Bleiben oder gehen? - Standort38
und
7. Oktober 2020
Impulse

Bleiben oder gehen?

Der berufliche Neuanfang

Viele Arbeitnehmer fühlen sich im falschen Job gefangen und haben innerlich längst gekündigt. Illustration: pch.vector - www.freepik.com.

Den Großteil unseres Tages verbringen wir bei der Arbeit. Dabei sind viele Arbeitnehmer gefangen im falschen Job und haben innerlich längst gekündigt – emotional gebunden an das Unternehmen, in dem sie arbeiten, fühlen sich die wenigsten. Ganze 41 Prozent der Fachkräfte sind unzufrieden, immer mehr Menschen wagen einen beruflichen Neuanfang. Gerade in der Logistik- und Medienbranche sind Quereinsteiger willkommen. Aktuelle Studien zeigen, welche Städte sich für einen Quereinstieg eignen, wie viele Arbeitnehmer tatsächlich neu anfangen möchten und in welchen Branchen sie sich Besserung erhoffen …

Informiert bleiben
81 Prozent der befragten Fachkräfte informieren sich regelmäßig über den aktuellen Stellenmarkt. Dazu arbeiten nur 40 Prozent in dem Berufsfeld, auf das sie sich ursprünglich spezialisiert haben.

Dauerhafter Karrierebegleiter
Drei Viertel der Befragten können sich vorstellen, einen Beruf auszuüben, der nicht zu ihrer Ausbildung passt. Und das nicht nur einmalig: 76 Prozent der Quereinsteiger würden einen weiteren Neuanfang nicht ausschließen.

Ingenieure & IT
Bereits 38 Prozent aller Arbeitnehmer arbeiten heute in einem Beruf, der nicht ihrer ursprünglichen Ausbildung entspricht. Vor allem Arbeitnehmer, die aufgrund ihrer Ausbildung vorerst festgelegt scheinen, sind offen für einen Wechsel: 68 Prozent der Ingenieure geben an, auch als solche zu arbeiten, jedoch würden sich ganze 86 Prozent von ihnen auch vorstellen können, sich in einem neuen Berufsfeld auszuprobieren. So auch in der IT-Branche: Fast zwei Drittel (64 Prozent) arbeiten in ihrer Branche, 78 Prozent von ihnen haben Interesse an einem neuen Job.

Quereinsteiger-Branchen
Mit 58 Prozent ist der Anteil an Quereinsteigern in der Logistik-Branche besonders hoch, ebenso in der Medienbranche (54 Prozent). Auch in der Wirtschaft und der Verwaltung gibt es mit 40 Prozent einen hohen Anteil an Quereinsteigern. Am geringsten ist dieser Anteil in der Naturwissenschaft (18 Prozent), in der jedoch drei Viertel einen Wechsel für denkbar halten.

Quereinsteiger-Städte
In Mönchengladbach richten sich fast 10 Prozent aller ausgeschriebenen Stellenangebote an Quereinsteiger. Dicht gefolgt von Braunschweig und Münster, wo in 7,6 und 7,2 Prozent der Stellenangebote ein Berufseinstieg ohne spezifische Vorkenntnisse möglich ist. In den deutschen Millionenstädten hingegen richtet sich nur ein kleiner Teil der Stellenanzeigen an Quereinsteiger, so in Köln nur 2,2, in München 2,3 und in Hamburg 2,6 Prozent.

Innerlich gekündigt
Fast sechs Millionen Arbeitnehmer in Deutschland (16 Prozent) haben innerlich schon gekündigt. 650.000 von ihnen sind bereit für einen Wechsel und bereits aktiv auf der Suche nach einem neuen Job. Bloß 15 Prozent haben eine hohe emotionale Bindung an ihr Unternehmen.

Gehaltsunterschied
Bei 24 Prozent der Befragten verdienen Quereinsteiger nicht so viel wie ihre Kollegen mit der gleichen Stelle.

Aller guten Dinge sind vier
Durchschnittlich 16 Prozent aller Fachkräfte waren bereits in mehr als drei Branchen tätig.

Gründe für einen Neuanfang
Insgesamt sind 41 Prozent der Fachkräfte mit ihrem Job unzufrieden – das liegt vor allem an den Arbeitsinhalten, dem Gehalt und der Organisationsstruktur. 91 Prozent der Befragten sehen ihre persönliche Entwicklung als oberste Priorität und nehmen das zum Anlass, ein neues Berufsfeld zu suchen, in dem mehr Entwicklungschancen vorhanden sind. 90 Prozent geben außerdem die Jobsicherheit als wichtigen Grund an. Aber auch die Vereinbarkeit mit Gesundheit, Partnerschaft, Familie, Sport und Karriere sind Aspekte, die zu Unzufriedenheit und einem Jobwechsel führen können.

Personalersicht
Für Personaler ist der erste Grund für die Berücksichtigung von Quereinsteigern die Kompetenz und die Berufserfahrung. Jedoch berücksichtigen 23 Prozent der befragten Personaler die Bewerbungen von Quereinsteigern auch, weil sie ihnen sympathisch sind, bei 16 Prozent überzeugt das Motivationsschrieben.
Für 53 Prozent der befragten Personalverantwortlichen sind außerdem passende Zusatzqualifikationen und Weiterbildungen im Lebenslauf wichtig. Auch Treue zu einem vorherigen Arbeitgeber ist für 45 Prozent der Personaler ausschlaggebend – um einen möglichen weiteren Wechsel zu vermeiden.

Statements

Malte Schumacher
Philantropie-Berater

Malte Schumacher,
Philantropie-Berater. Foto: Privat.

Im Anschluss an mein Geschichts- und Germanistikstudium habe ich zunächst in diesem Bereich mein Geld verdient. Als dann das Angebot kam, in einer gemeinnützigen Stiftung zu arbeiten, musste ich nicht lange überlegen. Die thematische Spezialisierung erschien mir in vielerlei Hinsicht reizvoll und zukunftsfähig. Natürlich musste ich mich in neue Fragestellungen einarbeiten, aber gerade das macht doch Spaß.

 

 

Florian Schulz
Selbstständig als Entwickler von Organisationen, Persönlichkeiten und Projekten

Florian Schulz,
Selbstständig als Entwickler von
Organisationen, Persönlichkeiten
und Projekten. Foto: Privat.

Als Ingenieur war ich viele Jahre als Führungskraft in der Energie- und Kraftwerksbranche tätig. 2019 habe ich den Schritt gewagt und mich als Entwickler für Organisationen und Persönlichkeiten selbstständig gemacht. Die Freiheit war ein wichtiger Aspekt, der mich motiviert hat. Hinzu kam die Unzufriedenheit im Angestelltenverhältnis. „Love it, change it or leave it.“Aber ich musste auch lernen Geduld zu haben. Manche Gelegenheiten ergeben sich, ohne dass man suchen muss. Was mich regelmäßig neu herausfordert, sind Buchhaltung, Steuererklärung und ähnlicher Bürokratismus sowie eine richtige Werbe-Strategie. Bei allem hilft mir zu wissen: ich bin nicht alleine!

 

 

Andreas Kirchner
Experte für Informationssicherheit bei der abat AG

Andreas Kirchner,
Experte für Informationssicherheit bei der abat AG. Foto: Privat.

Ich bin 18 Jahre lang bei einem Zuliefer-Unternehmen in der Automobilindustrie gewesen: vom IT-Systemadministrator, über den IT-Leiter bis zum Verantwortlichen für IT-Sicherheit. Die Sicherheit war schon immer ein Schwerpunkt. 2017 habe ich schließlich bei meinem Unternehmen gekündigt und bin nun als Berater und Auditor tätig. Nach 18 Jahren fällt eine Kündigung nicht so leicht, aber meine Entwicklung zum Experten für IT-Sicherheit, die Marktsituation und die Lust auf etwas Neues waren einfach zu groß. Die Herausforderung ist es, ständig neue Menschen und Unternehmenskulturen kennenzulernen. Darauf einzugehen und gemeinsam zum Ziel zu kommen, sind sehr befriedigend. Dazu kamen dann bald Kunden im Ausland: ob Budapest, London oder Thessaloniki war mir ganz egal: Hauptsache international. Da ich privat auch viel reise, erfüllt mich das sehr.

 

 

Sven Heide
Bootsservice-Heide

Sven Heide, Bootsservice-Heide. Foto: Privat.

Ich komme aus der KFZ-Branche und habe den Sprung in die Bootsbranche gewagt. Nachdem ich 2016 alles erreicht hatte, was man als Mechaniker erreichen kann, brauchte ich eine neue Herausforderung. Deshalb habe ich den Bootsservice-Heide eröffnet. Die Bootsbranche ist mein Hobby. Ich bin mit einem eigenen Boot und der Freude und Arbeit daran aufgewachsen. Es ist allerdings eine Herausforderung neben einer Vollzeitstelle noch eine Firma aufzubauen.

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