12. Februar 2021
Impulse

CAI, TCA, TTIP

Wir haben die wichtigsten Handelspartner Deutschlands und das aktuelle politische Verhältnis genauer beleuchtet …

Deutschlands wirtschaftliche Stärke beruht zu einem wesentlichen Teil auf globaler Vernetzung. Deshalb sind für die Unternehmen (außen-)politische Entscheidungen besonders relevant, denn sie rahmen das wirtschaftliche Handeln beispielsweise durch den Zugang zu Märkten, Subventionen oder Zölle.
Das gilt übrigens nicht nur für die nationale Perspektive und international agierende Konzerne und Großunternehmen aus unserer Region, wie die Volkwagen, Salzgitter oder Nordzucker AG, Siemens, Bosch, New Yorker, die Schnellecke Group, Jägermeister oder Alstom. Auch zahlreiche KMUs machen längst große Teile ihres Geschäftes im Ausland – ob der Großküchenhersteller MKN aus Wolfenbüttel, oder die Braunschweigische Maschinenbauanstalt.
Wir haben die wichtigsten Handelspartner Deutschlands und das aktuelle politische Verhältnis genauer beleuchtet …

USA

China ist zwar insgesamt der wichtigste Handelspartner der Bundesrepublik, beim Export allein sind aber die USA mit Gütern im Wert von 118,7 Milliarden Euro auch 2019 wieder ganz vorn. Auf den zwar leicht gesunkenen, aber immer noch massiven Handelsüberschuss von 47,3 Milliarden Euro hat Ex-Präsident Donald Trump immer wieder mit markigen Twitterposts in Richtung Angela Merkel reagiert. Schließlich sind die Verhandlungen über die Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (TTIP) Anfang 2017 zum Erliegen gekommen. Auch wenn verschiedene Wirtschaftsvertreter, etwa BGA-Präsident Anton Börner, eine Neuaufnahme der Verhandlungen nach der Amtsübernahme durch Joe Biden anregen, dürfte sich zwar der Ton erkennbar von seinem Vorgänger unterscheiden, aber wohl weniger dessen Haltung zum wirtschaftlichen Missverhältnis zwischen den USA und Deutschland. Neben dem Fahrzeug- ist übrigens der Schiffsbau mit stolzen 29 Prozent des Gesamtvolumens derzeit die wichtigste niedersächsische Branche für den Export in die Vereinigten Staaten.

EU

Seit der Einführung im Jahr 1993 ist der EU-Binnenmarkt, mit einem Marktzugang zu mehr als 500 Millionen Menschen und einem Bruttoinlandprodukt (BIP) von zuletzt 16,4 Billionen Euro im Jahr 2019, einer der größten Wirtschaftsräume der Welt. Nach zahlreichen Wachstumsschüben durch Erweiterungen der EU, führt der Austritt Großbritanniens jetzt erstmalig zu einem Rückgang bei Bevölkerung und Wirtschaftsleistung. Das Ergebnis des wohl beispiellosen Rosenkriegs zwischen der britischen Regierung und der EU nennt sich EU-UK Trade and Cooperation Agreement (TCA) und ist kein knallharter, aber auch beileibe kein butterweicher Brexit. Der Handel zwischen Großbritannien und den Mitgliedern der EU wird komplizierter, was beispielsweise Auswirkungen auf die Lieferketten der Automobilproduktion in unserer Region hat. Aber – jedes Abkommen ist besser als keines: So lässt sich der Kommentar aus dem Volkswagen-Konzern zusammenfassen: Das angekündigte Abkommen zwischen der EU und Großbritannien schaffe Planungssicherheit für den Konzern und seine britische Marke Bentley Motors, erklärte das Unternehmen. Auch der niedersächsische Mittelstand hat sich auf den Ausstieg der Briten aus der Zollunion und dem Binnenmarkt vorbereitet. „Das zahlt sich jetzt offenbar aus“, sagte Europaministerin Birgit Honé nach einem Treffen mit Unternehmensvertretern im Januar. „Viele Menschen und Unternehmen haben vorgebaut, sodass der Übergang überwiegend glimpflich verlief. Trotzdem bleibe ich bei meiner Einschätzung: Beim Brexit verlieren auf Dauer beide Seiten.“

China

Im Jahr 2019 wurden Waren im Wert von 206,0 Milliarden Euro zwischen Deutschland und China gehandelt. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, war die Volksrepublik damit im Jahr 2019 zum vierten Mal in Folge Deutschlands wichtigster Handelspartner. Und auch im Corona-Jahr profitiert die Wirtschaft der Bundesrepublik von der schnellen Erholung im Reich der Mitte – vor allem die Autoindustrie und Maschinenbauer, aber auch Hersteller von Luxusgütern. Volkswagen etwa verkauft mittlerweile vier von zehn Autos in China, sodass einige Wirtschaftsforscher eine zu große Abhängigkeit von dem Land attestieren, das politisch schwer einzuschätzen ist und andere Werte teilt, als die westlichen Industrienationen. Immerhin: Nach sieben Jahren haben die EU und China die Verhandlungen zum Investitionsabkommen CAI (EU-China Comprehensive Agreement on Investment) abgeschlossen. Dies soll zukünftig beispielweise Asymmetrien beim Marktzugang, Defizite im Rechtsschutz und wettbewerbsverzerrende staatliche Subventionen abbauen.
China ist längst nicht mehr nur ein Markt, sondern in immer mehr Branchen auch Mitbewerber. Das bekam in den vergangenen Jahren besonders die deutsche Stahlbranche – in der Region die Salzgitter AG – zu spüren, weil Billigstahl aus Fernost den Weltmarkt überschwemmte. Mehr als die Hälfte der 50 größten Stahlkonzerne sind heute in chinesischer Hand, die Volksrepublik produziert über 60 Prozent des Werkstoffes und verweigert bisher Gespräche über einen Abbau der Überproduktion oder faire Wettbewerbsbedingungen.

 

Die USA vor Frankreich und China …
Die größten Handelspartner Deutschlands für den Export 2019

Vereinigte Staaten 118.680.14.000 €
Frankreich 106.563.521.000 €
Volksrepublik China 95.983.949.000 €
Niederlande 91.528.399.000 €
Vereinigtes Königreich 79.166.170.000 €
Italien 67.886.694.00 €
Österreich 66.076.262.000 €
Polen 65.837.053.000 €
Schweiz 56.345.020.000 €
Belgien 46.242.857.000 €
Tschechische Republik 44.463.868.000 €

China, die Niederlande und die USA
Die größten Handelspartner für Deutschlands Import 2019

Volksrepublik China 110.054.162.000 €
Niederlande 97.816.180.000 €
Vereinigte Staaten 71.334.115.000 €
Frankreich 66.199.400.000 €
Polen 57.615.493.000 €
Italien 57.100.280.000 €
Tschechische Republik 47.669.863.000 €
Schweiz 45.823.544.000 €
Österreich 44.059.218.000 €
Belgien 43.048.570.000 €
Vereinigtes Königreich 38.396.525.000

 

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