und
1. November 2017
Engagement

„Wir sind Ermöglicher, keine Konzert- oder Kunstveranstalter“

Axel Richter, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Braunschweigischen Stiftung, verwaltet zusammen mit einem neunköpfigen Team ein Stiftungsvermögen von mehr als 50 Millionen Euro

Axel Richter, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der Braunschweigischen Stiftung. Foto: Holger Isermann

Die Region hat viele erfolgreiche Unternehmen und Unternehmer. Sind diese gemeinwohlorientiert genug?

Ich war nie Pessimist, was das Ehrenamt und das Gemeinwohl betrifft. Das ist breiter aufgestellt, als man es auf den ersten Blick sieht. Etwas für die Region zu tun, ist aber gar nicht so einfach, weil viele, die Unterstützung benötigen, immer noch relativ unstrukturiert und unstrategisch auf die vermeintlichen Geldgeber zustürmen. Wenn Sie mittelständischer Unternehmer sind, dann haben Sie keine eigenen Mitarbeiter für das Thema, sondern bekommen das alles selbst auf den Tisch …


… und sind vielleicht damit überfordert?

In jedem Fall zeitlich und kapazitativ. Es ist gar nicht so leicht, die richtigen Projekte mit den richtigen Engagierten zusammenzubringen. Natürlich haben die Großen eine Strategie für ihr Engagement, aber die kleinen und mittelständischen Unternehmen haben das in der Regel nicht und tun trotzdem viel mehr, als die Öffentlichkeit wahrnimmt.


Können Sie ein Beispiel für eine Stiftung oder ein Unternehmen nennen, das sehr aktiv aber relativ zurückhaltend mit der Kommunikation ist?

Dazu gehören die Stiftungen der Volkswagen Financial Services oder auch Stiftungen von Unternehmern wie Jochen Staake und Fritz Knapp. Die betreiben keinen großen Kommunikationsaufwand, der das Erreichte darstellt. Sehr aktiv sind zum Beispiel die Kollegen von der Volksbank BraWo.


Hört man da Kritik heraus?

Nein, ihre Frage war ja eine ganz objektive. Eine Stiftung muss sich fragen, wie viel Kommunikation – gemessen an ihrem Auftrag – angemessen und erforderlich ist. Die beiden für das gesamte Braunschweigische Land zuständigen Stiftungen, also die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz und wir – versuchen einen Spagat. Wir wollen auf das Thema Stiftungen und einzelne Projekte aufmerksam machen, ohne uns ständig in den Mittelpunkt zu stellen.


Wie bewerten Sie die Kritik des Landesrechnungshofs an der Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz?

Der Dreh- und Angelpunkt ist das Verständnis der Funktion und Aufgabe dieser Stiftung. Ich glaube, das ist eine politische Frage. Wenn Sie mich ganz persönlich fragen: Ich wünsche mir an der Stelle eine schnelle Versachlichung der Debatte und eine kooperative Lösung. Die unglaublich wichtige Arbeit der Stiftung verträgt auf Dauer keinen Streit, sondern nur eine Unterstützung von jeder Seite.


Wie hat Sie die langjährige Stiftungsarbeit persönlich verändert?

Ganz erheblich. Diese Arbeit ist extrem horizonterweiternd. Man entwickelt und schärft über die intensiven Gespräche mit vielen verschiedenen Menschen kontinuierlich sein Einschätzungsvermögen, den Blick auf das Gemeinweisen und die gesellschaftliche Entwicklung.

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