Die Friedensstifter

Das Seminar für Evangelische Theologie und Religionspädagogik an der Technischen Universität Braunschweig

Foto: gpointstudio – Fotolia

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Die Zukunft ist bunt – seit Jahren nimmt die Heterogenität an Schulen zu. Das sorgt nicht nur immer wieder für Konflikte zwischen Schülern hinsichtlich ihrer Differenzen und Individualität, sondern stellt ganze Unterrichtsformen in Frage. Dass die Lehre der Religionen in diesem Spannungsfeld mehr als eine bildende Funktion einnimmt, weiß man am Seminar für Evangelische Theologie und Religionspädagogik der TU Braunschweig. Hier werden angehende Lehrkräfte für ihr Berufsleben in Grund-, Haupt- und Realschulen vorbereitet.

Seit ihrer Gründung ist das Seminar Teil der Fakultät für Geistes- und Erziehungswissenschaften, erklärt Prof. Gottfried Orth, der mit Unterbrechungen seit zwanzig Jahren das Seminar leitet. In seiner Laufbahn blickt er bereits auf vierzig Jahre Amtszeit als Pfarrer und dreißig Jahre als Hochschullehrer zurück und auch heute ist der Rothenburger neben seiner Professur vertretend in den evangelischen Kirchengemeinden der Region tätig. In seiner Forschung untersucht Orth Traditionen der Gewaltfreiheit und befasst sich darüber hinaus mit gewaltfreier Kommunikation. „Marshall Rosenberg hat dieses Modell in den Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre gemeinsam mit Martin Luther King entwickelt“, sagt Orth. Im Zentrum des Modells stehe die wertschätzende Beziehung zwischen Menschen, die vertrauensvolle Kommunikationsmöglichkeiten eröffne. So könnten Konflikte friedlich gelöst werden, erklärt Orth. Als ausgebildeter Trainer bietet er Fortbildungen an und berät Lehrkräfte an Schulen. Auch für seine Studierenden sei dies Teil des Lehrplans.

Gemeinsam mit Dr. Ingried Wiedenroth-Gabler, Wissenschaftliche Direktorin am Seminar, und drei weiteren Mitarbeitern werden am Seminar gut 350 angehende Lehrkräfte für evangelischen Religionsunterricht ausgebildet. „In der wissenschaftlichen Ausbildung bedenken wir zwei Perspektiven: Zum einen haben wir einen Blick von außen auf die Religion. In der systematischen Theologie müssen wir uns dort aber auch verorten können“, erklärt Wiedenroth-Gabler. Denn so könne persönlicher Glaube methodisch reflektiert und auch für Angehörige anderer Religionen verständlich formuliert werden. Lange Zeit war die gebürtige Gifhornerin selbst als Lehrerin tätig und bildete begleitend islamische Religionslehrkräfte in Niedersachen aus. Sie weiß daher um die Signifikanz interkultureller Kompetenzen im Schulalltag. Denn längst spiele Religion eine größere Rolle, als dem wöchentlich zweistündig gelehrten Unterrichtsfach nachgesagt werde. „Die zunehmende Heterogenität stellt Lehrkräfte vor viele Herausforderungen“, so die Wissenschaftliche Direktorin: „Wir bilden unsere Studierenden dahingehend aus, dass sie auch interreligiöse Kompetenzen mitbedenken. Lehrkräfte brauchen Fachwissen, um verschiedene Weltanschauungen ausgleichen zu können.“

Nur so könne zwischen Kulturen vermittelt und trotz Differenzen nach Gemeinsamkeiten gesucht werden, damit das Zusammenleben in der Schule möglichst konfliktfrei verläuft. „Wir setzen uns auch mit Studientagungen und Professionalisierungsangeboten dafür ein, dass sich Lehrkräfte diese Fähigkeiten aneignen können“, sagt Orth. Doch vor den Schultoren sei damit nicht Schluss. Auch in der Stadt setzt sich das Seminar für die interkulturelle Kommunikation ein, organisiert öffentliche Ringvorlesungen und Veranstaltungen gemeinsam mit dem Haus der Kulturen und dem Büro für Migration. Insbesondere mit der ehemaligen Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke habe man diesbezüglich einiges bewegen können und als kompetenter Ansprechpartner für interkulturellen Austausch und Kommunikation zur Seite gestanden, sagt Wiedenroth-Gabler: „Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Kein Weltfriede ohne Frieden zwischen den Religionen, sagte der Theologe Hans Küng einmal. Und ich würde behaupten: Kein Schulfriede ohne Religionsfrieden.“

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