24. Juli 2015
Engagement

Die Kompetenz sitzt im Theater

Stiftung Staatstheater Braunschweig

Das Staatstheater Braunschweig ist das älteste öffentliche Mehrspartentheater Deutschlands. (Foto: Stefan Koch)

In Zeiten klammer Kassen muss man sich selbst zu helfen wissen. Das gilt in vielen Bereichen auch in der Kul­tur. Ein gutes Beispiel: das Staatstheater Baunschweig, oder besser gesagt: die Stiftung Staatstheater Braunschweig.

Im Grunde genommen ist genug Geld vor­handen, um das Schauspielhaus am Lau­fen zu halten. Die Stadt Braunschweig und das Land Niedersachsen stellen die Mittel zu Verfügung. „Sie sind willens, das, was zum Betrieb notwendig ist, zu finanzieren“, sagt Gernot Tartsch, Vor­standsvorsitzender der Stiftung Staats­theater Braunschweig. Extra-Wünsche, besondere Projekte, spezielle Vorhaben das ist in der Finanzierung allerdings nicht enthalten. Das Geld muss woan­ders herkommen. „Viele Sachen sind eben keine per Definition typischen Theateraufgaben“, sagt Tartsch. Und trotzdem seien sie für den Betrieb des Theaters recht lebenswichtig. Da wären zum Beispiel die beiden Publikumsbe­fragungen, die die Stiftung in den ver­gangenen Jahren durchgeführt und bezahlt hat. Die erste 2010, die andere in der zurücklie­genden Saison. Wie sieht das Publikum aus? Was interessiert die Menschen? Was erwarten die Zuschauer? Ein reprä­sentatives Institut aus Berlin wurde dafür engagiert, und das hat natürlich seinen Preis. „Das kann nicht aus The­atermitteln bezahlt werden“, unter­streicht Tartsch. Dann eben anders.

Vor zehn Jahren, am 3. Juli 2005, wurde die Stiftung ins Leben gerufen. Die Stiftungsgründer: Mitglieder der Gesellschaft der Staatstheaterfreunde, ein Verein, der sich seit 1972 für den Erhalt des Theaters einsetzt. Das dama­lige Stiftungskapital betrug 25.000 Euro, mittlerweile ist es viel höher. „Wir konnten das Kapital auf 250.000 Euro erhöhen“, sagt Tartsch. Mit den Zins­erträgen werden aber nicht nur Publi­kumsbefragungen finanziert, die Stif­tung kümmert sich auch um vieles andere. Da wäre zum Beispiel das The­ater-Festival „Fast Forward“, das schon seit mehreren Jahren den europäischen Regie-Nachwuchs jeweils im Herbst nach Braunschweig lockt. Junge Talente sollen dort eine Chance erhalten. „Und natürlich wollen wir auch Nachwuchs für Braunschweig gewinnen“, erläutert Gernot Tartsch. Und so ist es nicht ver­wunderlich, dass die Stiftung einen Teil ihres Geldes in das Festival steckt.

Zu mindestens zwei Sitzungen pro Jahr ist der Vorstand der Stiftung der neben Gernot Tartsch auch aus der stellvertretenden Vorsitzenden, Clau­dia Schmitz, Dietrich Fischer sowie York Steifensand besteht qua Satzung verpflichtet. „Und das machen wir spie­lend“, unterstreicht der Vorsitzende. Die Stiftung wird immer dann aktiv, wenn das Theater an die Verantwort­lichen herantritt. „Wir warten ab, was für Wünsche das Theater hat“, erklärt Tartsch. Eigene Planungen seien so erst einmal nicht von Nöten. „Die Kompe­tenz sitzt im Theater.“ Und auch im Stif­tungs-Vorstand: Schließlich ist Claudia Schmitz auch Verwaltungsdirektorin und stellvertretende Generalintendan­tin des Hauses.

Dass ein Mitglied der Führungsspitze des Theaters auch in der Stiftung aktiv ist, steht ebenfalls in der Satzung. Auch der Nachfolger von Schmitz die Direktorin wechselt zur Spielzeit 2016/17 ans Schauspiel­haus Düsseldorf wird im Vor­stand mitarbeiten. „Wir hoffen, dass er die Sache genauso engagiert betreibt. Wir erwarten, dass der Wechsel für uns keine Nachteile bringt.“

Sorgen bereiten dem Stiftungs-Vor­stand schon eher die niedrigen Zinsen. Die führen nämlich dazu, dass auch die Kassen der Stiftung klamm bleiben, trotz des hohen Grundkapitals. Wich­tiger denn je ist es daher, dass zusätz­lich Spenden akquiriert werden können. Neue Spender werden daher gern gese­hen. Der Vorstand selbst ist natürlich auch ständig auf der Suche. „Wir ver­suchen im Rahmen unserer Möglich­keiten, Gelder einzuwerben“, erklärt Tartsch. So gibt es zum Beispiel jedes Jahr einen Frühlingsempfang und zum Theaterfest im September wird ein Stif­tungscafé veranstaltet, bei dem Kaf­fee und Kuchen verkauft werden. „Der Erlös geht in die Stiftung.“ Und damit letztendlich auch auf die Bretter, die für viele Menschen ja bekanntermaßen die Welt bedeuten.

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