Forschungsserie: Mit starken Industriepartnern zu mehr Nachhaltigkeit

Institut für Recycling an der Ostfalia Hochschule

Das Institut für Recycling an der Ostfalia Hochschule in Wolfsburg. (Foto: Daniel Götjen)

Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Umweltbewusstsein gehören auch in den Ingenieurswissenschaften längst zum guten Ton. Am Institut für Recycling forschen Mitarbeiter der Ostfalia darum bereits seit Anfang der 1990er an modernen und umweltschonenden Werkstoffen und deren Wiederverwendung.

„Diplomierte Müllmänner“ titelte eine große deutsche Zeitschrift damals, berichtet der heutige Institutsleiter Prof. Dr.-Ing. Achim Schmiemann lachend. Heute, fast 25 Jahre später, gibt es den Studiengang nicht mehr, aber die Expertise des Instituts ist gefragt wie nie zuvor. Als sich zu Beginn der Neunziger ein stärkeres ökologisches Bewusstsein in der deutschen Bevölkerung entwickelte, stellte das auch die universitäre Forschung vor neue Herausforderungen. Themen wie Nachhaltigkeit und Recycling, die bis dahin kaum beachtet worden waren, spielten plötzlich eine viel größere Rolle und führten dazu, dass sich in Forschung und Lehre eine Vielzahl neuer Möglichkeiten eröffnete. An der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, die damals noch unter dem Namen Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel bekannt war, erkannte man diese Entwicklungen früh und gründete einen von wenigen Recycling-Studiengängen in Deutschland. Aufgrund abnehmenden Interesses wurde der Studiengang mittlerweile geschlossen, doch Forschung und Lehre am Institut für Recycling sind fester Bestandteil anderer Studiengänge. Das Alleinstellungsmerkmal ist geblieben: Ein weiteres Institut für Recycling gibt es in der deutschen Hochschullandschaft nicht. Die Folge: „Von Industrie und Forschung werden wir heute häufiger um Hilfestellungen gebeten als je zuvor“, so Schmiemann.

Der eindeutig größte dieser Industriepartner ist Volkswagen. Mit dem Autobauer arbeiten sowohl die wissenschaftlichen Mitarbeiter als auch die Studierenden am Institut für Recycling (IFR) eng zusammen, es gibt eine Vielzahl an Kooperationen in unterschiedlichen Bereichen. Vor allem in Sachen Kunststoffe und Leichtbau ist das Institut eine internationale Top-Adresse, im Wolfsburger Heinenkamp steht dem IFR ein moderner Geräte- und Maschinenpark zur Verfügung. Dabei hilft vor allem der Standort: Sowohl in Sachen Forschung als auch in der Industrie können die Ingenieure am Institut auf ein riesiges Netzwerk zurückgreifen. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Großkonzerne wie Volkswagen oder Faurecia sowie Zusammenschlüsse wie das Niedersächsische Forschungszentrum Fahrzeugtechnik (NFF) und die Open Hybrid LabFactory machen die Region für die Recycling-Forscher besonders attraktiv.

Die Kunststoffe und Baumaterialien, an denen man am Institut für Recycling erfolgreich forscht, finden vor allem in der Automobilindustrie und bei ihren Zulieferern Verwendung. Die Liste der geförderten Projekte ist lang und vielfältig: Sie reicht von biologisch abbaubaren Kunststoffen über Verwertungskonzepte von Automobilteilen bis zum Aufbau eines Expertennetzwerks zum Thema Polymertechnik.

Deutlich wird am IFR außerdem, dass die Fachhochschulen nicht zu Unrecht im Ruf stehen, besonders in Sachen Praxisbezug zu punkten: Alle Ostfalia-Professoren haben Erfahrungen in der Industrie gesammelt und verfügen darum bis heute über beste Kontakte dorthin. Davon profitieren die Wissenschaftler genauso wie ihre Studierenden. Die TU Braunschweig sei folglich keine Konkurrenz, erklärt Institutsleiter Schmiemann: „Wir ergänzen uns!“ Schmiemann ist schon seit 1994 am Institut und weiß um die Vorzüge seines Arbeitgebers. Der Kunststoff-Experte wechselte nach seiner Promotion als erster Mitarbeiter im Bereich Recycling zu Bayer und entschloss sich nach seiner Zeit in der Industrie, dem Ruf der Fachhochschule zu folgen. Wie er die Bedeutung seines Instituts für Forschung, Industrie und unsere Region beurteilt, lesen Sie in
diesem Interview.

 

Gemeinsam mit dem Kunststoff-Zentrum SKZ veranstaltet die Ostfalia am 24. und 25. November die Fachtagung „Kunststofftrends im Automobil“. Programm- und Anmelde-Informationen finden Sie unter:
www.kunststofftrends-wolfsburg.de

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