1. August 2013
Engagement

Stiftungsserie: Jeder kann sich bei uns einbringen

Braunschweiger Bürgerstiftung: Eine zehnjährige Erfolgsgeschichte

Beliebter Termin: Braunschweiger Bürger-Brunch. (Foto: Taylor-Photography)

Der Name ist Programm: Vor zehn Jahren haben etwa hundert Bürger in einem Gemeinschaftsakt eine Stiftung gegründet: die Braunschweiger Bürgerstiftung. Die Stifter der ersten Stunde brachten damals 150.000 Euro Stiftungskapital zusammen. Heute zählt die Institution bereits 160 Stifter das Stiftungskapital ist auf mehr als 9 Millionen Euro angewachsen. Ihren zehnjährigen Geburtstag feiert die Institution am 18. September auf dem Burgplatz mit einem löwenstarken Netzwerk und anschließendem Empfang im Rathaus.

„Unser Ziel war es, bürgerschaftliches Engagement zu sammeln und zu bündeln und dem eine Plattform zu bieten“, erzählt der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Ulrich Deissner. Im Gegensatz zu vielen anderen Stiftungen mit scharfem thematischen Zuschnitt ist die Braunschweiger Bürgerstiftung breit aufgestellt. „Mit unserer Arbeit  wollen wir wichtige Vorhaben in möglichst vielen Lebensbereichen unserer Stadt neu initiieren oder bestehende vorantreiben. Dazu gehören beispielsweise Bildung und Erziehung, Kunst, Kultur und Denkmalpflege, Wissenschaft und Forschung, Natur- und Umweltschutz sowie Sport und Gesundheit“, heißt es auf der Homepage der Stiftung. Im Fokus der Förderungen stehen seit dem Gründungstag insbesondere Kinder und Jugendliche. Zahlreiche Projekte zu den Themen Bildung, Chancengleichheit, Gewaltprävention und der Übergang von der Schule zum Beruf gehören zum Programm.

Mit der Anzahl der Aktivitäten zähle die Einrichtung, die im obersten Stockwerk im Haus der Stiftungen am Löwenwall beherbergt ist, zu den vier größten Bürgerstiftungen bundesweit. Derzeit seien etwa 80 Projekte im vollen Gange, bei denen die Stiftung auf unterschiedliche Art und Weise involviert ist. Manche Projekte werden gefördert. Bei einigen Schwerpunkt-Projekten aber übernimmt die Stiftung das Steuer komplett von der ersten Idee bis zur Umsetzung, die immer Nachhaltigkeit garantieren soll. „Jeder kann sich bei uns einbringen. Wir suchen Zeit- und Ideen-Stifter“, sagt Deissner, der großen Wert auf diesen praktischen Ansatz legt. „Andere reden, wir handeln.“

Bei der Bürgerstiftung können Ehrenamtliche an Projekten auf jeder Ebene mitwirken. Das Prinzip kommt an. Etwa 400 Ehrenamtliche engagieren sich bei der Stiftung.

Allein 135 Menschen sind derzeit als Lesepaten in Braunschweiger Schulen und Kindergärten für ein Projekt zur Leseförderung unterwegs. Nachhaltig will die Stiftung das Leseverständnins und die Freude am Lesen fördern. „Dazu richten wir beispielsweise Bibliotheken in Schulen und Kindergärten ein“, so Deissner. Dazu gehören Bücher aber auch die Einrichtung: Gemütliche Leseräume sollen die Lust am Lesen wecken. Zudem stellt die Bürgerstiftung den Einrichtungen Verwaltungssoftware für Bibliotheken zur Verfügung. Im Mittelpunkt stehen gemeinsame Einheiten, bei denen häufig auch zweisprachig zusammen gelesen wird. „Zu diesen Veranstaltungen kommen oftmals 100 Kinder“, berichtet Deissner. Das gesamte Projekt zeige sehr deutlich, dass Projekte der Stiftung nachhaltig sein sollen.

Neben der Projektarbeit will die Stiftung auch Menschen zusammenbringen und den Ideenaustausch fördern. Zahlreiche Veranstaltungen haben sich bereits etabliert beispielsweise der Bürger-Brunch. Am 25. August wird der dritte Jazz-Frühschoppen stattfinden. Außerdem organisiert die Stiftung ein Bürger-Singen in der Magnikirche. Jeden Mittwoch ab 17.15 Uhr treffen sich etwa 100 Leute, um Volkslieder zu singen. Eine weitere Idee hat die Stiftung angeschoben: „Es gab in Braunschweig schon immer gute Stadt-, aber keine Stadtteilführungen“, erzählt Deissner. Die Stiftung hat mit den Ortsteilheimatpflegern deshalb eine eigene Serie gestartet.

Zustifter sind natürlich jederzeit willkommen. Ab 1.000 Euro geht es los. Von jedem Euro in der Stiftungskasse werden 90 Cent genutzt, um Projekte zu fördern. Eine Stiftung müsse wie ein Unternehmen agieren und ebenso geführt werden, findet Deissner. „Wir verstehen uns als Dienstleister, für Menschen, die mit ihrem Geld etwas Gutes tun wollen.“

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