Die Umwelt-Agenten

Das Institut für Geoökologie an der Technischen Universität Braunschweig

Das Gründach am BER: Seit 2014 führt das Institut Messungen der Energiebilanz und des CO2-Austauschs durch. Foto: Pixabay

Das Gründach am BER: Seit 2014 führt das Institut Messungen der Energiebilanz und des CO2-Austauschs durch. Foto: Pixabay

Deutschlands ökologischer Fußabdruck ist zu groß. Bereits seit Mai dieses Jahres leben wir auf Kredit künftiger Generationen – deutlich über unsere Verhältnisse. Hohe CO2-Emissionen in den Bereichen Verkehr, Energie und Landwirtschaft, überlastete Böden, verunreinigte Gewässer – unsere Erde kommt unseretwegen aus der Puste. Das belegen auch Umweltnaturwissenschaftler am Institut für Geoökologie der TU Braunschweig. Hier hat man sich seit der Gründung vor 17 Jahren der Erforschung von Ökosystemen und ihren vielschichtigen Beziehungen untereinander verschrieben. Eine nachhaltige und lebenswerte Zukunft stets als Motivator im Rücken.

„Wir leisten sozusagen die Rahmenbedingungen für konkrete Handlungen zugunsten der Umwelt“, erklärt Stephan Weber, der seit vergangenem Jahr das Institut leitet. Gemeinsam mit knapp 50 weiteren Wissenschaftlern detektiert und bewertet er Umweltveränderungen. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse liefern Anhaltspunkte für zukünftige Entwicklungen und können zur Minimierung und Verhinderung von Umweltschäden beitragen. Konkret forschen die Wissenschaftler in den Bereichen Geochemie, Boden, Umweltsystemanalyse und Atmosphäre. Weber selbst ist in der Klimatologie beheimatet und widmet sich unter anderem dem Thema Luftqualität.

Frisch vom Dach

Die sei in Braunschweig übrigens gut, erklärt er, denn die vielen Grünflächen bewirkten eine gute Ventilation. Neben Parkanlagen und Gärten spielten dabei auch Gründächer eine wesentliche Rolle. Am Berliner Flughafen sammelt das Institut deshalb Daten – steigt dort aufs begrünte Dach: „Gründächer wirken sich positiv auf das Mikroklima aus. Sie entziehen der Luft über Verdunstungsprozesse Energie, mildern so die Lufttemperatur ab und steuern damit einer Überhitzung gegen. Außerdem nehmen sie Kohlenstoff auf, tragen so zum Klimaschutz bei.“ Auch hinsichtlich der Biodiversität könne man bei Gründächern eine positive Wirkung verzeichnen, da sie für Insekten ein attraktiver Lebensraum seien. Mit dem Ziel, weitere Potenziale auszuweisen, erfasst man im Auftrag der Stadt aktuell den Braunschweiger Gründachbestand.

Stadt-Land-Beziehungen

„Letzten Endes geht es darum, einen positiven und angenehmen Lebensraum für die Menschen zu schaffen und nachhaltig in puncto Umwelt zu planen“, so der Klimatologe. Seit drei Jahren gibt man deshalb im interdisziplinären Verbundprojekt METAPOLIS Impulse für einen nachhaltigen Wandel von Niedersachsens Städten und Regionen. Insbesondere die Region um Braunschweig sei stark von Pendlerbeziehungen geprägt und die Großstädte eng mit ihrem Umland verwoben. Hier sieht Weber deutlich Potenziale zur Verbesserung: „Pendlerströme sind ein Hauptfaktor bei der Emission von Treibhausgasen. Sicherlich wird auf dem Land nie eine S-Bahn-Linie fahren, aber ein ausgebautes ÖPNV-Angebot oder ein Bürgerbus könnten einiges bewirken.“

Verschmutzte Luft: Hauptursache sind CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft. Foto: Jannik Heusinger
Verschmutzte Luft: Hauptursache sind CO2-Emissionen in den Bereichen Energie, Verkehr und industrielle Landwirtschaft. Foto: Jannik Heusinger

Das Projekt wird über Drittmittel aus öffentlicher Hand finanziert, wie auch ein Großteil der weiteren Forschung. Ein gutes Zeichen, findet Weber, denn der Nachhaltigkeitsgedanke sei zunehmend Motivator öffentlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen. Erst Ende vergangenen Jahres erhielt Braunschweig grünes Licht für die Förderung von Projekten zum Klima- und Artenschutz mit einem Gesamtvolumen von über 5,5 Millionen Euro. Einer Zukunft Richtung Nachhaltigkeit stehe damit nichts im Wege: „Braunschweig und die Region haben in der Vergangenheit viele richtige Entscheidungen getroffen. Ich wünsche mir, dass sie so dynamisch bleiben und die Fragen nach Umwelt- und Klimaschutz weiter verfolgen.“

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