Die Brücke zur Wirtschaft

Der Braunschweigische Hochschulbund (BHB) feiert Geburtstag. 100 Jahre lang ist er bereits Partner der TU Braunschweig – stets mit dem Ziel, sie mit den Menschen und der Wirtschaft in der Region zu vernetzen.

Die ehemalige Löbbecke-Villa am Inselwallpark war von 1968 bis zum Verkauf im Jahr 2009 Gästehaus der TU Braunschweig. Foto: Vanellus Foto/Wikimedia

Die ehemalige Löbbecke-Villa am Inselwallpark war von 1968 bis zum Verkauf im Jahr 2009 Gästehaus der TU Braunschweig. Foto: Vanellus Foto/Wikimedia

Im vierten Kriegsjahr 1917 ist die Herzoglich-Technische Hochschule zu Braunschweig bereits 172 Jahre alt und steckt in einer existenziellen Krise. Karl der I. von Braunschweig hat das Collegium Carolinum 1745 – als zwischen Gymnasium und Universität angesiedelte Bildungseinrichtung gegründet – Carl Friedrich Gauß hier studiert, genauso wie später Heinrich Büssing. Jetzt fehlt es kriegsbedingt an vielem – Ressourcen, aber auch Wissenschaftlern und Studierenden. Die Regierung des Landes Braunschweig denkt zugunsten einer totalen Mobilmachung sogar über eine vollständige Schließung der Hochschule nach. Dazu kommt es zwar nicht, der Betrieb ist aber stark eingeschränkt.

Ziele, die noch heute gelten

In dieser Zeit entsteht unter ähnlichen Voraussetzungen gut 100 Kilometer südlich der Universitätsbund Göttingen. Der Braunschweiger Mathematikprofessor und Hochschulrektor Heinrich Timmerding ist von der Idee begeistert, über einen Verein Unterstützung zu organisieren. Auch der hiesige 3. März 1918 finden sich um viertel vor Zwölf in Zimmer acht des Altgebäudes fünf Professoren sowie Vertreter der Studierenden und Wirtschaft zur Gründungsversammlung zusammen. Der Braunschweigische Hochschulbund entsteht. Nur beim Mitgliedsbeitrag gibt man sich deutlich bescheidener als das Vorbild aus Göttingen, das stolze zehn Mark von den Förderwilligen verlangt. In Braunschweig sollen Mitglieder lediglich drei Mark zahlen, wenn sie die Hochschule unterstützen wollen. „Die damals festgelegten Ziele bestimmen auch heute noch die Arbeit des Braunschweigischen Hochschulbundes“, betont Christian Köcher. Er leitet die Geschäftsstelle in der Abt-Jerusalem-Straße und sieht weiterhin die Vernetzung zwischen aktuellen und ehemaligen Studierenden, sowie der Universität und regionalen Wirtschaft als Hauptaufgabe des Vereins: „Wir wollen die Carolo Wilhelmina und ihre Studierenden vor allem bei konkreten Projekten unterstützen.“ Dazu gehö- ren zum Beispiel Brückenkurse für Geflüchtete, die TU Night oder Einzelprojekte, wie das neue Gewächshaus für die Victoria-Seerose im Botanischen Garten.

Die Villa, die zur Belatung wird

Zwischenzeitlich betreibt der BHB sogar ein Erholungsheim in Ettenbüttel an der Aller
und ab 1962 für einige Jahre einen Reisebus, mit dem er Studierende zu Exkursionen fährt. 1968 übernimmt der Verein von der Stadt Braunschweig die durch einen Bombenangriff schwer beschädigte Villa Löbbecke am Inselwallpark und baut sie zusammen mit anderen Förderern und Stiftungen wieder auf. Seitdem dient sie mit ihren 18 Appartements als Gästehaus für Wissenschaftler aus aller Welt. Allerdings wird der Renovierungs- und Sanierungsbedarf nach der Jahrtausendwende immer größer und überfordert zunehmend die finanziellen Möglichkeiten des Vereins. Weil sich weitere Förderer nicht auftreiben lassen, verkauft der Hochschulbund 2009 notgedrungen das Gebäude für 700.000 Euro an den Immobilienentwickler Klaus Gattermann. Der Erlös fließt komplett in die bereits 1995 gegründete Stiftung des BHB, die me rere Deutschland-Stipendien und die Verleihung des Heinrich-Büssing-Preises finanziert. Der geniale Erfinder übernimmt übrigens bereits im ersten Verwaltungsrat des Hochschulbundes einen der Sitze für Wirtschaftsvertreter. Büssing hatte nach seiner Ausbildung als Schmied an der Braunschweiger Hochschule studiert und blieb ihr Zeit seines Lebens verbunden.

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