On- oder Offline? - Standort38
12. Juli 2017
Fitness & Gesundheit

On- oder Offline?

So gehen Entscheider aus der Region mit dem Spagat zwischen Verantwortung und Auszeit im Urlaub um

Verantwortung und Auszeit im Urlaub. Foto: Mariusz Blach - Fotolia

Leiter der Braunschweiger Privatbank


Sascha Köckeritz. Foto: Holger Isermann

Ich habe mein Smartphone und mein iPad dabei und bin grundsätzlich erreichbar. Allerdings sollte es eigentlich auch nichts geben, was mein Vertreter nicht auch regeln und entscheiden kann 🙂 Emails und Rückrufe werden während meines Urlaubes in der Regel zweimal am Tag – morgens vor dem Frühstück und abends vor dem Dinner – angeschaut respektive angehört und bearbeitet. Meine Emails werden von meiner Assistenz vorab gescreent und soweit wie möglich bearbeitet. Diese Vorgehensweise ist für mich wesentlich entspannter als nach meiner Urlaubsrückkehr mit Themen, E-Mails oder ähnliches überhäuft zu werden.

Präsidentin der HBK Braunschweig


Vanessa Ohlraun. Foto: Holger Isermann

Ich reise immer mit meinem Laptop und nutze ihn zur Recherche, Lektüre, Kommunikation oder Unterhaltung. Er ist mein Zugang zur Welt. Allerdings ist es für mich wichtig, dass Arbeits- und Privatleben miteinander in Einklang stehen. Ich lese daher im Urlaub keine beruflichen Mails. Vorstöße einzelner Firmen gegen dienstliche Mails außerhalb der Arbeitszeiten finde ich lobenswert. In Frankreich gibt es hierzu seit 2016 sogar ein Gesetz, das das „Recht zum Abschalten“ gewährt. Selbst wenn ich manchmal am Wochenende arbeite und Mails verschicke, erwarte ich von keinem vor Beginn der Woche eine Antwort.

Geschäftsführer der FIBAV Unternehmensgruppe


Sven Hansmeier. Foto: Michael Miklas

Der vermeintliche Drang nach ständiger Erreichbarkeit im Urlaub ist vor allem eine Frage des Vertrauens in die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Unternehmens. Ich vertraue in die Fähigkeiten meiner Führungskräfte, die Eigenständigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und in die gute Aufstellung des Unternehmens. Deswegen telefoniere ich im Urlaub nicht mit der Firma  und treffe aus dem Urlaub heraus grundsätzlich keine Entscheidungen. Ich behalte Mails im Auge, die ich aber nicht bearbeite, sondern bestenfalls kommentarlos ausschließlich an meine Vertretung weiterleite. Da das seit Jahren tadellos funktioniert, ist dieses Vertrauen voll gerechtfertigt. Außerdem halte ich Geschäftsführung vom Liegestuhl aus für nicht sehr förderlich.

CEO der FME AG


Dirk Bode. Foto: Privat

In den Sommerferien ist mein Smartphone dabei, aber auf die Firma umgeleitet und die Firmen-Email ist deaktiviert. Das iPad nehme ich auch mit, schalte aber auch hier die Firmen-Email ab und nutze es ausschließlich zum Lesen und Surfen. Das Notebook bleibt im Büro. Diese zwei bis dreiwöchige „Entziehungskur“ ist ein alljährliches Ritual. Im Notfall bin ich per SMS erreichbar. Die Regel ist einfach: Bitte nur stören, wenn der Papst oder die Bundeskanzlerin mich dringend sprechen möchten. Dieser „Notfall“ ist in 20 Jahren nicht eingetreten und wird wahrscheinlich auch in den nächsten 20 Jahren nicht eintreten 😉

Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg


Klaus Mohrs. Foto: Stadt Wolfsburg

Selbstverständlich habe ich Smartphone und Tablet im Urlaub dabei. Vieles im Leben wird ja heutzutage digital organisiert – nicht nur im Arbeitsleben, sondern auch in der Freizeit. Die digitale Kommunikation macht es möglich, in Kontakt und informiert zu bleiben und auch Dinge zu erledigen, ohne sich unbedingt an einem bestimmten Ort aufhalten zu müssen. Mit dem Oberbürgermeister wollen natürlich immer viele Menschen in Kontakt bleiben. Ich habe viele Dinge zu regeln. Trotzdem gönne auch ich mir von Zeit zu Zeit Pausen – insbesondere in meinem Jahresurlaub.

Vorsitzender der Geschäftsführung der EWW Energy from Waste GMBH


Bernard M. Kemper. Foto: Holger Isermann

Urlaub oder Wochenende ohne Smartphone und Tablet sind heute – leider – nicht mehr vorstellbar. Die Erreichbarkeit in dringenden Fällen muss gewährleistet sein, das ist auch für mich in Ordnung. Allerdings sollte es sich darauf auch beschränken, was nicht immer der Fall ist. Vielmehr ist es mittlerweile selbstverständlich, dass auch für Fragen aus dem Tagesgeschäft Erreichbarkeit erwartet wird. Von daher ist das Smartphone zum ständigen Begleiter geworden. Es nicht dabei zu haben, gibt ein ungutes Gefühl.

Geschäftsführerin der Oskar-Kämmer-Schule


Doris Masurek. Foto: Holger Isermann

Ich empfinde es nicht als Störung oder Belastung, im Urlaub erreichbar zu sein. Das gehört dazu. Von Verantwortung kann man schließlich nicht in Urlaub gehen. Trotzdem verlasse ich mein Unternehmen vorher natürlich möglichst so, dass es wenige offene Fragen gibt, lege Vertretungen fest und treffe Vereinbarungen für bestimmte Kommunikationswege.  

Stellvertretender Vorstands-Vorsitzender der Öffentlichen Versicherung Braunschweig


Knud Maywald. Foto: Öffentliche Versicherung Braunschweig

Ich fahre nicht ohne mein Smartphone in den Urlaub – meiner Funktion entsprechend habe ich ein besseres Gefühl, wenn ich auch außerhalb der Öffentlichen erreichbar bin und reagieren kann. Grundsätzlich entscheide ich aber natürlich selbst, wann man mich anrufen kann und wann ich die Geräte ausschalte. Auf jeden Fall sollte immer am wichtigsten sein, dass Urlaub zum Abschalten und Erholen da ist. Ich gebe allerdings zu, dass ich selbst in dieser Frage manches Mal disziplinierter sein müsste.

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