2. Dezember 2013
Engagement

Stiftungsserie: Für einen Blick in die Zukunft

Unsere Kinder in Braunschweig Stiftung

Kochen und Backen in der Gruppe fördert das Erlebnis- und Sozialverhalten von Kindern. (Foto: Sabine Sellnau)

Wenn Kinder sich ihre Zukunft ausmalen, können die Ergebnisse ganz unterschiedlich sein. Manche dieser Unterschiede lassen sich auf die soziale Herkunft zurückführen. Barbara Rupprecht, Vorstand der „Stiftung Unsere Kinder in Braunschweig“, hatte 2007 eine Studie gelesen, in der es hieß, dass Kinder aus der Ober- und Mittelschicht sich ihre Zukunft detailliert vorstellen können beispielsweise Abitur und Studium schon zur Lebensplanung gehören, während Kinder aus der unteren Schicht oftmals nicht mal sagen konnten, was nach der Grundschule auf sie wartet.

Rupprecht sollte zu dem Zeitpunkt ein Konzept für die Volkswagen Financial Services entwickeln, wie das Unternehmen Kindern aus sozial schwachem Umfeld helfen kann. „Kinder sollen in der Lage sein, Wünsche für ihre Zukunft zu entwickeln“, beschreibt Rupprecht den Ansatz, aus dem heraus sie als damalige Diversity Managerin des Unternehmens die „Stiftung Unsere Kinder in Braunschweig“ entwickelte, die im Dezember 2008 gegründet wurde und jetzt ihr fünfjähriges Bestehen feiert.

„Visionen sollten nicht am Geldbeutel der Eltern scheitern“, findet Rupprecht. Für diese haben sich vier thematische Schwerpunkte herauskristallisiert: Ernährung, musikalische Früherziehung, Bewegung und Allgemeinbildung. Zu jedem Thema gibt es Projekte, die allesamt langfristig angelegt sind. „Wir wollen nicht nach dem Gießkannenprinzip fördern“, sagt sie. Die Stiftung konzentriert sich daher auf die Weststadt. Die Zahlen sprechen dafür. 60 Prozent der Kinder dort würden laut einer Studie in Hartz-IV-ähnlichen Verhältnissen leben.

Beim Thema Ernährung stand die Erkenntnis, dass Kinder oft ohne Frühstück in die Schule gehen. Daraus entwickelte die Stiftung ein Projekt, das derzeit in zwei Kindergärten und zwei Grundschulen in der Weststadt durchgeführt wird. Dabei geht es um ein gesundes Frühstück, das die Schüler gemeinsam mit Ehrenamtlichen zubereiten und im Klassenverbund einnehmen. „So wird auch das gemeinsame Erlebnis und Sozialverhalten gefördert“, betont Rupprecht. Die Stiftung finanziert dafür die Lebensmittel und notwendige Küchenausstattungen.

Der musikalischen Früherziehung der Kinder in Braunschweig hat sich die Stiftung ebenfalls angenommen. Dabei kooperiert sie mit der Städtischen Musikschule und unterstützt ein landesweites Programm. Ziel sei es, jedem Kind die Möglichkeit zu geben, mit der vielseitigen Erlebniswelt der Musik bekannt zu werden oder auch ein Instrument zu erlernen. Hierfür hat die Stiftung beispielsweise die Instrumente beschafft. Motivation zu mehr Bewegung erhofft sich die Stiftung auch durch Ferien-Schwimmkurse. „Viele Kinder können nach der vierten Klasse noch nicht schwimmen“, merkt Rupprecht an. Die Stiftung organisiert Sportlehrer, die diese Kurse durchführen, und stellt einen Bus, der die Kinder zum Schwimmbad bringt.

Zu guter Letzt solle die allgemeine Bildung gefördert werden beispielsweise indem jedem Kind ein Buch in den geförderten Institutionen geschenkt wurde. Eine Kindertagesstätte wurde beispielsweise bei der Einrichtung einer Bibliothek unterstützt.

Das Unternehmen Volkswagen Financial Services AG hatte die Stiftung ursprünglich mit einer Million Euro Kapital ausgestattet, den Betrag inzwischen um 500.000 Euro aufgestockt. Für laufende Projekte gibt die Stiftung pro Jahr etwa 100.000 Euro aus. Einmalige Anschaffungen kommen da noch hinzu.

„Die Stiftung Unsere Kinder in Braunschweig ist bereits stark im Unternehmen verankert“, bestätigt Stefan Voges-Staude, Pressesprecher der VW Financial Services. Wenn auf Betriebsversammlungen Kuchen verkauft wird, geht der Erlös in die Stiftung, nennt er als Beispiel und fügt hinzu: „Unsere jungen Auszubildenden wachsen mit der Stiftung auf. Für sie ist es selbstverständlich, sich ehrenamtlich dafür zu engagieren.

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