28. Mai 2019
Impulse

Desk Sharing & Co – Bürokonzepte und Arbeitsrecht

Spruchreif - die Rechts-Kolumne für Entscheider

Foto: privat

Liebe Follower,

früher war es der Mangel an Betriebsparkplätzen, der einen zum early bird werden ließ. Doch davon gibt es mittlerweile Steigerungen. Selbst wer mit den Öffis oder mit dem Radl anreist, muss sich sputen; denn nun sind auch die Tische und Stühle in Betrieben Mangelware geworden. Die arbeitsrechtlichen Aspekte moderner Bürokonzepte sind daher Gegenstand des heutigen Beitrags.

Herzlichst

Ihre Elke Fasterding

RA beim AGV Braunschweig

 

Es gibt vermehrt Firmen, die weniger Arbeitsplätze als Beschäftigte haben. Arbeitnehmer schnappen sich Laptop, Rollcontainer und Handy und können bzw. müssen ihren Arbeitsplatz täglich neu wählen. Kein Mitarbeiter hat mehr einen festen Schreibtisch. Die Auswahl des Arbeitsplatzes erfolgt durch Sichtkontrolle oder mittels eines Buchungssystems. Positiv formuliert nennt sich solch ein Konzept „ortsflexibles Arbeiten“ (flexible office), auch desk sharing genannt.

Bürogestaltung

Die Mitarbeiter haben keine „eigenen“, ihnen allein zugewiesenen Arbeitsplätze. Dabei werden insbesondere Tastaturen und Computermäuse nicht mehr individualisiert für jeden einzelnen Mitarbeiter zur Verfügung gestellt, sondern lediglich arbeitsplatzbezogen. Diese Konstellation erfordert auch ein ambitioniertes Ordnungsverhalten aller Beteiligten.

Firmen haben Einzelbüros, Großraumbüros, Besprechungsräume, Kaffeeecken, Rückzugsräume für stilles Arbeiten (Quiet – Rooms), Kundenzonen sowie Gemeinschaftsbereiche für Kollegengespräche. Und doch gibt es auch Leerstände durch Homeoffice, Urlaub, Krankheit, Dienstreisen und Fortbildungen.

Kein Anspruch auf bestimmten Tisch oder Stuhl

Die Wahl des Bürokonzepts ist grundsätzlich eine freie unternehmerische Entscheidung, die dem arbeitgeberseitigen Weisungsrecht gemäß § 106 Gewerbeordnung unterliegt. Der Arbeitnehmer hat keinen Anspruch auf einen bestimmten Schreibtisch oder bestimmten Stuhl (LAG Düsseldorf, 09.01.2018 – 3 TaBVGa 6/17). Umgekehrt kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer aber auch nicht einseitig quasi ins Homeoffice „versetzen“, da er unzulässig dessen Privatbereich in Beschlag nehmen würde.

Mitbestimmungsrechte

Wer einen Betriebsrat hat, muss gemäß § 90 Absatz 1 Nr. 4 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) den Betriebsrat rechtzeitig über die Planung und Gestaltung der Arbeitsplätze unterrichten. Daran schließt sich dann die Beratung nach § 90 Absatz 2 BetrVG an. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, sich die Auffassung des Betriebsrats anzuhören und sich mit ihr auseinanderzusetzen.

Bei intensiven baulichen Veränderungen kann es sich auch um einen Fall einer Betriebsänderung nach § 111 BetrVG handeln. Das hätte dann zur Folge, dass der Arbeitgeber einen Interessenausgleich über Inhalt und Folgen mit dem Betriebsrat versuchen muss. Ein Mitspracherecht des Betriebsrats kann sich auch unter dem Aspekt des Gesundheitsschutzes ergeben. Dabei wäre vorab im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung zu klären, inwieweit desk sharing trotz Reinigungsmaßnahmen vor Ort überhaupt konkrete Gesundheitsgefahren auslösen kann (BAG, 18.07.2017 – 1 ABR 59/15).

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