8. Juli 2021
Impulse

Der Neandertaler als Künstler?

Neuer Fund aus der Einhornhöhle

Die Ausgrabungen im verstürzten Eingangsbereich der Höhle im Jahr 2019. Gut erkennbar sind die teilerodierte Südwand und die gut erhaltene Nordwand, während das Höhlendach verstürzt ist. Der verzierte Knochen fand sich in Erdschichten unter der Nordwand. Bildnachweis: J. Lehmann, © NLD

Forscher:innen der TU Braunschweig haben in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Unicornu fossile e.V. bereits seit 2019 neue Ausgrabungen an der Einhornhöhle im Harz durchgeführt. In diesem Rahmen gelang es erstmals im verkürzten Eingangsbereich der Höhle gut erhaltene Kulturgeschichte aus der Zeit der Neandertaler zu erschließen.

Nach der Entfernung des anhaftenden Erdreichs stellte sich ein gefundener Fußknochen als Sensation heraus. Er zeigt ein winkelartiges Muster aus sechs Kerben. . „Wir erkannten rasch, dass es sich nicht um Schlachtspuren, sondern eindeutig um eine Verzierung handeln muss“, sagt Grabungsleiter Dr. Dirk Leder vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege. Die eingearbeiteten Kerben konnten dann in der Abteilung Holzbiologie und Holzprodukte der Universität Göttingen mit 3D-Mikroskopie analysiert werden.

„Das hohe Alter des Neufundes aus der Einhornhöhle zeigt nun, dass der Neandertaler bereits Jahrtausende vor der Ankunft des modernen Menschen in Europa in der Lage war, Muster auf Knochen selbstständig herzustellen und wohl auch mit Symbolen zu kommunizieren“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Thomas Terberger vom NLD und vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. „Dies spricht für eine eigenständige Entwicklung der kreativen Schaffenskraft des Neandertalers. Der Knochen von der Einhornhöhle repräsentiert somit das älteste verzierte Objekt Niedersachsens und einen der bedeutendsten Funde aus der Zeit des Neandertalers in Mitteleuropa.“

Auch interessant