Hassliebe Homeoffice - Standort38
und
7. Mai 2020
Impulse

Hassliebe Homeoffice

Wir haben aktuelle Studien für Sie gefunden, gelesen und ausgewertet

Der Arbeits- platz der Zukunft. Illustration: nadyac – Adobe Stock.

Ins Büro zu gehen ist fest in den Alltag integriert und dessen Umgebung und Gestaltung wird nicht hinterfragt, ist sie doch immer schon so gewesen. Doch werfen Sie einen genaueren Blick auf Ihren alltäglichen Arbeitsort, wenn Sie aus der Homeoffice-Zeit zurückkehren – wo Viele sowieso lieber arbeiten als an ihrem Hauptarbeitsplatz. Wie bequem ist Ihr Bürostuhl, wie laut Ihre Kollegen? Welche Anforderungen deutsche Arbeitnehmer an ihren Arbeitsplatz stellen, wie er in der Realität aussieht und wie sich die Gestaltung des Büros auf die Produktivität auswirkt, zeigen aktuelle Studien, die wir für Sie gefunden, gelesen und ausgewertet haben …

llustrationen: nadyac – Adobe Stock.

Moderne Manager
Der Arbeitsplatz der Zukunft ist für viele, insbesondere große Unternehmen von hoher Relevanz – nur das Thema IT-Sicherheit ist wichtiger. Vor allem ist er aber wichtig für die obersten Manager im sogenannten C-Level, weniger aber für Fachabteilungen.

Mittel zum Zweck
Gerade für jüngere Mitarbeiter bis 29 Jahre ist der Arbeitsplatz der Zukunft wichtig. Ältere Mitarbeiter ab 50 hingegen legen keinen großen Wert auf die Modernisierung der Arbeitsstätte. Bei der Gestaltung des Arbeitsplatzes der Zukunft steht die Mitarbeiterbindung als Grund ganz oben, eine attraktive Arbeitsumgebung gilt als Mittel im Kampf um Fachkräfte.

Mitspracherecht?
Bei der Modernisierung des Arbeitsplatzes haben die Mitarbeiter Mitspracherecht – das sagen jedenfalls die Führungskräfte. So gab knapp die Hälfte an, dass die Mitarbeiter befragt wurden, bei 40 Prozent gab es Bedarfsanalysen. Die Mitarbeiter hingegen behaupten, dass nur jeder fünfte dazu befragt wurde und viele gar nicht zu Wort kamen.

llustrationen: nadyac – Adobe Stock.

Hauptarbeitsplatz vs. Homeoffice
Rund 86 Prozent der Aufgaben werden von den Mitarbeitern am eigentlichen Hauptarbeitsplatz erlegt, sechs Prozent im Homeoffice. 39 Prozent der Befragten haben zeitweise auch außerhalb des Unternehmens Teile ihrer Aufgaben erledigt. Könnten die Befragten ihren Arbeitsort frei wählen, würden nur 64 Prozent der Aufgaben am Hauptarbeitsort erledigt – 21 Prozent der Mitarbeiter würden dann lieber im Homeoffice arbeiten.

Zuhause ist es am schönsten
63 Prozent der Befragten haben keine Möglichkeit, zuhause zu arbeiten. Von denjenigen, die aber im Homeoffice arbeiten dürfen, haben 83 Prozent an einem Tag in der Arbeitswoche von zuhause aus gearbeitet. Wäre es möglich, würden mehr als 25 Prozent aller Befragten weniger als die Hälfte der Arbeitszeit am Hauptarbeitsplatz verbringen.

Open Space
Mit 65 Prozent bestehen zwei Drittel der Büroarbeit aus konzentrierter Einzelarbeit. Dabei ist es egal, ob alleine in einem Raum oder zusammen mit Kollegen im sogenannten Open Space gearbeitet wird. Rund 30 Prozent der Aufgaben besteht aus Kollaborationen, die am häufigsten (37 Prozent) in Zellenbüros stattfinden. In Activity-Based-Working bzw. Open-Space-Landschaften wird nur 28 bzw. 27 Prozent kollaborativ gearbeitet.

llustrationen: nadyac – Adobe Stock.

Schlecht designte Arbeitsumgebung
Insgesamt 13 Millionen Arbeitnehmer arbeiten in einem Büro, in dem die Umgebung sie nicht bei ihrer Arbeit unterstützt. In Deutschland werden die Büros schlechter bewertet als beispielsweise in Großbritannien oder den USA. So haben 73 Prozent der befragten Mitarbeiter in deutschen Unternehmen eine „schlecht designte Arbeitsumgebung“. Und das hat Konsequenzen: Arbeitnehmer mit einem gut designten Büro sind um 19 Prozent zufriedener als jene mit weniger gut gestalteten Arbeitsorten.

Pluspunkte
Eine gut durchdachte Gestaltung des Arbeitsplatzes wirkt sich positiv auf die Zusammenarbeit mit anderen und auch die eigene Konzentration aus. Außerdem wird so das Zugehörigkeitsgefühl (19 Prozent) und die Gemeinschaft insgesamt (23 Prozent) gestärkt. Offene Büroflächen haben dazu noch einen weiteren Pluspunkt: Sie erleichtern den Kontakt zu den Kollegen (16 Prozent).

Unbequem
Fast jeder fünfte Befragte hat keinen bequemen Bürostuhl – dabei halten dies 98 Prozent für den wichtigsten oder einen sehr wichtigen Wohlfühlfaktor. Auch eine angenehme Temperatur im Büro spielt eine wichtige Rolle. Knapp 40 Prozent der Befragten sehen hier Verbesserungsbedarf.

llustrationen: nadyac – Adobe Stock.

Lieber Großraumbüros
52 Prozent der Befragten würden lieber in einem Großraumbüro arbeiten – wenn es auch private Rückzugsorte oder bei Bedarf ein Einzelbüro gibt. Derzeit arbeiten aber drei Viertel der Befragten in einem geschlossenen Büro.

Ruhe!
Knapp 90 Prozent wünschen sich an ihrem Arbeitsort einen niedrigen Geräuschpegel, dieser wird aber nur bei 60 Prozent eingehalten. Rund 14 Prozent der Arbeitszeit geht dadurch verloren, dass Arbeitnehmer von ihren Kollegen gestört werden.

Praktisch modern
Fast drei Viertel der Bürobeschäftigten in Deutschland wünschen sich ein eher funktionales und praktisches Büro. Vor allem unter 35-Jährige wünschen sich hingegen ein gemütliches, modernes Ambiente bei der Arbeit.

Produktivität durch Wohlfühlen
Vier von fünf Arbeitnehmern (78 Prozent) sind sich sicher, dass ihre Produktivität durch das Wohlbefinden am Arbeitsplatz direkt beeinflusst wird. Fast alle Übrigen (21 Prozent) halten das zumindest für möglich.

Veränderung
36 Prozent der Befragten geben an, dass sich die Ausstattung ihres Arbeitsplatzes in den letzten fünf Jahren sehr stark oder stark verändert hat. Diese Veränderung bewerten drei Viertel davon als positiv, jeder fünfte als neutral und neun Prozent als negativ.

Quellen: Arbeitsplatz der Zukunft 2018, Rapal – Optimaze Workplace Revier 2018, Gensler Workplace Survey 2019, IBA-Studie 2017: Wohlbefinden im Büro

Standpunkt


Von Julia-Janine Schwark
Schon zum Frühstück Buscetta mit Knoblauch, bei sonnigem Wetter arbeiten auf dem Balkon und keine Ausrede mehr für das morgendliche Workout, das einfach in das Zeitfenster vom Arbeitsweg geschoben wird – so sah meine Vorstellung vom Homeoffice in der ersten Woche aus. Dafür strich ich die doch mal laute Büroatmosphäre und qualitativ schwankende Kaffeesorten – da bin ich von Haus aus eigen – erstmal aus dem Tagesgeschäft.
Wie es inzwischen wirklich aussieht? Auch wenn ich, darf man den Äußerungen in den sozialen Netzwerken Glauben schenken, damit zu den Exoten gehöre: Ich kann meine eigenen vier Wände immer noch gut sehen. Und ich kann gut alleine sein. Umso spannender finde ich es dann, bei den täglichen Videokonferenzen meine Kollegen außerhalb des Büros zu „treffen“ und mal so einen ganz anderen Eindruck von ihrem Leben zu erhalten. An dieser Stelle möchte ich auch allen Eltern meinen größten Respekt aussprechen, die superheldenartig die Rolle der kompetenten Fachperson und des Elternteils vereinbaren und bei denen teilweise noch Hund und Katze mit ins Bild linsen. Und natürlich allen, die mit gefährlichem Blickfeld auf den Kühlschrank arbeiten müssen.
Inzwischen muss ich mir das Arbeitszimmer allerdings auch teilen – aktuell mit einer karierten Pyjamahose und Hundehausschuhen. Nein, ich habe kein Kind zuhause, aber einen Partner. Doch vor dem kann ich, wenn sich die Telefonkonferenzen mal wieder überschneiden, immerhin in die Küche und Richtung Kühlschrank flüchten.
Aber um ehrlich zu sein: Auch ohne Kinder geht die fest eingeplante Zeit für den Frühsport irgendwo zwischen Bett und Schreibtisch verloren. Sollten Sie mich vor zehn Uhr kontaktieren, verzichten Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit lieber auf die Videoübertragung. Und, auch wenn ich echt verdammt gut alleine sein kann, vermisse ich meine Kollegen und unsere Pausen – selbst wenn sie bei wechselnden Kaffeesorten stattfinden.

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