Brand!

Employer Branding: Was wünschen sich Fach- und Führungskräfte von Ihren Arbeitgebern wirklich und inwieweit werden diese Bedürfnisse erfüllt?

Illustration: emojoez/Fotolia

Manchmal scheint es so, als ob Mitarbeiter sich erst in der jüngsten Vergangenheit zu Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Bedürfnissen entwickelt haben und Personal- viele Jahre lang vor allem Geldmanagement war. Die eigenen Fach- und Führungskräfte motivierten Chefs demnach erfolgreich mit einer Gehaltserhöhung oder einem größeren Firmenwagen – ausschließlich. Dieses Bild wird gerade Vertretern des New Work gern überzeichnet, um so die Bedeutungsverschiebung von monetären zu kulturellen Motivationsfaktoren zu unterstreichen.

Richtig ist, dass Unternehmen heute in vielen Branchen stärker um qualifizierte Mitarbeiter kämpfen müssen, als diese um einen Job. Und wer umworben wird, hat es leichter, seine vielfältigen Interessen zu kommunizieren und durchzusetzen. Ein attraktives Gehalt gehört selbstverständlich weiterhin dazu, nur ist damit der Wunschzettel längst noch nicht zu Ende. Die diversifizierten Bedürfnisse, die mittlerweile an Unternehmen herangetragen werden, dürften neben einem gesellschaftlichen Kulturwandel auch auf eine einfache Angebots-Nachfrage-Logik unserer Marktwirtschaft zurückzuführen sein. Wer Mitarbeiter finden und dauerhaft ans eigene Unternehmen binden möchte, sollte diese deshalb zunächst einmal ernst nehmen und wissen, was sie sich wünschen.

Nur so lässt sich schließlich eine Arbeitsumgebung schaffen, die Produktivität und Innovation fördert sowie eine Abgrenzung von Mitbewerbern ermöglicht. Wir haben im Rahmen der 100aus38-Studie Fach- und Führungskräfte aus der Region nach ihren Erwartungen und danach gefragt, wie wichtig die einzelnen Aspekte bei der Wahl eines Arbeitgebers sind. In einem zweiten Schritt konnten die Teilnehmer bewerten, inwieweit das jeweilige Bedürfnis beim aktuellen Arbeitgeber erfüllt ist. Hier lassen sich konkrete Handlungspotenziale ableiten. Denn je größer der Unterschied zwischen der Erwartung und der Zufriedenheit von Mitarbeiter ist, desto dringender sollten die Unternehmen aktiv werden. Außerdem haben wir über den Tellerrand geschaut und nationale wie internationale Studien zum Thema gewälzt. Zusätzlich zu unserer eigenen Befragung, präsentieren wir jeweils die Top-3-Bedürfnisse aus den Ergebnissen anderer Arbeitnehmerstudien.

 

1. Wer sind eigentlich diese „Arbeitnehmer“?

Bereits in der ersten Veröffentlichung zu unserer 100aus38-Studie in der Dezember-Ausgabe von Standort38 haben wir die Befragungsteilnehmer charakterisiert. Jetzt schauen wir noch genauer hin und können sagen, dass viele begehrte Fach- und Führungskräfte dabei sind. Ein Großteil von ihnen stammt aus der IT (20,7 %), der Automobilbranche (17,2 %) oder dem Handel (10,5 %). 75 Prozent haben mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, fast die Hälfte der Befragten sind bereits 15 Jahre oder länger im Job. Außerdem haben mehr als 60 Prozent der Teilnehmer Projekterfahrung, fast die Hälfte hat Personalverantwortung und etwa jeder Dritte Verantwortung für Budgets sowie verhandlungssichere Englischkenntnisse.

 

 

2. Was ist Mitarbeitern bei der Wahl eines Arbeitgebers wichtig?

Trotz der wachsenden Bedeutung von kulturellen Faktoren wie Chancengleichheit oder einer guten Work-Life-Balance ist die Bezahlung Mitarbeitern weiterhin sehr wichtig. Für die Wahl eines Arbeitgebers wird ein faires Gehalt neben der Kollegialität und Wertschätzung der eigenen Arbeit zum entscheidenden Kriterium. Aber auch auf die Sicherheit der Anstellung, die konkreten Aufgaben und Potenziale für die persönliche Weiterentwicklung legen Mitarbeiter besonderen Wert. Weniger wichtig sind die Innovationskraft, das eigentliche Produkt sowie das mit der Arbeit zusammenhängende Prestige oder ein internationales Umfeld des Arbeitgebers.

Quelle: Arbeitnehmerbefragung 100aus38, 2018
Quelle: Arbeitnehmerbefragung 100aus38, 2018

 

3. Wie bewerten Mitarbeiter Ihren aktuellen Arbeitgeber?

Die Befragungsteilnehmer sind mit ihren Arbeitgebern ausgerechnet bei den Aspekten unzufrieden, die ihnen selbst besonders wichtig sind. Vor allem bei Wertschätzung, Gehalt, Führungsstil und persönlichen Entwicklungschancen haben die Unternehmen größeren Handlungsbedarf. Number Chrunchers aufgepasst: Vier Bedürfnisse aus den Top fünf der genannten Themen betreffen die Unternehmenskultur und sind damit nicht direkt mit Kosten verbunden. Hier steckt also wirklich Potenzial für ein erfolgreiches Employer Branding, ohne dass die Ausgabenseite explodiert. Gleichzeitig wird die eigene Organisation durch einen Kulturwandel besser auf die Anforderungen der Zukunft vorbereitet. Wer sich auf den Weg macht, hat also die Chance sowohl das eigene Unternehmen zu stärken als auch die Mitarbeiter mitzunehmen. Die Erwartungen der Mitarbeiter hinsichtlich des eigenen Produktes, des Prestiges, Unternehmensstandorts sowie des internationalen Umfeldes werden dagegen übererfüllt.

Quelle: Arbeitnehmerbefragung 100aus38, 2018
Quelle: Arbeitnehmerbefragung 100aus38, 2018

 

 

Grafik: Standort38

 

^