„Bis Mitte der 90er Jahre spielte die Optik keine große Rolle“ - Standort38
11. Juli 2019
Impulse

„Bis Mitte der 90er Jahre spielte die Optik keine große Rolle“

Lars Kroschke, Inhaber und Geschäftsführer der Klaus Kroschke Holding, im Interview

Foto: Kroschke sign-international GmbH

Wie sahen die Anfänge der Arbeitsschutzkleidung aus und welche Meilensteine gab es?

Die Anfänge der Arbeitsschutzkleidung gehen weit zurück. Bereits im 17. Jahrhundert wurden zum Beispiel Arbeitsschürzen von Bergleuten getragen. Ein Meilenstein war sicherlich auch die Industrielle Revolution. Neue Arbeitsbereiche entstanden, neue Verletzungsgefahren kamen hinzu, robuste Kleidung war gefragt und diente beispielsweise den Minenarbeitern zum Schutz. Bei Bauern und Handwerkern war im 19. Jahrhundert dann die Jeans voll im Trend. Ab dem 20. Jahrhundert ging der Schutz der Arbeiter immer mehr in den Verantwortungsbereich der Unternehmen über. Der Arbeitgeber war jetzt in der Pflicht, Arbeitsschutzkleidung zu stellen.

Inwiefern haben sich Schnitte und Designs verändert?

Früher lag der Schwerpunkt auf „Hauptsache sicher“. Bis Mitte der 90er Jahre spielte die Optik keine große Rolle. Erst danach nahm der modische Aspekt Fahrt auf und die Nachfrage an Mehrfarbigkeit und verschiedenen Schnittvarianten stieg. Außerdem war die Arbeitsschutzkleidung für Damen über Jahrzehnte hinweg nicht erhältlich. Die Entwicklung ging von „Notlösung“ Herrenlatzhose hin zu speziellen Damenhosen.

Hat sich das Bewusstsein für Sicherheit im Berufsleben gewandelt?

Eine sehr gute Frage! Sicherlich wurde mit den Jahren immer mehr für die Sicherheit im Berufsleben getan. Statistiken zeigen jedoch, dass die Arbeitsunfälle jährlich steigen. Dagegen gehen die Betriebskontrollen der staatlichen Arbeitsschutzbehörden seit Jahren zurück. Wenn man das mal näher betrachtet, sieht man, dass jeder Betrieb nur alle 30 Jahre überprüft wird.

Welche Bedeutung kommt Arbeitsschutzkleidung heute zu?

Arbeitshosen und Arbeitsjacken dienen nicht mehr nur als Schutz oder Reflektor, Arbeitsschutzkleidung soll auch das Unternehmen repräsentieren. Es geht um das Thema individuelle Corporate Identity. Unternehmen wollen aus der Masse herausstechen, unverwechselbar sein. Entsprechende Arbeitskleidung spielt bei der Außendarstellung eine zentrale Rolle.

Welche Trends zeichnen sich ab?

Bei der jungen Generation bekommt der modische Aspekt viel mehr Gewichtung als die Funktionalität. Die Trends gehen weiter in Richtung Ergonomie, leichte, atmungsaktive und flexible Stoffe. Die Latzhosen werden weniger und der Markt für Damenserien wächst.

Gerade in vielen ländlichen Regionen ist ein regelrechter Hype um Arbeitsbekleidung entstanden, so tragen Kinder beispielsweise Engelbert Strauss …

Engelbert Strauss hat früh erkannt, dass Mode, Attraktivität und Arbeitsbekleidung eine gute Kombination ist – gepaart mit dem richtigen Marketing wurde daraus eine bekannte Marke und Arbeitskleidung zu einem modischen Statement.

Welche Produkte sind besonders gefragt?

Unsere Erfahrung zeigt, dass ein besonders großer Bedarf an Sicherheitshandschuhen und Sicherheitsschuhen besteht.

Wie wird sich Arbeitsschutzkleidung in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Smarte Arbeitsschutzkleidung wird weiter den Markt erobern! Elektronik, Funktechnik und drahtlose Kommunikation bieten bereits heute spannende Anwendungsmöglichkeiten: Kleidung mit aktiver Kühlfunktion, eingenähte Mikrokontroller mit Mini-Displays, die falsche Handgriffe erkennen, mit RFID-Chips ausgestatte PSA, die beispielsweise zeigt, wer die Baustelle ohne Helm betritt. Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten, wir dürfen gespannt sein. Auch was das Thema Datenschutz betrifft. Außerdem wird das Thema Nachhaltigkeit eine immer größere Rolle spielen. Das Schonen von Ressourcen und faire Arbeitsbedingungen bei der Herstellung werden bei Käufern immer mehr zum wichtigen Auswahlkriterium.

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