24. Oktober 2017
Engagement

Eine paläontologische Schatztruhe

Dr. Scheller-Stiftung in Braunschweig

Stiftungsvorsitzender Dr. Rüdiger Scheller gründete die Stiftung gemeinsam mit seiner Frau Kristiane Scheller. Foto: Anica Neumann

Er ist drei Meter lang, liegt auf dem Rücken und streckt alle Viere von sich, als ob er sich sonnen wollte – die Rede ist vom spektakulärsten Fund in der Ausgrabungsstätte im Geopunkt Jurameer Schandelah: dem fast vollständig erhaltenen Ichthyosaurier. Der große Schwimmsaurier wurde in einer 3,50 mal 1,30 Meter großen Platte geborgen und unter größten Vorsichtsmaßnahmen in die Präparationswerkstatt gebracht. Zur Stabilisierung wurde die Platte auf die Rückseite gedreht, der Saurier ist also eigentlich von der anderen Seite zu betrachten.

Die Ausgrabungen sind ein gemeinschaftliches Projekt der Dr. Scheller-Stiftung und dem Naturhistorischen Museum Braunschweig. Das Grundstück, etwa vier Hektar Land, wurde von der Dr. Scheller-Stiftung erworben, um das Projekt möglich zu machen.

Die Stiftung wurde im Dezember 2008 von den Eheleuten Kristiane und Dr. Rüdiger Scheller gegründet. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht Natur- und Umweltschutz sowie nachhaltige Landwirtschaft in der Region zu fördern. Mit der Stiftung setzte Rüdiger Scheller ein Denkmal für seinen Großvater, dem er sein Interesse für die ökologische und paläontologische Vielfalt in der Umgebung zu verdanken hat. Schon von klein auf hat der Stiftungsvorstand gelernt sorgfältig mit der Natur umzugehen und damals sind ihm bereits Arten aufgefallen, die nach und nach aus ihren Lebensräumen verschwanden. „Die Industrialisierung der Landwirtschaft, der Landverbrauch und der Raubbau an Ressourcen hat zu einer Überbeanspruchung geführt. Wir verbrauchen mehr als die Erde herstellen kann und deswegen müssen wir dagegen angehen.“

Das Leuchtturmprojekt „Geopunkt Jurameer Schandelah“ startete bereits vor rund vier Jahren und trotz hoher Erwartungen hat sich niemand der Beteiligten ausmalen können, welche spektakulären Funde sie machen würden. Ausgangspunkt der Grabungspläne war eine Ausstellung vor zwei Jahren unter dem Namen „Jurameer“, für die Dr. Scheller sämtliche, bereits früher geborgene Funde aus der Region aus Privatsammlungen und Museen zusammentrug. Die Ausstellung fachte die Neugier der Forscher an und so dauerte es nicht lang, bis erneut fleißige Ausgrabungshelfer die Grube bevölkerten – mit dabei waren auch die Hobbypaläontologen der ersten Funde. „Das ist eine richtige Schatzgrube!“, schwärmt Dr. Scheller.  Die Bedingungen für die Ausgrabungen sind an diesem Ort so günstig, da die Sedimente, verschoben durch die dort vorhandenen Salzstöcke, sehr nahe an der Oberfläche liegen. Die Eiszeit hat sie zusätzlich abgeschürft, sodass der Posidonienschiefer zu Tage trat – ein Zustand, der sich sonst nur noch an einem weiteren Ort, in Hondelage, befindet. Die Mineralien wurden von Bauern abgetragen und zurück blieb eine Mergelkuhle. Sie ist jetzt Mittelpunkt zahlreicher Forschungen, Master- sowie Doktorarbeiten und es werden immer wieder erstaunliche Schätze aus den Materialschichten geborgen, wie etwa die Rippe eines Langhalssauriers oder Skelette von Krokodilen und Haifischen. Vor zwei Jahren wurde der Geopark zum Unesco Geopark anerkannt. Er ist zudem ein wichtiges Puzzleteil bei der Vernetzung von Biotopen der Umgebung, in die bereits schon wieder erste Amphibienarten zurückgekehrt sind.

Kürzlich wurde am Jurameer ein außerschulischer Lernort mit der IGS Volkmarode eingerichtet. „Das ist etwas für die Schüler der Oberstufe: hier hat man ein Fenster in die Evolution.“ Geplant ist es einen Urweltwald am Standort zu errichten. Lebendige Exemplare der Pflanzen, die versteinert ausgegraben wurden, sollen als lebende Fossilien als Anschauungsmaterial dienen. „Wir versuchen eine Brücke zu schlagen von damals und heute.“, erklärt Dr. Scheller, für den Umweltbildung ein sehr wichtiges Thema ist. Um der Jugend die Bedeutung einer gesunden Natur und Umwelt zu demonstrieren, müssen sie an die Natur herangeführt werden. „Die Erde ist nicht vergrößerbar und die einzige, die wir haben.“ Auch für Touristen ist die einzigartige Beschaffenheit der Natur interessant und um den Geopunkt bekannter zu machen, sind weitere Projekte bereits geplant. So etwa ein Naturlehrpfad und ein Infostand an der Ausgrabungsstelle. „Auch ein Radweg, der alle Geopunkte in der Umgebung verbindet, wäre denkbar!“, berichtet Dr. Scheller, der noch viele Ideen für die Zukunft hat. Einen Wunsch hegt er aber bereits länger. Er möchte eine dauerhafte Sonderausstellung zum Thema Jurameer errichten, welche die einzigartigen Fundstücke der Ausgrabung zeigt. Dr. Scheller blickt stolz auf die Projekte zurück, die er bisher unterstützt hat. Er will mit seiner Stiftung nicht nur die Natur schützen, sondern auch für die Gemeinschaft etwas Gutes tun.

Adresse ………………………Pawelstraße 1, 38118 Braunschweig

Schwerpunkt………Natur- und Umweltschutz sowie nachhaltige Landwirtschaft in der Region fördern

Telefon ……………………….0531 2428127

E-Mail ……………………………info@dr-scheller-stiftung.de

Internet …………………….www.dr-scheller-stiftung.de

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