Ein Leben für die Pferde - Standort38
22. Februar 2021
Impulse

Ein Leben für die Pferde

Hof Kröckel - Pferdehöfe der Region Teil 1

Etwas außerhalb von Hondelage betreibt Christopher Kröckel einen Pensionsstall mit 40 Boxen – ausgezeichnet mit fünf Sternen. Foto: Lormis/ Regio Press.

Niedersachsen ist Pferdeland. Das ist auch in der Region Braunschweig-Wolfsburg sichtbar. Wer zwischen den Städten und Dörfern unterwegs ist, trifft vielerorts auf langgestreckte Koppeln und Weiden oder auf Ross und Reiter unterwegs in der Natur. Dabei sind die Haltung und Zucht von Sportpferden längst kein reiner Zeitvertreib mehr, sondern haben sich vielmehr zu einem prosperierenden Geschäftsfeld entwickelt: Standort38 stellt lokale Akteure und ihre Höfe vor. Als einer der ersten öffnet Christopher Kröckel die Tore zu seinem gleichnamigen Pferdegestüt.
Seit über 400 Jahren ist die Familie von Christopher Kröckel in der Landwirtschaft aktiv. Als sie schließlich vor gut 20 Jahren einen Pferdehof in Hondelage errichtete, verfolgte sie einen langfristigen Plan: Die Leidenschaft für Sportpferde sollte der Mittelpunkt ihrer Arbeit werden. Und das auf einem Niveau, das in der Region 38 ihresgleichen sucht.
Bei einem Besuch auf dem Gestüt von Christopher Kröckel wird schnell deutlich, dass Pferde und ihre Zucht für ihn mehr sind als ein Hobby. Unweit des Braunschweiger Flughafens hält er, in den an sein Wohnhaus angrenzenden Ställen, seine eigenen Zuchtpferde. „Wir züchten mit vier Stuten erfolgreich Hannoveraner als Sportpferde, hauptsächlich für das Springreiten. Die Rasse zählt zu den beliebtesten und erfolgreichsten und ist auch bei den Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften häufig vertreten“, erzählt er.
Etwas außerhalb des Kernortes hat Familie Kröckel vor 20 Jahren außerdem eine Reitanlage mit 40 Pensionsboxen, diversen Reitplätzen, Führanlage, Longierhalle und Rund-um-Services für Ross und Reiter eröffnet. Auf den eigenen landwirtschaftlichen Flächen wird Ackerbau betrieben und beispielsweise Heu für die Fütterung gewonnen. So ergibt sich eine nahezu geschlossene Kreislaufwirtschaft.

Fünf Sterne für die Pferde

„Wir sind seit Beginn durch die Deutsche Reiterliche Vereinigung, dem Bundesverband für Pferdesport und -zucht, mit fünf Sternen als Anlage mit gehobenem Standard ausgezeichnet. Das System ähnelt der Kennzeichnung für Hotels – unsere Boxen sind geräumiger, heller und luftiger als eine Durchschnittsbox. Wir bieten Extras wie eine Waschbox mit warmem Wasser, Pferdesolarien und eine beheizte Sattelkammer. Und natürlich die tägliche Fütterung sowie auf Wunsch, etwa wenn jemand im Urlaub ist, auch Bewegung durch ausgebildete Fachkräfte oder in der Führanlage“, zählt der studierte Landwirt und Pferdewirtschaftsmeister auf. Für die umfassende Versorgung beschäftigt er zwei Pferdewirtinnen, eine davon mit der Zusatzqualifikation zur Bereiterin. Dadurch kann er seinen Kunden auch das Anreiten junger Pferde und die Ausbildung von Hengsten anbieten. Die Zielgruppe seines Hofes, daraus macht er kein Geheimnis, ist anspruchsvoll. Qualität wird gefordert – in allen Belangen. Und das Wohlergehen der Pferde, betont er, stehe immer im Vordergrund.

Richter und Züchter treffen sich in Hondelage

Hof Kröckel ist Dreh- und Angelpunkt der hiesigen Hannoveraner-Szene. Bevor ein Züchter sein Pferd zu einer der Verdener Auktionen – dem wichtigsten vom Hannoveraner Verband organisierten Absatzmarkt für die gleichnamigen Rassepferde – bringen kann, finden regionale Vorauswahlen statt. Im Großraum Braunschweig treffen sich Richter und Züchter dafür in Hondelage. Reitpferde und Fohlen werden mehrfach pro Jahr versteigert, Elite-Fohlen und -Stuten sowie junge Hengste stehen jeweils nur einmal im Jahr bei den Auktionen zum Verkauf. „Für mich hat es den Vorteil, dass meine Pferde und unsere Ausbildungspferde bereits vor Ort sind und wir nicht reisen müssen“, sagt Kröckel. „Allerdings bin ich als ehrenamtlicher Zuchtrichter bei Fohlen- und Stutenschauen, Stutenleistungsprüfungen und Vorsitzender des Bezirksverbands hannoverscher Warmblutzüchter Braunschweig selbst viel unterwegs“, ergänzt er.
Zum Bezirksverband gehören die Pferdezuchtvereine Braunschweig, Hildesheim-Peine, Südhannover, Göttingen, Sachsen-Anhalt-Nord, Brandenburg-Berlin und Sachsen-Anhalt Süd. Letztere gehören erst seit wenigen Jahren zum Hannoveraner Verband. „Aufgrund der räumlichen Nähe zu Braunschweig als östlichster Bezirksverband wurden die gegründeten Vereine uns zugeordnet – so konnten sie direkt an bestehende Strukturen anknüpfen. Dadurch reicht der Bereich, in dem ich mit Züchtern in Kontakt stehe, ungefähr von Hildesheim bis nach Berlin.“
Der Kontakt zu anderen Züchtern ist für Kröckel inzwischen zu einer Passion geworden. Daher engagiert er sich zusätzlich als Mitglied des Verbandsausschusses Züchterbindung und ist für die Landwirtschaftskammer in der Prüfungskommission für angehende Pferdewirte. Immer wieder ist er unterwegs, sieht sich Fohlen an und bewertet Stuten für die Eintragung ins Hauptstutbuch. Zeitgleich ist er Vorsitzender der AG Deckstelle Königslutter und stellvertretender Vorsitzender des Pferdezuchtvereins Braunschweig.

In der Zucht gibt es keine Zufälle

Die Zuchtpferde der Familie Kröckel stehen auf der alten Hofstelle, neben dem Wohnhaus, direkt in Hondelage. Mehrfach täglich sieht Christopher Kröckel nach ihnen und kümmert sich persönlich um die Fütterung. Foto: Kröckel/ Privat.

Die Deckstelle Königslutter ist Außenstelle des Landesgestüts Celle. „Dort stehen während der Decksaison Hengste, die für die angeschlossenen Züchter – zu Königslutter gehören ungefähr 110 – zur Verfügung stehen. Die Zucht bei Warmblütern wie den Hannoveranern erfolgt allerdings fast nur noch per Besamung – exakt auf den Zyklus der Stute abgestimmt.“ Nichts wird dem Zufall überlassen.
Für ihn persönlich sei das Ziel der Zucht, das bestmögliche Pferd zu produzieren. Doch so wie es viele Amateur- und wenige Spitzensportler gibt, haben auch nur wenige Pferde das Zeug, zur absoluten Weltspitze zu gehören. „Züchten ist daher auch immer ein risikobehaftetes Investment. Aus der gleichen Gen-Kombination der Eltern und dem gleichen Aufzuchtstall kann ich ein Fohlen bekommen, das auf der Elite-Auktion einen super Preis erzielt und das Zeug für S-Turniere hat, während ein Geschwistertier aus einem anderen Jahr nur an Freizeitreiter verkauft werden kann. Hinzu kommt noch das Risiko von Ausfällen, wie eine Fehlgeburt oder der Tod eines Fohlens. Die Kosten für die Versorgung der Mutter sowie die Besamung gab es trotzdem – auch wenn ich für den Jahrgang keine Einnahmen durch Nachwuchs mehr erwarten kann“, erklärt er.
Bis ein Pferd ungefähr drei Jahre und damit alt genug zum Einreiten sei, hat es bereits 3.000 bis 4.000 Euro für die Aufzucht gekostet. Und selbst bei der besten genetischen Kombination könne es vorkommen, dass es nicht die geforderten körperlichen Voraussetzungen für eine Sportlerkarriere erfülle. Daher seien medizinische Checks aus seiner Sicht ein Muss, bevor viel Zeit und Geld in die Ausbildung gesteckt wird.

Züchten ist ein Investment – mit Risiko

„Um ein junges Pferd marktfähig ausbilden zu lassen, müssen knapp 6.000 Euro kalkuliert werden – inklusive der Unterbringungskosten im ausbildenden Stall für ein gutes halbes Jahr.“ Um schwarze Zahlen zu schreiben, müssten Vierjährige daher mindestens 15.000 Euro im Verkauf erzielen. Und selbst dann können Unfälle eintreten, die das Ende der Karriere bedeuten.
Immer wieder sind Hannoveraner aus der Zucht der Kröckels bei Elite-Auktionen dabei. „In die Auswahl schaffen es nur Pferde, die ab ihrer frühsten Jugend top veranlagt sind – in ihrer Genetik, in ihrem Erscheinungs- und Gangbild. Wenn sie das Zeug mitbringen, ein absoluter Profi zu werden.“ Das seine Pferde, denen er gerne Namen von James-Bond-Filmen gibt, auf diesem Weg ins europäische Ausland verkauft werden, ist nicht ungewöhnlich. So trifft man heute auch in Mexiko, Marokko, Bolivien und den USA auf Rassepferde aus Hondelage.

Zucht unter Aufsicht des Landes

Die Zucht des Hannoveraner Pferdes ist eng mit der Geschichte des Niedersächsischen Landgestüts Celle verknüpft. Georg II., König von England und Kurfürst von Hannover, ordnete dessen Gründung 1736 an, um den Bedarf an Kavallerie-Pferden zu decken. Außerdem sollten die Landwirte Zugang zu guten Hengsten haben, um ihre Stuten decken zu können. Aus der Kombination der aus England eingeführten, temperamentvollen Vollblütern, die für militärische Zwecke genutzt wurden, und den heimischen Warmblütern entstand die Rasse der Hannoveraner. Das Landesgestüt erhielt die Aufgabe, die Zucht zentral zu organisieren, Deckstellen im ganzen Land mit geeigneten Hengsten zu versorgen und Fohlen zu registrieren.

Mit der fortschreitenden technischen Entwicklung verloren die Hannoveraner Pferde ihre Bedeutung als Arbeitstiere. Das Landgestüt richtete die Zucht, nach einigen Krisenjahren, daher auf Sportpferde aus – erfolgreich. Gezüchtet wird seitdem ein Pferd, dass sich durch seinen Körperbau zum Springen und in der Dressur, im Vielseitigkeitssport, dort sind beide Disziplinen notwendig, und dem Fahrsport eignet. Durch ein breites Spektrum an zugelassenen Fellfarben und einer Höhe zwischen 160 und 185 Zentimetern spricht es viele Reitertypen an; der Charakter gilt als ausgeglichen und gelehrig, dadurch sind Hannoveraner auch als Freizeitpferde beliebt.

Als Einrichtung des Landes Niedersachsen steht das Landgestüt immer wieder in der Kritik, nicht wirtschaftlich zu agieren. Die Decktaxen für die rund 120 aktiven Deckhengste beginnen bei 300 Euro plus Bearbeitungsgebühren. Nur bei einzelnen Hengsten kann der Betrag pro Portion Tiefkühlsperma ins Vierstellige steigen. Bereiche, die für die wenigen privaten Halter von Deckhengsten nicht ungewöhnlich sind. Verfechter der Landesgestüte argumentieren, dass ohne diese eine breit aufgestellte Zucht, an der auch Hobbyzüchter beteiligt sind, nicht existieren würde.

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