15. Dezember 2014
Engagement

Stiftungsserie: Gute Taten mit alten Kleidern

Die Deutsche Kleiderstiftung sammelt und verteilt gebrauchte Kleidung an Bedürftige

Individuelle Hilfe für indische Waisenkinder. (Foto: Deutsche Kleiderstiftung)

Spätestens wenn der Kleiderschrank aus allen Nähten platzt, geben sich die meisten Menschen einen Ruck und packen für die Altkleidersammlung. Schnell wandern Hose, Jacke und Sweatshirt in eine Tüte und von da aus dann in einen Sammelcontainer. Für den Spender ist die Arbeit damit beendet.

Für die Mitarbeiter der Deutschen Kleiderstiftung Spangenberg aus Helmstedt beginnt sie erst. Dabei macht gebrauchte Kleidung aus Containern nur einen geringen Teil dessen aus, was die Stiftung jährlich sammelt. „Container haben wir bisher nur an regional ausgewählten Standorten wie zum Beispiel Braunschweig, Hamburg oder Berlin stehen“, wie Markus Böck, bei der Stiftung zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit, erklärt.

Das Herzstück der Kleiderstiftung sind die Sammelwochen, die ein- bis zweimal jährlich in 2.500 Kirchengemeinden in ganz Deutschland veranstaltet werden. Die Kirchenmitglieder tragen das zusammen, was sie selbst nicht mehr am Körper tragen möchten, und die Stiftungsmitarbeiter sammeln die Anziehsachen ein. Rund 3.000 Tonnen Altkleider wechseln jedes Jahr die Besitzer. Die Kleiderstiftung verteilt die Ware sowohl an Projektpartner im In- wie auch im Ausland. Es kann gut sein, dass der Pullover aus Deutschland in Osteuropa weiter getragen wird, aber auch im fernen Togo oder in Indien werden bedürftige Menschen von der Stiftung unterstützt. Neben der Sammelwochen und den aufgestellten Container nehmen die Helmstedter zum Beispiel auch Neuware aus Geschäften und Supermärkten in Empfang. Die Kleiderstiftung ist 2012 aus einem Verein hervorgegangen: Der Verein wurde 1957 von der Herrnhuter Brüdergemeinde Berlin-Neukölln als Hilfsorganisation gegründet und nach dem Herrnhuter Bischof August Gottlieb Spangenberg benannt. Die Umwandlung in eine Stiftung habe, so Böck, vor allem rechtliche Gründe gehabt. Neben der Kleiderabgabe initiiert und unterstützt die Stiftung zahlreiche Hilfsprojekte: zum Beispiel ein Waisenhaus in Indien oder Patenschaften in Brasilien. Ein Teil der Arbeit wird dank Geldspenden umgesetzt. „Und wir finanzieren uns über den Verkauf der Kleidung, die wir nicht für unsere Projekte gebrauchen können“, erklärt Markus Böck. Was nicht mehr tragbar ist, kann recycelt werden: T-Shirts, Jeans und Mäntel werden so zum Beispiel zu Dämmstoffen. Oder zu den Rückseiten von Collegeblöcken, wie Böck erklärt. Selbst die grauen Decken, die in der Katastrophenhilfe zum Einsatz kommen, würden aus Textilresten hergestellt. 36 festangestellte Mitarbeiter hat die Kleiderstiftung. „Die Zahl hat sich in den vergangenen zwei Jahren fast verdoppelt“, berichtet Böck. Die Stiftung ist auf Expansionkurs. Das liege unter anderem an der steigenden Zahl von Containern, die die Stiftung aufstellen lässt. Und auch das Service-Angebot wurde erweitert: Wer weder in einer Kirchengemeinde ist, noch Lust darauf hat, zu einem Container zu gehen, der kann sich auf der Internetseite der Stiftung einen Paketschein ausdrucken und seine Altkleider dann bequem zu Hause packen und kostenlos nach Helmstedt schicken. Ein Service, den immer mehr Menschen in Anspruch nehmen. „Das machen mittlerweile einige Tausend“, sagt Böck. Gerade die guten Stücke würden viele lieber schicken, als sie zum Beispiel in einem Container verschwinden zu lassen. Benötigt wird bei der Kleiderstiftung eigentlich alles. „Es gibt nichts, was wir nicht gebrauchen können“, unterstreicht Böck. Vor allem zur Jahreszeit sollte es am besten passen. „Die Menschen spenden meist eher antizyklisch“, so Böck. Im Sommer fliegt der alte Mantel hinaus, im Winter das Sommerkleidchen. In der Zukunft möchte die Kleiderstiftung ihre Kooperation mit Unternehmen ausbauen. So sei es angedacht, zum Beispiel Container auf Firmenparkplätzen aufzustellen. Dann könnte man morgens, auf dem Weg ins Büro, schnell mal etwas Gutes tun und ein paar Kleider spenden. Komfortabler geht es doch gar nicht.

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