13. Oktober 2017
Engagement

Der Mensch als Teil der Natur

Stiftung Naturlandschaft in Königslutter am Elm

Stiftungspräsident Karl-Friedrich Weber ist seit vielen Jahren aktiv für den Naturschutz engagiert. Foto: Pascal Kuhaupt

Grüne Wiesen mit farbenfrohen Orchideenbeständen, schattige Naturwälder und sumpfige Moorflächen – die Stiftung Naturlandschaft hat ein buntes Portfolio von Naturschutzflächen in ihrem Besitz. Artenvielfalt zu erhalten ist eines der umfangreichen Stiftungsziele, welche alle dem Zweck des ganzheitlichen Natur- und Landschaftschutzes, sowie der Landschaftspflege und der Umweltbildung dienen. Die Stiftung wurde im Jahr 2001 in Königslutter am Elm gegründet und startete mit 25.000 Euro – mittlerweile besitzt sie rund 750 Hektar Land in vier Bundesländern, mit Schwerpunkt in Niedersachsen.

180 Hektar davon sind landwirtschaftliche Nutzflächen, in deren Pflege Landwirte eingebunden sind. Langfristiger Naturschutz Die Idee der Stiftung kam im Jahr 2001 aus der Überlegung heraus, ein handlungsfähiges Instrument aus dem BUND aufzubauen. Sieben Personen leiten die Stiftung ehrenamtlich, Stiftungspräsident ist Karl-Friedrich Weber, der sich bereits seit vielen Jahren für den Naturschutz engagiert. 15 Jahre lang war er zweiter BUND-Landesvorsitzender und 1999 Gründer der BUND-Kreisgruppe in Helmstedt. Seit 2004 ist er im Ruhestand und kümmert sich nun mit viel Herzblut um den langfristigen Naturschutz in Niedersachsen. Um das zu verwirklichen, kauft die Stiftung Landschaftsgrundstücke auf und ermöglicht so den ewigen Schutz dieser Gebiete. Oftmals sind das Flächen von Landwirten, die diese nicht mehr wirtschaftlich nutzen können oder sie erhalten Flächen aus Ausgleichsmaßnahmeauflagen, beispielsweise von Kommunen für den Bau von Straßen oder Bebauungsgebieten. Das Naturschutzrecht sieht es vor, dass die Natur auf der Kompensationsfläche aufgewertet werden muss.

Da aber Firmen und Kommunen meist kein Interesse an der Landschaftspflege dieser Flächen hegen, können sie das Grundstück und das notwendige Geld zur Umsetzung der Naturschutzziele an die Stiftung übertragen. Sie erbringt damit praktisch eine Dienstleistung und übernimmt die Rechtsverpflichtung gegenüber den Behörden. Der Natur freien Lauf lassen Die notwendigen Arbeiten an den Flächen sind sehr unterschiedlich, aber je weniger Arbeit notwendig ist, desto besser für die Natur. „Wenn man der Natur ihren Lauf lässt, ist das einfach nur genial. Die Prozesse, die dann ablaufen, sind absolut komplex und spannend.“, beschreibt der ehemalige Forstmann und Stiftungspräsident. Im Normalfall entwickeln sich diese Flächen dann im Laufe der Zeit zu Wäldern. Es gibt aber auch Gebiete, auf denen das Entstehen dieser Wälder unterbunden werden muss, um Offenlandbiotope und ihre Arten zu erhalten. Dort weiden dann beispielsweise Schafe oder Ziegen. Um viele dieser Kompensationsflächen erhalten zu können, baut die Stiftung nebenbei einen Flächenpool auf. Dafür kaufen sie aufwertungsfähige Grundstücke, die für den Naturschutzzweck geeignet sind. Sie bemühen sich ebenfalls darum bedrohte, wertvolle Gebiete aufzukaufen. Die Grundstücke sind in ein Langfristkonzept eingebunden – durch die vielen Schutzflächen baut die Stiftung nach und nach ein „grünes Netz“ in Niedersachsen auf. Naturschutz auch für den Menschen „Der Naturschutz ist deshalb so wichtig, weil wir Menschen auch in Zukunft leben wollen. Wir stehen der Natur nicht gegenüber, sondern wir sind ein Teil von ihr. Und wir sollten uns fragen, ob wir das Recht dazu haben Arten schneller aussterben zu lassen.“, erklärt Weber die Hintergründe der Stiftung.

Die zur Verfügung stehenden Ressourcen der Natur soll der Mensch nutzen, aber die Übernutzung sei das Problem. „Man muss nicht alle sechs Jahre neue Möbel kaufen, um einem neuen Trend nachzugehen.“ Um Anderen die Wichtigkeit des Naturschutzes nahe zu bringen, ist die Umweltbildung ebenfalls ein hohes Ziel der Stiftung. Karl-Friedrich Weber hält fachliche Vorträge, macht Ausflüge mit Schulen und bietet verschiedene Führungen für unterschiedlichste Gruppen an. Er versucht dabei die Menschen emotional zu erreichen. Mit Emotionen, so Weber, kann man beispielsweise auch Kinder ansprechen, die sich nicht von Hause aus für Natur interessieren. Wenn das Interesse erst einmal da ist, dann entwickeln Kinder schnell ein erstaunliches Wissen über die Natur. In der Geschäftsstelle, in der alten Wasserburg in Königslutter, welche die Stiftung gekauft und saniert hat, sind ebenfalls mehrere Engagierte rund um das Thema Umweltbildung ansässig. Mittlerweile existiert die Stiftung seit 16 Jahren und der Stiftungspräsident blickt stolz auf die Arbeit der vergangenen Jahre zurück. „Ich habe damals nicht geglaubt, dass wir so schnell eine doch beachtliche Größe erreichen, die handlungsfähig ist. Und ich habe gelernt: weniger ist mehr. Unser Leitbild ist nicht das schnelle Wachstum, sondern die Potenzialbildung.“ Für die Zukunft wünscht er sich mehr Zusammenarbeit im Bereich des Naturschutzes und der Umweltbildung für eine regionale Identität.

Adresse: Niedernhof 6, 38154 Königslutter am Elm

Schwerpunkt: Natur- und Landschaftsschutz, Umweltbildung

Telefon: 05353 3409

E-Mail: Stiftung@snls.de

Internet:
www.snls.de

 

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