmschicht gesprochen, welche die Transformation ausbremst – oder um beim sprachlichen Bild zu bleiben – nicht durchlässt. Mein Eindruck ist vielmehr, dass die Führungskräfte nicht aktive Verhinderer sind. Vielmehr mutieren sie zu einer Lähmschicht, weil sie handlungsunfähig sind. Führungskräfte sind dort, wo sie sind, weil sie in der Vergangenheit etwas richtig gemacht haben. Und in der Veränderung verlangen wir nun, dass sie das loslassen lassen, was sie in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat. Ganz schön hart, eigentlich. Und dieser Härte müssen wir uns bewusst sein.

Nadine Nobile: Deshalb dürfen wir die Handlungsfähigkeit nicht mit Handlungsunwille verwechseln. Der fehlende Wille ist oft das Ergebnis der Handlungsunfähigkeit und nicht umgekehrt. Was soll man auch anderes tun, wenn einem die Handlungsstrategie fehlt. Denn selbst, wenn die Vision verstanden wurde, heißt es nicht, dass der Weg dorthin erkennbar ist. Vor allem dann nicht, wenn man sonst nach Schema F vor geht und nun – oh Schreck – das Risiko eingehen soll zu scheitern. Hinzu kommt bei vielen Führungskräften der Glaube, Probleme alleine lösen zu müssen. Ganz ehrlich, wer sucht schon freiwillig nachts alleine den Weg durch einen Wald, den er nicht kennt.

Sven Franke: Ja, da liegt eine der Hauptursachen für die Lähmung. Die Menschen wissen einfach nicht, wie sie sicher und trocken auf die andere Seite des Flusses kommen. Nun kam man entweder so lange den Fluss abschreiten und darauf hoffen, dass irgendwo eine Brücke ist oder der Fluss so schmal wird, dass man drüber springen kann. Doch das wird bei der Umsetzung einer neuen Vision nie eintreten. Denn eine Vision ist immer mit Unsicherheiten, Irrwegen und Fehlschlägen verbunden. Das heißt, nass wird man auf jeden Fall. Die Frage ist nur, wie man möglichst sicher rüberkommt. Das kann einer alleine nicht schaffen, dafür braucht es eine Gruppe, die entweder gemeinsam eine Brücke baut – oder zumindest eine Menschenkette bildet, um alle sicher auf die andere Seite zu bringen.

Nadine Nobile: Das bedeutet konkret gesprochen: Investieren Sie Zeit um Brücken zu bauen. Aber nicht allein, sondern gemeinsam mit Ihrem Führungsteam und weiteren Mitarbeitenden. Wie würde ein erster Schritt hin zur Vision aussehen? Welche konkreten Veränderungen bedarf es? Welche Kompetenzen müssen aufgebaut und welches alte Wissen verlernt werden? Wie wollen Sie konkret mit Rückschlägen umgehen? Festigen dabei das Vertrauen darauf, dass ein Scheitern nicht zum Gesichtsverlust führt. Und schaffen Sie einen Erfahrungsraum, der getragen wird von einem offenen Dialog, der ihre gemeinsamen Antworten erfahr- und erlebbar macht.

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