und
1. November 2017
Engagement

„Wir sind Ermöglicher, keine Konzert- oder Kunstveranstalter“

Axel Richter, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Braunschweigischen Stiftung, verwaltet zusammen mit einem neunköpfigen Team ein Stiftungsvermögen von mehr als 50 Millionen Euro

Axel Richter, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Braunschweigischen Stiftung. Foto: Holger Isermann

Welche Rendite erreichen Sie?

Auf die Weise haben wir bis vor Kurzem tatsächlich noch Ausschüttungsquoten – die Renditen liegen deutlich höher – von drei Prozent gehabt. Natürlich merken auch wir langsam, dass die Zinsen zurückgehen, aber dennoch behalten wir das Modell bei.


Bedeutet das, dass Sie zukünftig weniger Geld ausschütten können?

Aus eigenem Ertrag schon, aber es gibt noch andere Möglichkeiten, Mittel zu akquirieren. Was hindert uns daran, unsere Mittel als Trigger zu nehmen, um zu sagen, wir beteiligen uns, aber erwarten, dass auch andere Interessensträger mitmachen. In ähnlicher Funktion sind wir über unsere Stiftungspartner GmbH auch für andere Stiftungen aktiv und verwalten deren Vermögen.


Wie viele Stiftungen betreuen Sie?

Im Moment circa 30 – ein Mix aus rechtsfähigen Stiftungen, die wir in der Verwaltung haben, aus Treuhandstiftungen unter Lebenden, und es gibt auch Treuhandstiftungen von Todes wegen, das heißt, es wird testamentarisch verfügt, dass zum Zeitpunkt des Todes diese Treuhandstiftung errichtet wird. Die Braunschweigische Stiftung ist dann Erbin und verpflichtet, dieses Erbe in die Treuhandstiftung als Vermögensbasis einzubringen.


Warum sollte man mit seinem Geld zu Ihnen kommen?

Weil die Braunschweigische Stiftung als privatrechtliche, selbständige, unabhängige und gemeinnützige  Stiftung vor ihrem ganz eigenen Hintergrund – der ist ja ein öffentlich-rechtlicher und stark kontrolliert – und ihrem Netzwerk eine der seriösesten Partnerinnen für die dauerhafte Verwaltung von Treuhandvermögen überhaupt ist. Zunächst sollte man aber zu uns kommen, um sich klar darüber zu werden, ob man überhaupt ein Stifter ist.


Was sind denn die Alternativen?

Es gibt viele Menschen, die aktiv helfen oder spenden wollen und das ist genauso wichtigwie die Entscheidung eines Stifters zu sagen: Ich möchte dauerhaft mein Vermögen einsetzen für einen ganz bestimmten Zweck, und dann ist das Stichwort auch bereits gefallen: es muss schon die Überzeugung von Dauerhaftigkeit sein.


Wir haben in der Region zwei Banken, die sich rege im Bereich Stiftungen engagieren. Wie sehr scheint bei der gemeinnützigen Arbeit diese Konkurrenzsituation durch?

Bei der Sparkasse handelt es sich, wie auch bei der Volksbank Brawo, um sich regional verpflichtet fühlende Institute. Da gibt es eine Bindung, eine Haltung zur Region. Das spricht nicht gegen Wettbewerb unter beiden Unternehmen. Auf Stiftungsebene kooperieren wir ganz selbstverständlich in Arbeitskreisen und Gesprächsrunden. Gefährlich wird es immer dann, wenn irgendjemand meint, die Stiftung müsste zum Vehikel für unternehmerischen Wettbewerb werden. Wettbewerb hat im Stiftungsbereich nichts zu suchen, Konkurrenz schon gar nicht.


Sehen Sie diese Gefahr?

Für uns sage ich ein klares ‚Nein‘, bei den Kollegen wird das nicht anders sein.


Sie haben jüngst im Interview mit der Braunschweiger Zeitung betont, „da wo wir ja sagen wird etwas ermöglicht, wo wir nein sagen vielleicht nicht“. In dem Satz schwingt einiges an Verantwortung mit…

Wir sind immer wieder in der unglücklichen Lage, dass wir uns zwischen den Projekten entscheiden müssen …


…wie bei „Kunst hier und jetzt“?
Ihre Entscheidung auszusteigen, haben viele Künstler kritisiert. Zu recht?

Nein. Wir haben das Projekt irgendwann vor vielen Jahren von vier Studierenden übernommen und wollten die Region aufmerksam darauf machen, dass es hier ganz viele Kunst- und Kulturschaffende gibt. Jetzt haben wir uns das Engagement kritisch angeguckt und sind sowohl beim Tastentaumel wie auch bei „Kunst hier und jetzt“ ganz klar der Meinung, wir haben unseren Auftrag erfüllt. Wir sind Ermöglicher, keine Konzert- oder Kunstveranstalter.

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