Der Metropolist

Wir haben Kai Florysiak in seinem Büro im Bahnhofsviertel der Landeshauptstadt besucht und nachgefragt – wozu es die Metropolregion eigentlich braucht, wie viele Abendtermine er wirklich in seinem Kalender stehen hat und warum KI nicht nur in der Mobilität, sondern auch in der Gesundheit Potenzial besitzt

Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg. Foto: Holger Isermann

Kai Florysiak, Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg. Foto: Holger Isermann

Die Metropolregion ist überall. Dieser Satz dürfte Kai Florysiak gefallen und er ist selbst nicht ganz unbeteiligt daran, dass er zumindest hier gilt. Denn wer sich häufiger auf Abendveranstaltungen und Netzwerktreffen in der Region herumtreibt, kann sich relativ sicher sein, dass er dem Braunschweiger dort über den Weg läuft. Florysiak ist viel unterwegs, sicht- und greifbar. Er fällt durch konsensuale Wortbeiträge auf und durch einen weiten Blick über Grenzen hinweg. Denn als Geschäftsführer der Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg ist er Handlungsreisender für ein durchaus erklärungsbedürftiges Konstrukt – ohne großes Team, aber mit ebensolchen Visionen im Kopf.

Wir haben den 42-Jährigen in seinem Büro im Bahnhofsviertel der Landeshauptstadt besucht und nachgefragt – wozu es die Metropolregion eigentlich braucht, wie viele Abendtermine er wirklich in seinem Kalender stehen hat und warum KI nicht nur in der Mobilität, sondern auch in der Gesundheit Potenzial besitzt.

EIN VEREIN WIRD ERWACHSEN

Die Geburtsstunde der Metropolregion schlägt nach der Expo im Jahr 2000, als zunächst die Oberbürgermeister der Städte Hannover, Braunschweig und Celle eine Initiative für mehr Zusammenarbeit starten und den Metropolregion e.V. gründen. Seit zehn Jahren ist der Verein eine GmbH und hat das Ziel, ein Gebiet aus 14 Landkreisen, der Region Hannover und und 4 kreisfreien Städten international sichtbarer zu machen – zum Beispiel mit dem jährlichen Gemeinschaftsstand auf der Expo Real in München, Europas größter Investitions- und Immobilienmesse. Immerhin rund 3,9 Millionen Menschen leben in dem Gebiet zwischen Hannover, Braunschweig, Göttingen und Wolfsburg – aber das allein macht noch keine Metropolregion aus. Die Entscheidungs- und Repräsentationsfunktion ist durch die Landesregierung sowie zahlreiche Verbände und Kammern genauso erfüllt, wie mit dem internationalen Flughafen und bedeutenden Messen, die Gateway- und Marktplatzfunktion. Außerdem haben hier weltweit führende Forschungseinrichtungen und Unternehmen ihren Sitz.

RAUM OHNE KLAMMER?

„Der Begriff ist übrigens kein Marketingprodukt, sondern ein Titel, der offiziell beantragt werden muss – und zwar bei der Ministerkonferenz für Raumordnung“, erklärt Kai Florysiak. Dass der größer gefassten Region die natürlich gewachsene Klammer fehlt, muss auch er eingestehen. „Wir sind nicht München oder Berlin und der dazugehörige Speckgürtel“, genau genommen bestehe die Metropolregion aus drei Räumen mit einer eigenen Geschichte: Hannover, das Braunschweiger Land und Südniedersachsen. Florysiak, selbst leidenschaftlicher Fan und Stadiongänger, deutet auf die blau-gelbe Kaffeetasse in seiner Hand und ahnt wohl die nächste Frage. Natürlich sei Fußball ein wichtiges Thema, „aber es sollte uns nicht von der Zusammenarbeit abhalten“. Und überhaupt – die angebliche und immer vorgetragene Braunschweiger Benachteiligung: „Lasst uns auf strategische Partnerschaften mit Hannover setzen und aufhören, zu lamentieren. Es geht nur gemeinsam.“ Haben das in seiner Heimatstadt denn wirklich alle verstanden? „Internationale Verhandlungspartner interessieren sich ohnehin nicht dafür, ob eine Einrichtung an der Leine, Aller oder Oker liegt.“

TESTFELD CHAMPIONS LEAGUE

Was alle drei Teilregionen verbinde, seien gemeinsame Projekte, wie das Testfeld Niedersachsen für automatisierte und vernetzte Mobilität, das sich zwischen Braunschweig, Wolfsburg, Salzgitter, Hildesheim und Hannover aufspannt. „Gerade beim Thema Mobilität spielen wir international ganz oben mit. Definitiv Champions League.“ Hier ist mit dem Schaufenster Elektromobilität auch das bisher größte Ausrufezeichen gelungen. 50 Millionen Euro Fördermittel des Bundes sind ab 2012 über drei Jahre in insgesamt 30 Projekte mit 200 Partnern geflossen. „Unsere Aufgabe war, in der gesamten Bandbreite zu zeigen, was möglich ist: Der erste E-Radschnellweg Deutschlands zum Beispiel, die größte kommunale Elektroflotte Europas oder das induktive Laden mit in Braunschweig eingesetzten Stadtbussen unter dem Namen Emil.“

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